“Hast du vielleicht zufällig in meine Urne gekotzt?”
An „Juno“ habe ich gezweifelt. Werbung und Kritiken klangen immer ein bisschen danach, als nähme der Film das Thema schwangere Minderjährige zu leicht, und überhaupt gibt es doch schon genug Schwangerschaftsfilme, dachte ich: Sie hatten ihren Höhepunkt mitten in den Neunzigern, mit Hugh Grant und „Neun Monate“, und ihren Tiefpunkt vor wenigen Monaten mit Katherine Heigl und „Beim ersten Mal“. Aber jetzt kommt „Juno“ und schießt das Genre zurück in die Höhe, zu Hugh.
Zugegeben, irgendwie läuft doch schon alles recht rosig: Juno (Ellen Page) wird schwanger, und nicht nur sie selbst, sondern auch Vater und Stiefmutter bleiben cool. Supercool. Sie haben auch überhaupt keine Einwände, als Juno ihnen eröffnet, dass sie sich bereits für eine Adoption entschieden und sogar schon die passenden Eltern gefunden hat. Letztere werden dargestellt von Jason Bateman und Jennifer Garner – die entweder wirklich gut spielt oder einfach genauso ist, wie sie ist. Und auch hier ist alles rosig: Die beiden sind stets wunderbar herausgeputzt, freuen sich wie verrückt auf das Baby und täten alles für Juno, egal was sie verlangte (sie verlangt allerdings überhaupt nichts). Erst auf den zweiten Blick erkennt der Zuschauer, dass die beiden eigentlich so gar nicht zueinander passen.
Aber überhaupt Juno: Wie alle Figuren in diesem Film ist sie grundsätzlich sympathisch – hat aber durchaus auch Seiten, die einen zögern lassen. Da wären zum Beispiel die markigen Sprüche und die absolute Kälte gegenüber ihrer „heiligen Füllung“. Doch gerade das macht die Authentizität des Filmes aus, hat doch auch jeder dreidimensionale Mensch seine guten und schlechten Seiten. Und so ist Juno dennoch die Heldin des Films, die sich von niemandem reinreden lässt und letzten Endes einfach tut, was sie will.
Natürlich gibt es auch einen Vater zu der „mickrigen Kaulquappe“ in ihrem Bauch. Er heißt Bleeker, wird gespielt von Michael Cera und wäre in jedem anderen Film zur lächerlichen Nebenfigur verkommen, hier wird er jedoch völlig ernst genommen. Fast immer im merkwürdigen Sportoutfit (mit Stirnband!) und völlig verunsichert, ist Juno doch schrecklich in ihn verliebt. Sie erkennt das zum Ende des Films hin, der Zuschauer wird es wohl nie verstehen, und doch freut man sich mit den beiden, wenn sie ihm einen ganzen Briefkasten voller roter Tic Tacs schenkt.
Der Film hat sicher auch Knackpunkte – so könnte Junos Beziehung zum künftigen Adoptivvater an manchen Stellen falsch verstanden werden – und lässt die ein oder andere Frage offen. Was sagt zum Beispiel Junos leibliche Mutter zu ihrer Schwangerschaft? Auch die Reaktionen ihrer Mitschüler und des restlichen Umfelds werden nur angerissen. Aber das hätte die Geschichte wohl auch in die falsche Richtung bewegt, hin zu dem Problemfilm, den Jason Reitman ganz bestimmt nicht produzieren wollte.
Der Regisseur von „Thank You for Smoking“ hat aus seinem Debüt nicht nur ein Gespür für das leichte Verpacken schwerer Stoffe, sondern auch J.K. Simons übernommen, der Junos liebenswürdigen Vater spielt. Zusätzlich hervorzuheben sind dessen Frau (Allison Janney), die sich rasch als eigentlich ziemlich coole Stiefmutter entpuppt, und Junos freche Freundin Leah, dargestellt von Olivia Thirlby, die beim Zuschauen einfach unglaublich Spaß macht.
Neben der detailverliebten Ausstattung und den grandiosen Dialogen (Oscar für Drehbuchautorin Diablo Cody!) wird der Film durch einen sehr schönen Soundtrack abgerundet. Hierzu steuerte nicht nur Kimya Dawson, die bessere Hälfte der durch Adam Green bekannt gewordenen Moldy Peaches, fünf Lieder bei, sondern auch altehrwürdige Bands wie die Kinks, Velvet Underground und Sonic Youth.
„Juno“ ist ein toller Film, den Eltern ihre Kinder ruhigen Gewissens anschauen lassen können, denn am Ende hat man trotz des großen Vergnügens doch keine Lust, schwanger zu werden.



Gut gemacht!
Ja, gut gemacht!
Ich habe den Film eigentlich erst nur wegen dem grandiosen Soundtrack angeschaut, finde aber, dass er allgemein großartig und schön und unanstrengend ist. Schon der Anfang, als sie mit dem O-Saftkanister durch die Straßen läuft! Herrlich.
(Simone hat sich das Burgertelefon bestellt, weil sie es so toll fand. Für 20 Euro.)
Alles in allem: Juno war besser als I’m Not There, den ich am Tag zuvor sah. Na, eigentlich kann man die beiden Filme nicht wirklich vergleichen.
Tatsächlich, sie hat das Burgertelefon? Ihr solltet eine Szene aus dem Film nachdrehen, in der es vorkommt – im “Dancing Elk”-T-Shirt bitte!
Ich fand Bleeker sooo toll.
ich mochte bleeker auch. und irgendwie hab ichs verstanden, warum sie in ihn verliebt war, er hat sich so viel mühe gegeben.
besonders toll fand ich ihr tapeziertes zimmer. ich möcht auch so eins.
hola,
ich habe den film hier zwei mal auf englisch gesehen,mit spanischen untertiteln, das gehoerte war genial, die uebersetzung leider echt schlecht – tolle rezension, eva, lieben gruss