Evas EM-Tagebuch (4): Sonnenwende

27. Juni 2008 · Kein Kommentar

Wenn man in Semmering die Hauptstraße hinunterläuft, kommt man an mindestens vier schwarzen Brettern vorbei. Jeder hier scheint ein schwarzes Brett zu haben. Mein Lieblingsbrett war von Anfang an das der Freiwilligen Feuerwehr Semmering: Mit einem bunten Ausdruck wurde dort die Bevölkerung über die letzte wagemutige Aktion der Feuerwehrleute informiert. Sie hatten eine junge Katze gerettet, die sich auf dem Golfplatz nicht mehr von einem Baum heruntertraute. Nach einem misslungenen Fluchtversuch konnte man sie schließlich buchstäblich „einsacken“. Und man ist modern in Semmering: Alle Fotos dazu gibts im Internet.

Auf einem anderen schwarzen Brett informiert das Dorf über alle Veranstaltungen des jeweiligen Monats. Dort las ich letzten Samstag von einer Sonnenwendfeier auf dem Zauberberg, dem örtlichen Skiberg, die just an diesem Tag stattfinden sollte. In meiner wehmütigen Sehnsucht nach Schweden hatte ich geglaubt, dieses Jahr gar nicht zu einer Sonnenwendfeier gehen zu können – wie froh war ich, als ich von dieser las!

Von einer Sozialisierungsproblemattacke geschüttelt machte ich mich abends klammheimlich aus dem Staub, um ein paar Stunden allein auf dem Zauberberg zu verbringen. Es war so schön! Ich fuhr mit dem Lift hinauf, als es noch ganz hell war, kletterte auf einen Aussichtsturm und aß eine österreichische Suppe. Stumme Schneemaschinen und lahme Lifte erinnerten an den Hochbetrieb, der dort im Winter herrschen muss. Als es dunkel wurde, begann auf der Hütte eine Country-Band zu spielen. Die Musik war so amerikanisch wie in „Sweet Home Alabama“, das Fest so gemütlich wie in „Chocolat“.

Mit Einbruch der Dunkelheit kam die Freiwillige Feuerwehr mit einem großen Wagen an, um das große Sonnenwendfeuer zu entzünden. So viele Menschen waren dort um zu feiern, und gleichzeitig war es so ruhig und romantisch und sogar ein bisschen schwedisch. Ich habe es sehr genossen und mein Buch ausgepackt und am Feuer gelesen, bis meine Knie so heiß waren, dass es sich anfühlte, als würden sie so lodernd brennen wie das Feuer selbst. Da bin ich zurück hinunter ins Dorf gefahren und hatte für zwei Tage genug Ruhe gehabt.

Am nächsten Mittag kam ich wieder am schwarzen Brett der Freiwilligen Feuerwehr vorbei. Dort hängt jetzt ein Bericht über die Sonnenwendfeier, bei acht Mitglieder als Brandsicherheitswache im Einsatz standen und das Feuer erfolgreich in Schach hielten. Fotos davon gibt es – natürlich – im Internet.


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