Ein Freund meines Vaters hat mal eine Geschäftsreise gemacht. Am Bahnhof nutzte er die Wartezeit aus, um SMS zu schreiben. Dann fuhr der Zug ein und er musste noch eine Nachricht zu Ende tippen. Mit gesenktem Kopf wurschtelte er sich zur Waggontür durch und nahm die vielen Herren im schwarzen Anzug, die auf einmal überall um ihn herum auftauchten, kaum wahr. Er setzte sich in sein Abteil und brauchte noch ein, zwei Minuten, ehe er die SMS beendet hatte. Dann blickte er auf und sah ihm gegenüber plötzlich zwei von den schwarzen Männern sitzen – und zwischen ihnen Gerhard Schröder.
Der war damals noch Kanzler. Nachdem der Freund meines Vaters sich gefangen hatte – dazu brauchte er ein paar Sekunden – stellt er ihm folgende Frage: “Herr Kanzler, was ich schon immer einmal wissen wollte: Woher bekommen Sie diese grandiosen Krawatten?”
Das ist eine tolle Frage. Sie hat diesen vielinterviewten Mann überrascht, sie war außergewöhnlich, nicht zu tiefgründig und hat ihn kurz nachdenken lassen.
Ich habe ein wenig Angst davor, einmal in eine ähnliche Situation zu kommen. Wenn ich jemanden Berühmtes oder Spannendes oder einfach jemand Neues treffe, dann möchte ich doch die Chance nutzen ihm auch eine solche Frage zu stellen. Aber für den Fall, dass mir spontan keine einfällt, muss ich eine in petto haben. Eine Krawattenfrage – nur eben ohne die Krawatten, etwas universeller, damit sie auch auf Frauen und Menschen mit offenem Kragen passt. Helft mir: Habt ihr Ideen für die ultimative Frage? Ich freue mich auf viele Fragezeichen in den Kommentaren.
Schröder hat damals übrigens geantwortet: “Das weiß ich gar nicht, meine Frau kauft die immer.” Und dann hat er dem Freund meines Vaters ihre Telefonnummer gegeben.



Eine Frage habe ich leider nicht. Aber die Geschichte finde ich wunderschön!
ich glaube ja auch, dass es schwer ist eine universell anwendbare krawattenfrage zu finden. es ist sicher wichtig, sich auf die gefragte person zu beziehen…. zach braff würd ich zum beispiel fragen wo er den skeleton-witz aus der 4. staffel von scrubs her hat…….das ist aber nur eine annäherung
Gerhard Schröder ist ein Idiot. Aber das hat nichts mit dem Kommentar zu tun.
Ich kann auch nur dazu raten, dass man sich auf keinen Fall universelle Fragen zurecht legt, die man dann abruft und abspult. Soziale Kompetenz ergibt sich zu einem Gutteil aus Empathie und Ehrlichkeit. Ich habe zum Beispiel mal auf einem Flug von LAX nach LHR neben einem Herrn Köhler im Flieger (damals noch Chef des Weltwährungsfonds) gesessen. Ich fragte ihn einfach wie es ihm ginge, weil mir auf die schnelle nichts bessseres einfiel. Die -wenig verblüffende- Antwort: “You know – overworked and underpaid.” Die Gespräche während des Fluges, die sich daraus ergaben waren mal heiter, mal profan und mal ernst. Ich glaube nicht, dass es auf Originalität, sondern vielmehr auf Authentizität ankommt, letzlich sind das ja auch alles nur Menschen.
Nachtrag.
Heute mittag bin ich mit der Air Berlin von Berlin nach Frankfurt geflogen und musste zu meiner Überraschung feststellen, dass in der Reihe hinter mir Sigmar Gabriel und Annette Schavan (sie erkannte ich erst, als ich eben im Internet ein Bild von ihr gesehen habe) saßen, die gerade von einer Pressekonferenz kamen. (Sowieso empfehle ich, von Berlin nach Frankfurt oder umgekehrt zu flegen, es sitzen fast immer Prominente an Bord; neulich z.B. Ulrike Folkerts und Andreas Hoppe.)
Ich habe mir den ganzen Flug über die Frage gestellt, welche Frage man wohl unserem Umweltminister stellen könnte. Und weil ich nicht die Tour fahren wollte “Leisten Sie als Umweltminister für Inlandsflüge eigentlich einen CO2-Ausgleich?”, habe ich ihm der Einfachkeit halber auch die Krawattenfrage gestellt. Nicht einfallsreich, aber für die Eröffnung der Reihe “Wir stellen Politikern die K-Frage” ein weiterer Anfang :)
Seine Antwort übrigens: “Die suche ich alle selbst aus. Wer sonst sollte das denn für mich tun?”
Ah, Florian, das ist ja großartig! Noch einen und ich mache eine Website auf, auf der wir die Antworten sammeln.. (: