So ist Paris

“Wir sagen ihnen, dass ich bald sterbe. Dann können sie sich wenigstens freuen, wenn ich es nicht tue.”

Mitten im Sommer läuft ein neuer Film, der mitten im Winter spielt. Da kostet es noch mehr Überwindung, sich trotz des guten Wetters ins dunkle Kino zurückzuziehen – aber für „So ist Paris“ lohnt es sich.

Regisseur Cédric Klapisch, der vorher „L’Auberge Espagnole“ gemacht hat, erzählt in diesem Film zum Beispiel die Geschichte des schwerkranken Pierre (Romain Duris) und seiner Schwester (Juliette Binoche). Die verliebt sich in einen Marktverkäufer, der wiederum eine gute Freundin verliert. Dann wäre da noch die Geschichte des Architekten (François Cluzet), der einen Bruder (Fabrice Luchini) hat, der Professor ist und sich in seine Studentin verliebt (die wunderhübsche Melanie Laurent). Sowieso sind ziemlich viele Männer in diesem Film in Laetitia verliebt. Ach, und da sind noch so viele andere Geschichten!

Das Tolle ist, dass zu keiner Zeit versucht wird, sie alle miteinander zu verbinden. Die Episoden stehen für sich allein, hängen insgeheim aber doch zusammen – nur eben nicht so gezwungen wie in anderen Episodenfilmen à la „Tatsächlich Liebe“.

Überhaupt wirkt hier gar nichts gezwungen. Selbst die überraschendste Wendung wird nicht zu dramatisch hochgepuscht, trotz melancholischer Stellen muss man doch nie weinen. Im Gegenteil: Es gibt wunderbar lustige Szenen und geht mitunter sehr beschwingt zu. Hervorzuheben wäre beispielsweise Juliette Binoches grandioser Strip vor ihrem Marktverkäufer. So wenig gekünstelt, so gemütlich hat man so etwas noch nie gesehen. Zu alledem trägt auch der tolle und äußerst bunte Soundtrack bei.

Alles in allem handelt es sich also keineswegs um einen verfilmten Liebesbrief an Paris, mit den üblichen Bildern vom Eiffelturm, Baguettes und Champs Elysees, wie man es wegen des Titels erwarten könnte. Klapisch hat sich diesen Klischees vielmehr genau von der anderen Seite angenähert. Er blickt nicht durch die Touristen- sondern durch die Einwohnerbrille: Für die echten Pariser ist der Eiffelturm nun mal immer weit weg. Er spielt eine Nebenrolle in ihrem Leben, ist eine Zierde, die sie von ihrem Balkon aus blau blinken sehen. Die Baguettes werden sogar beinahe ironisiert, durch die versnobte, ihre Angestellten quälende Besitzerin der Patisserie.

Die Botschaft des Films ist dann aber doch wieder typisch französisch: Im Leben geht es darum, die kleinen Dinge schätzen zu lernen, zu sehen, wie glücklich man eigentlich ist. Nach 130 Minuten hat sich das dem Zuschauer tatsächlich eingeprägt. Er verlässt das Kino mit offeneren Augen, hochmotiviert, die vielen schönen Dinge in der Welt zu entdecken. Und das geht im Sommer ja sowieso viel besser.

10 Kommentare

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  1. hey! so ein zufall..heute genau den selben film gesehen. hat mir auch sehr gut gefallen, sehr schönes ende. filmmäßig scheinen wir ja wirklich auf einer wellenlänge zu sein. romain duris scheint ja dem klapisch sein liebling zu sein ;) hab gestern babel gesehn (ich weiß, reichlich spät) der hat mich ziemlich umgehaun, toller film! alles liebe, michael
    schreib mir mal, ich langweile mich hier schon zu tode *g*

  2. roman sagt:

    schon 21gramm gesehen michael? fast noch besser, nein, besser.

  3. hey! nein, gesehn nicht. hab ihn auf meinem festplattenrekorder aufgenommen, aber nie angeschaut. würde ich jetzt in den ferien natürlich sofort machen, aber ich befürchte, der wurde schon gelöscht. ich find die idee mit dem titel ja äußerst fein, hab also hohe erwartungen. jetzt werd ich ihn mir natürlich anschauen, wenn du das sagst *g*

  4. lisa sagt:

    perfekt beschrieben, den film!

  5. Lena sagt:

    Ich habe Lust, den Film anzugucken.

  6. mais oui sagt:

    er hat davor nicht “l’hauberge espagnole” gemacht, sondern “les poupées russes”. die menschen werden immer älter, doch eigentlich erzählt er uns immer die selben geschichten (nur die charaktere werden älter). gut so, weil er es am allerbesten von allen kann. er ist einer meiner lieblingsregisseure.

  7. Kathi sagt:

    aber sicher hat cédric klapisch davor l’auberge espagnole gemacht. les poupées russes ist doch sozusagen teil II der geschichte.

  8. Kathi sagt:

    äh, außer unmittelbar vor “so ist paris”. da hat er wohl les poupées russes gemacht.

  9. mais oui sagt:

    :)

    [ich persönlich finde den deutschen titel von "les poupées russes" so furchtbar vermessen, vor allem,weil das mit den matroschkas im film so nett erklärt wird...]

  10. Shahla sagt:

    Cédric Klapisch und Romain Duris eine gute Mischung – Nach wie vor! Dieser Film wird hundertprozentig in meine DVDSammlung (Sparte: Frankreich) aufgenommen. 2 Days in Paris muss ich an dieser Stelle wahrscheinlich nicht erwähnen. :)

    P.S. Der Unterschied war das “lanv” ursprünglich von mir alleine sein sollte. bei le mélange (dem “richtigen” weblog) will jetzt auch jemand mitwirken, der aber mit dem alten Ding nicht zufrieden war. So ist schließlich Le Mélange entstanden.
    Wobei allerdings anzumerken ist, dass ich eigentlich momentan versuche WordPress auf einem eigenen Server laufen zu lassen, was sich derzeit als sehr schwierig darstellt. Da mir dabei meine Faulheit vor allem im Weg steht, wird es vorerst bei lemelange.wordpress.com bleiben.

    Lange Rede, Kurzer Sinn:
    Vielen Dank für die lieben Grüße
    Shahla

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