„Nicht ich habe das Kraftwerk manipuliert. Das Kraftwerk hat mich manipuliert!“
Dass Michel Gondry ein großer, vielleicht der größte aller Bastler ist, wissen wir spätestens seit „Science of Sleep“. Mit „Be Kind Rewind“ (dessen deutschen Titel man sich mal wieder getrost hätte sparen können) übertrifft er sich jedoch noch einmal selbst.
Es geht um den schnuffeligen Mike (Mos Def!), dem von seinem Chef für einige Tage die Verantwortung für die mehr schlecht als recht laufende Videothek übertragen wird. Das Unglück kommt in Form von Mikes Freund Jerry, gespielt von Jack Black, welcher mich hier nach „School of Rock“ wieder in meinem Verdacht bestätigt, dass er eigentlich nur sich selbst spielen kann, oder? Wie auch immer, nach einem misslungenen Anschlag auf ein Elektrizitätswerk ist Jerry magnetisch und löscht alle Kassetten in der Videothek. Aus der Not heraus beschließen die beiden, Kultfilme wie „Ghost Busters“ oder „Rush Hour 2“ einfach nachzudrehen – und sind damit überraschend erfolgreich.
Dieses Mal ist es nicht bloß die schlichtweg überbordende Kreativität Michel Gondrys, die den Zuschauer so begeistert, sondern auch der vielschichtige Humor, in den er das alles verpackt. Hier wird ein Gag nach dem anderen abgefeuert, sei es durch Dialoge, Mimik oder einfach das Bild. Lange nicht mehr habe ich so über einen Film gelacht.
Dazu tragen aber auch die Hauptfiguren bei. Die zwei sind, das muss man wohl so sagen, sicher nicht die hellsten Kerzen im Leuchter. Aber das ist es auch, was sie so liebenswert macht – und was sie mit den übrigen Charakteren gemein haben. Gondry schafft eine Nachbarschaft, die zu skurril ist, als dass sie Wirklichkeit sein könnte, und dennoch wünscht man sich von Herzen, dort einzuziehen.
Und erst die Filme! Um sich Zeit für ihre selbstgedrehten Videos zu verschaffen, erklären Mike und Jerry der Kundschaft, diese müssten erst aus Schweden importiert werden. Die „geschwedeten“ Versionen sind – nach dem grandiosen Erstling „Ghost Busters geschwedet“ – dermaßen erfolgreich, dass die Jungs in Zugzwang kommen. Alle wollen jetzt ihre Do-It-Yourself-Filme sehen. Die beiden suchen sich Verstärkung in Form der süßen Alma (Melanie Diaz) und drehen fortan einen Kultstreifen nach dem anderen. Frei nach dem Motto „ihr wollt es, wir drehen es!“ schaffen sie es sogar, den „König der Löwen“ – einen Zeichentrickfilm! – neu zu verfilmen. Der bunte Trubel wird durch lange Kamerafahrten zusammengefasst, die einem wie Wimmelbilder aus dem Kinderzimmer das Gefühl geben, nie alles sehen zu können, was da an Witz und Ideenreichtum drinsteckt.
Schlussendlich ist es auch diese besondere Gondrymachart, die den Film ausmacht: „Be Kind Rewind“ ist zu keinem Zeitpunkt ein typisch glanzvoller, groß tönender Hollywood-Blockbuster, nicht einmal dann, wenn Sigourney Weaver einen garstigen Gastauftritt hinlegt. Vielmehr hat man am Ende das Gefühl, einen komplett „geschwedeten“ Film gesehen zu haben. Der ist so inspirierend und beglückend wie „Science of Sleep“ – nur eben noch schneller, spannender, bunter und lustiger.








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Bis jetzt 7 Kommentare
roman 15. August 2008 um 18:50 Uhr
Den müsst ihr sehen! Unbedingt.
Michael (academia aestatis) 15. August 2008 um 18:13 Uhr
“Be Kind Rewind” – als ich den film vor 2 1/2 monaten gesehen habe, ging ich irgendwie mit gemischten gefühlen ins kino. science of sleep fand ich nach dem furiosen trailer mit toller musik (death cab!!!) und tollen schauspielern doch irgendwie langatmig und zu überladen mit gondry-spielereien. be kind rewind ist irgendwie anders. der film hat eine ganz besondere stimmung. der blues, die stadt, alles passt. die bewohner waren auch irre sympathisch, ein stars hollow-gefühl hat sich eingestellt. Toller Film!
Michael (academia aestatis) 15. August 2008 um 18:16 Uhr
Gondry’s Hip-Hop Doku “Dave Chapelle’s Block Party” ist für jeden der auch nur ein bisschen was für Hip-hop übrig hat zu empfehlen. Mos Def, Kanye West, Fugees,…
Fand ich gut!!!!
Chris 15. August 2008 um 23:57 Uhr
Klingt gut. Werd ich mir mal ansehen. *kinozeitschrift suchen geh*
Chris 16. August 2008 um 12:54 Uhr
Oh, der ist ja schon etwas älter …
Eva 16. August 2008 um 20:25 Uhr
… läuft aber noch hin und wieder, zum Beispiel bei Sonderveranstaltungen wie “Kino im Stadion”, wo wir ihn gesehen haben. Das war toll!
Sophie 24. August 2008 um 18:16 Uhr
Ach, The Science Of Sleep fand ich schön, wusste gar nicht, dass der gleiche Be Kind Rewind gemacht hat.
Klingt echt super, den will ich jetzt auch sehen :)
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