“Ich bin ein ehemaliger Alkoholiker und jetzt seit fünf -
Stunden trocken.”
Ein guter 60er-Jahre-Film braucht vor allem zwei Dinge: einen perfekten Soundtrack, der bei all der guten Musik dieses Jahrzehnts nicht schwer zu finden sein sollte, und wunderbare Kostüme. Beide Herausforderungen meistert „Talk to Me“ mit Bravour. Der Soundtrack ist so großartig, dass man gleich beim ersten Song aufspringen und tanzen will, statt im dunklen Kino zu sitzen. Und wenn man die Kostüme sieht – möchte man eigentlich auch gleich aufspringen und nach dem Kleiderschrank suchen, aus dem Don Cheadle sich bedient hat.
Er spielt die schwarze Radiolegende Petey Greene, dem in den 60ern ganz Washington regelmäßig lauschte. Der Film stellt ihn als Häftling vor („Ich bevorzuge Delinquent“), der sich mit einer frechen Aktion aus dem Knast handelt, um DJ zu werden. Tatsächlich kann er den eigentlich recht spießigen Dewey Hughes (Chiwetel Ejiofor, den man aus „Tatsächlich Liebe“ kennt und in „Kinky Boots“ gesehen haben sollte) von sich überzeugen und bekommt bald eine eigene morgendliche Talkshow.
Abgesehen von seinem weiß-weißen Chef (Martin Sheen!) sind alle begeistert von dem Mann, der seine Sprache von der Straße mitgebracht hat und stets sagt, was er denkt. Auch der Zuschauer ist schnell angetan von diesem dreisten Typen, der noch dazu eine unerhört lustige Freundin hat. Kaum ist die Sympathiegrenze überschritten, bekommt der Film eine ganz neue Ebene: Der Tod von Martin Luther King versetzte 1968 ganz Washington in Aufruhr. Petey Greene gelang es nachts um zwei eindrucksvoll, die Rebellion in den Straßen zu stoppen. Alle Emotionen und den Schwarz-Weiß-Konflikt vermittelt diese Sequenz sehr glaubwürdig.
Im letzten Teil stiehlt Chiwetel Ejifor als zielstrebiger Manager dem eigentlichen Hauptdarsteller Don Cheadle mitunter die Show. Aber das passt auch ganz gut, fühlt sich Petey Greene doch längst vom Erfolg überrannt. Seinen früheren Traum, ganz Washington in „Petown“ zu verwandeln, hat er längst aufgegeben und landet schließlich wieder in der alten Billard-Spielunke, in der alles angefangen hat.
Alles in allem ein gut produzierter, lustiger und vor allem hübscher Film, den man sich dennoch lieber zuhause auf DVD anschauen sollte – da kann man dann nämlich einfach mittendrin aufspringen und mittanzen.



mit weiß-weißen meist du doch rassistisch oder?
Oh, das ist mir gar nicht aufgefallen. Also rassistisch ist er eigentlich nicht. Zunächst jedenfalls nicht äußerlich. Und innerlich weint er als Martin stirbt. Demnach… Eva?
Nein, rassistisch meine ich eigentlich nicht, aber ich stimme euch zu, dass man das so verstehen kann. Ich wollte den Unterschied zwischen Sheens Rolle und den (meisten) anderen Weißen im Film deutlich machen, denn im Gegensatz zu ihnen entgegnet Peteys neuer Chef ihm ja aufgrund seiner Hautfarbe lange sehr skeptisch.
Und Roman, an dieser Stelle weint er doch auch äußerlich!