Die Band von nebenan

18. April 2008 · Kein Kommentar

Die Band von nebenan

„Das Wichtigste auf der Welt ist Fischen.“

Wir lernen die Band am Flughafen kennen. Genauer gesagt ist es keine Band, sondern das Polizeiorchester von Alexandria, das für einen Auftritt in einem arabischen Kulturzentrum nach Israel gereist ist. Dieses Zentrum wird es jedoch vorerst nicht erreichen, weil der Jungspund der Truppe die Dame von der Auskunft so verzaubert, dass sie ihm die falsche Busverbindung nennt.

Kurz drauf landen die Männer in den himmelblauen Uniformen samt Köfferchen und Instrumenten in einem schrecklich trostlosen Ort. Einer Ansammlung von geklonten Plattenbauten, die die gleiche Farbe haben wie der Boden auf dem sie stehen und die Luft, in die sie hineinragen. Den ganzen Film über wird dieser Ort so trostlos bleiben, dass es traurig macht, dass man sich wünscht, es gäbe ihn nicht, damit niemand dort leben muss.

Aber es gibt ihn und es gibt auch Menschen, die dort leben – zumindest eine Handvoll. Drei von ihnen lernt das Orchester, das vom immerernsten Tewfik (Sasson Gabai) angeführt wird, sehr bald kennen: im Bistro von Dina (Ronit Elkabetz). Sie ist es auch, die die Herren für eine Nacht bei sich und Freunden unterbringt, ehe sie am nächsten Tag weiterfahren können in die richtige Stadt, eine Stadt, in der es überhaupt ein Kulturzentrum gibt.

Die folgende Nacht wird eine außergewöhnliche für Ägypter und Israelis. Der Film begleitet drei der Musiker, zum Abendessen in einer großen Familie, die eigentlich etwas zu feiern hätte, in eine Rollschuhdisko und in ein grelles Schnellrestaurant. So still, so ruhig, so langsam war es lange nicht im Kino – langweilig wird es trotzdem nie.

Kritisieren möchte ich an dieser Stelle nicht, weil wir den Film in der deutschen Synchronisation gesehen haben. Das war falsch. Die Schauspieler müssen unbeholfenes Englisch sprechen statt flüssigem, akzentfreien Deutsch, denn sonst nimmt man ihnen diese Völkerverständigungssache nicht ab. Was man aber sicher aus beiden Versionen lernen kann: Arabisch ist eine sehr schöne Sprache.


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