Archiv für September, 2008

Oslo im Herbst

Kurz vor Oslo

Aus dem Fenster hatte ich zuletzt gestern um 14 Uhr 30 geschaut, auf dem Weg vom Deck runter in unseren Tagungsraum (der eher einem Kino ähnelt). Als wir heute Morgen nach einer kaum schaukeligen Nacht in der Kabine zum Aufzug gingen, hatte ich fast schon vergessen, dass es überhaupt Fenster gibt, und musste erst von meiner Zimmergenossin daran erinnert werden. Auf einmal waren wir in Skandinavien!

Beim Frühstück zog wie auf einer Leinwand Norwegens Küste an uns vorbei. Mit den vielen kaum bewohnten Felsen wirkt es wie ein schroffes Schweden, kühler, aber das könnte auch am Herbst liegen. Der färbt die Bäume herrlich bunt in alle möglichen Grün- und Brauntöne.

Jetzt gerade sitze ich wieder vor einem Fenster, einem riesigen, und es zeigt mir die Vororte Oslos durch einen verregnet-diesigen Schleier. Da sind diese typischen Holzhäuser neben schön verwinkelten kleinen Villen, unzählige Segelboote und jede Menge kleine Lichter. Ich muss das schnell fotografieren!

Brücke zur Heimat

„Die Deutsche Welle war ein Jahr lang meine Brücke nach Deutschland“, erinnert sich Josche van der Ven, 17. Er ist vor kurzem von seinem Austauschjahr in Argentinien zurückgekehrt. Beim Zappen stieß er dort auf das Programm des deutschen Auslandsrundfunks. „Ich habe regelmäßig die deutschen Nachrichten angesehen“, sagt er. „Und gleich im Anschluss noch die spanischen. So blieb ich auf dem Laufenden und konnte mir immer wieder ein bisschen deutsche Kultur nach Argentinien holen.“

Als „Brücke zur Heimat“ für Deutsche, die im Ausland leben und arbeiten, versteht sich die Deutsche Welle auch selbst – jedoch nicht hauptsächlich. Vordergründig geht es ihr um die Vermittlung der deutschen Kultur in die ganze Welt.

Seit 55 Jahren gibt es das Medienunternehmen schon. Inzwischen arbeiten 1500 Mitarbeiter aus mehr als 60 Ländern für die Radio-, Fernseh- und Online-Redaktionen. Sie produzieren Inhalte in 30 verschiedenen Sprachen, die man in aller Welt empfangen kann.

Wer als Journalist also international arbeiten möchte, ist bei der Deutschen Welle genau richtig. Zum Sender gehört nämlich auch noch ein Ausbildungszentrum, die DW-Akademie. Sie bildet zum Einen Journalisten in Entwicklungsländern aus, um die Unabhängigkeit und Professionalität der Medien dort zu fördern.

Für deutsche Jungjournalisten gibt es außerdem die Möglichkeit, ein Volontariat zu machen. Das ist eine 18-monatige Journalismusausbildung in verschiedenen Bereichen der Deutschen Welle. „Wir unterscheiden zwischen zwei verschiedenen Varianten“, erklärt Dr. Andrea Rübenacker, Bereichsleiterin Afrika der Akademie. „Es gibt das Fremdsprachenvolontariat für Journalisten aus aller Welt, die neben ihrer Muttersprache auch noch fließend Deutsch sprechen. Außerdem bieten wir ein normales Programmvolontariat an.“

Je zehn Volontäre werden jährlich angenommen. Sie müssen ein anspruchsvolles Auswahlverfahren hinter sich bringen: Aus zahlreichen Online-Bewerbern werden nur 100 zur zweiten Runde zugelassen, in welcher sie eine Reportage zu einem vorgegebenen Thema schreiben müssen. Anhand der eingereichten Texte wird wiederum ein Drittel der Bewerber ausgesucht und zur letzten Runde nach Bonn in den Hauptsitz der Deutschen Welle eingeladen.

Dort verbrachte auch Peter Dewelaers, 28, zwei Tage mit zahlreichen Tests und Übungen. „Neben den üblichen Wissenstests musste ich Nachrichten schreiben, einen Aufsager machen, Online-Teaser formulieren. Diese Aufgaben wurden jeweils von verschiedenen Redakteuren der Deutschen Welle bewertet. Die Bewerber, die am Schluss die meisten Punkte hatten, gingen dann in ein Auswahlgespräch.“
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Ein Freund der Bienen

Kehren, tragen, schleudern

“Sie denken jetzt, dass es brennt”, erklärt Michael. “Deshalb fliegen sie ganz schnell in den Stock und fressen so viel Honig wie möglich. Da stören sie mich nicht mehr so sehr.” Michael Küpers ist 19 und Imker. Gerade hat er sich seinen Netzhut aufgesetzt und die Pfeife in den Mund gesteckt, die einen feurigen Geruch verbreitet, wenn er reinpustet.

Die Bienen werden nervös und summen noch lauter als vorher. Michael hingegen ist die Ruhe selbst. Umschwirrt von Hunderten von Insekten öffnet er seelenruhig einen seiner Bienenstöcke und kontrolliert die Waben. “Den Honig habe ich schon vor ein paar Wochen rausgeholt”, sagt er und deutet auf die Brutwaben, in denen jetzt zahlreiche neue Bienen heranwachsen.

Volksherrschaft im Bienenstock

Seit er zwölf Jahre alt ist, hat Michael Bienen. Das liegt bei ihm in der Familie: Schon sein Vater, Großvater und Urgroßvater waren Imker. “Bienen sind faszinierende Tiere”, sagt er. “Viele denken, die Königin wäre so etwas wie die Alleinherrscherin im Bienenstock. Aber in Wirklichkeit handelt es sich um eine richtige Volksherrschaft: Wenn die Königin nicht mehr gut ist oder nicht tut, was sie soll, wird sie vom Volk ausgeschlossen. Davon könnten sich die Menschen noch etwas abgucken – aber nicht von der Sache mit den Männern.”

Michael spielt auf die Drohnen an, männliche Bienen, die nur dazu da sind, die Königin zu befruchten. Anschließend werden sie aus dem Stock verbannt und verhungern. Während die Drohnen also nur einmal im Jahr gebraucht werden, hat Michael immer zu tun. Regelmäßig besucht er seine Bienenstöcke. Sie stehen in einem Waldstück, das eine Viertelstunde mit dem Auto von seinem Zuhause entfernt liegt. Dort muss er die Tiere füttern und mit Ameisensäure vor gefährlichen Milben schützen.

Zweimal im Jahr erntet er den Honig. “Das ist der intensivste Teil der Imkerei und auch ziemlich anstrengend”, erzählt Michael. Sämtliche Waben werden dann in eine große Trommel gesteckt, die sich dreht und den Honig so aus den Waben hinausschleudert. Der wird später in Gläser gefüllt und verkauft.
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Tomte im Konzerthaus Dortmund am 25.9.

Thees Uhlmann ist eine harte Sau. Das denke ich jedes Mal, wenn ich ihn so auf die Bühne kommen sehe, und jedes Mal weiß ich spätestens zwei Lieder später: Er ist auch ein großer Poet. Einer, der sich wie ein Kind darüber freut, unplugged in einem Konzerthaus zu spielen, das noch dazu mitten in Dortmunds „subkultureller Fußgängerzone“ liegt, wie er es nennt.

Auf der Bühne trinkt Uhlmann Wasser, Bier und vor allem Wein quer durcheinander, mokiert sich darüber, dass er der einzige Rockstar sei, der eben dafür ausgelacht werde. Von den ganzen „Schlauis“ im Tomte-Publikum, die gegen die Band denken statt mit ihr. Wäre er ein Rapper, sagt er, er wäre der einzige auf der Welt, der sich selber disst.

Wenn man Thees Uhlmann so erzählen hört, zwischen den großartigen musikalischen Darbietungen seiner immer bunteren Band, dann wünscht man sich, dass er eine Kolumne schreiben würde, ein öffentliches Tagebuch, oder warum nicht gleich einen Roman. Ich würde ihn auf der Stelle kaufen.

Und doch ist es ein anderes Bandmitglied, in das ich mich aufs Neue verliebt habe, das aus dem Schatten Uhlmanns charmante Pfeile ins Publikum schießt und es so für sich gewinnt: Simon Frontzeck. Als wir ihn vor gut einem Jahr zum ersten Mal mit Tomte sahen, war er noch aushilfsweise dabei, wenn ich mich recht erinnere. Sein breites Grinsen legte er das ganze Konzert über nicht ab. Der Typ war genau da angekommen, wo das Glück war, und schien es immer noch nicht fassen zu können. Das habe ich jemandem noch nie so deutlich angesehen.

Das Wunderbare ist: Dieses Grinsen hat er nicht verloren. Und das, obwohl er inzwischen als Mann für die Tasten festes Bandmitglied ist. Wobei man am „Mann“ jedes Mal wieder zweifeln möchte – weil er immer noch so aussieht, als hätte er gerade das Abi bestanden und wäre jetzt der Praktikant der Band. Kein Wunder also, dass Thees Uhlmann ihn „eine Mischung aus Harry Potter und Keanu Reeves“ nennt – und dafür einen Mittelfinger erntet.

Aber selbst das sieht noch süß aus von dem Jungen, der binnen eines Konzertes – und gern auch mal innerhalb eines Liedes – Flügel, Orgel, Melodica und Xylophon bedient. Wenn er die spielt, ist das so leidenschaftlich und so gut. Und dann dreht er sich um, legt die Füße auf die Monitorbox und schirmt mit der Hand die Augen ab, um das Publikum erkennen zu können. Da ist es um mich geschehen.

Trotzdem darf man und möchte ich nicht vergessen, dass Frontzeck nur einer von sechs Leuten ist, die diese Band so besonders machen. Alle zusammen fabrizieren sie eine Musik, die die inspirierendste und ehrlichste ist, die man in Deutschland hört. Warum also sollte man nicht ewig grinsen, wenn man bei so etwas mitmachen kann?

Und überhaupt: „Harry Potter kann zaubern, und Keanu Reeves ist in der MATRIX“ – was will man mehr?!