Archiv für Februar, 2008

29. Februar: Heute wird mal so richtig abgeschaltet!

Hier ein paar spontane Ideen, wie man den geschenkten Tag nutzen könnte:

  1. Im Internet nach Menschen suchen, die Geburtstag haben, und ihnen per Telefon oder E-Mail gratulieren
  2. Ein ganzes Buch lesen
  3. Endlich ein neues Learning to Love You More-Assignment erfüllen
  4. Ohne schlechtes Gewissen fernsehen, zum Beispiel die NDR Talkshow mit den großartigen neuen alten Moderatoren und heute auch mit tollen Gästen, wie Ulrich Noethen und Charlotte Roche (ab 22 Uhr)
  5. Aufräumen, Saubermachen, Ordnung schaffen
  6. Etwas auswendig lernen, das man eigentlich wissen müsste, zum Beispiel alle Bundespräsidenten, die südamerikanischen Hauptstädte oder wofür die Abkürzungen AIDS, OECD und OPEC eigentlich stehen
  7. Sich fest vornehmen, heute zur Fahrschule zu gehen, und dann freudig feststellen, dass freitags gar kein Theorieunterricht stattfindet
  8. Schon wieder ewig lang durch die Website der amerikanischen Bekleidungskette Urban Outfitters streifen, die bald auch nach Deutschland kommt und dann aber sicher nur halb so gut ist wie in New York, wo ich mich in sie verliebt habe
  9. Infolgedessen erneut darüber nachdenken, ob man nicht ruhig auch mal etwas über Mode schreiben könnte, hin und wieder
  10. Schonmal die Mückengitter anbringen – sonst fällt einem das wieder erst ein, wenn die ersten frisch verliebten Mückenpärchen bereits eingezogen sind und Familien gründen
  11. Apropos: Bloß keine Kinder kriegen

Der Krieg des Charlie Wilson

Der Krieg des Charlie Wilson

„Warum tut der Kongress nichts?“
- „Zum Großteil aus Tradition.“

Amerika lernt in den letzten Jahren allmählich über sich selbst zu lachen. Ein neues Beispiel dafür ist “Der Krieg des Charlie Wilson”. Dieser Film dröhnt zwar nicht so vor satirischen Inhalten wie zum Beispiel “Thank You for Smoking”, er ist eine leise Satire – die wohl kaum einer gehört hätte, würden es nicht gleich bei jedermann klingeln, wenn er die Namen der drei Hauptdarsteller hört.

Da wäre zum Beispiel Tom Hanks, der jetzt dicker ist und politischer. Er spielt Charlie Wilson, einen texanischen Abgeordneten, in den 80er Jahren – das ist mal eine ganz andere Rolle, mit den alten Gesichtsausdrücken, aber dafür einer neuen deutschen Synchronstimme. Seine Politikerstimme?

Dann wäre da noch der im letzten Jahr mit einem Oscar ausgezeichnete (und für diesen Film schon wieder nominierte) Philip Seymour Hoffman. Nur ein Schauspieler, der es aushält, hässlich zu sein, ist ein richtiger Schauspieler – Hoffman ist der König dieser Disziplin. Seine Rolle ist die des rüden CIA-Agenten Gust Avrakotos.

Fehlt noch die Frau: Julia Roberts spielt, mit grässlicher Frisur, Joanne Herring, die “sechstreichste Frau in Texas”. Als diese hat sie zwei großartige Hunde und kämpft mit viel Charme für das Wohl Afghanistans. Weiß sie um ihren merkwürdigen Haarschnitt? Dann darf sie die 102 Minuten neben Hoffman auf dem Thron sitzen.

Die wahre Begebenheit, auf der dieser Film beruht, ist de facto die größte Geheimoperation der amerikanischen Geschichte: Gemeinsam versammeln die drei Hauptdarsteller jede Menge wichtiger Leute und kratzen einen Haufen Geld zusammen, um die Afghanen für den Kampf gegen Russland auszurüsten. Im Verdeckten eröffnet Wilson so einen großen Krieg – den die Afghanen gewinnen. Gleichzeitig entsteht damit jedoch eine Basis für die erbittertsten Feinde, die die USA heute haben.

Ja ja, das ist wieder eine von diesen Geschichten, die wirklich nur in Amerika passieren können. Aber die sind es dann auch wert verfilmt zu werden. “Der Krieg des Charlie Wilson” macht endlich einmal bewusst, dass es außer dem amerikanischen Präsidenten und seinen Außen- und Verteidigungsministern, außer Arnold Schwarzenegger und dem Bürgermeister von New York, noch andere Politiker in den USA gibt.

Dabei erspart Regisseur Mike Nichols (“Die Reifeprüfung”) dem Zuschauer komplizierte politische Verwicklungen, die man irgendwann nicht mehr versteht, wirkt aber mitunter oberflächlich. Muss das eine automatisch das andere bedeuten?

Wenig oberflächlich sind hingegen die Charakterisierungen. Wilson selbst erscheint vordergründig als whiskysüchtiger Lebemann. Schnell erfährt der Zuschauer jedoch, dass der Abgeordnete auch ein Leben abseits von Poolpartys hat und der Grund für sein Engagement tatsächlich tiefe Betroffenheit ist.

Ersteres bietet aber die Möglichkeit für herrlich lustige Szenen, wie die in Wilsons Büro: Er bekommt Besuch von Avrakotos, der ihm sogar eine Flasche Whisky mitbringt. Wegen dringender “Pussy Pressen”, wie er Konferenzen mit seinen durchweg jung-hübschen Assistentinnen nennt, muss er den Agenten ständig aus dem Büro schicken und wieder hereinholen. Erst nach drei Mal rein-raus eröffnet ihm Avrakotos, dass er ihn die ganze Zeit abgehört hat – ausgerechnet mit einer Whiskyflasche. An dieser Stelle lacht wahrscheinlich ganz Amerika.

Mini-Erasmus: So weit 600 Euro tragen

Vier Wochen, eine gute Idee und 600 Euro Budget: Wer schon als Schüler richtig raus will, kann sich bei einer Stiftung bewerben – und mit Skandinaviens Indianern durch die Berge ziehen oder in Frankreich alles über Pralinen lernen. Einzige Auflage: Tagebuch schreiben.

Anna-Luise Steinke, 20, aus Dresden, war mit den Samen unterwegs, den Indianern Skandinaviens

“Am Anfang ging alles schief: Ich war in Schweden angekommen und wusste nicht so richtig, wohin mit mir. Edith-Anna, die ich bei einem Schlittenhunderennen in Berlin kennen gelernt hatte, wollte mich für eine Zeit bei sich aufnehmen. Sie war schon in den Bergen, von dort wollten wir demnächst mit den Rentieren weiterziehen. Edith-Anna ist eine Samin, also so etwas wie eine skandinavische Indianerin.

Gleich nach dem Abitur machte ich mich auf den Weg zu ihrer Familie in die Berge. Zwei Tage dauerte meine Wanderung durch die Wildnis, ich bin fast niemandem begegnet. Ich war so froh, als ich endlich bei Edith-Anna ankam – und dann sagte sie, dass sie sich gerade auf den Weg zurück in ihre Heimatstadt Kiruna machen wollte. Die ganzen Strapazen umsonst!

So verbrachte ich meine ersten Wochen nicht mit den Nomaden im Wald, sondern in einer ganz normalen schwedischen Stadt. Aber genau so ist das Leben der Sami heute: Sie pendeln hin und her zwischen Zivilisation und Wildnis.

Der Finne spricht nicht viel

In Kiruna habe ich viele Museen besucht, ich war im samischen Parlament, beim samischen Radio und habe gelernt, wie man samisches Brot backt.

Wir machten einen Ausflug zur Rentierherde von Edith-Annas Familie, ich war bei der berühmten Kälbermarkierung dabei. Da verbringen die Sami eine ganze Nacht auf einem Hochplateau, treiben ihre Rentiere in einer riesigen Herde zusammen und markieren bei Mitternachtssonne die Ohren der Kälbchen. Ein unglaubliches Erlebnis!

Jetzt ging es richtig los: Wir besuchten Sami in Norwegen und Finnland. Ich wohnte zwei Wochen in Nuorgam, dem nördlichsten Dorf der EU, ich lebte im Campingwagen einer finnischen Familie. Diese Leute sprachen unheimlich wenig. Nur die Tochter machte hin und wieder den Mund auf: Sie hat mir das Dorf und die Natur gezeigt und mich den Menschen vorgestellt.

Daheim angerufen habe ich während meiner fünfwöchigen Reise durch den Norden nur zweimal. Davon waren meine Eltern zwar nicht so begeistert, aber wenn ich unterwegs bin, bin ich eben unterwegs und auch mit meinen Gedanken nicht mehr zu Hause.

Sie hätten sicher auch Alpträume bekommen bei der Vorstellung, dass ich manch Nacht auf einem Bahnhof, im Autokofferraum oder mitten im Wald verbracht habe. Duschen? Eher schwierig. Aber in Skandinavien findet man überall einen Fluss oder Bergsee, in den man reinspringen kann.

Ich habe viel über die Sami gelernt – zum Beispiel, dass sie die Bezeichnung ‘Lappen’ als Beleidigung empfinden. Ich wäre ich gern noch viel länger als nur ein paar Wochen geblieben und hatte das Gefühl, bloß an der Oberfläche zu kratzen. Ein ganzes Jahr mit den Sami zu verbringen, das ist mein Traum. Oder besser: mein Ziel.”

Der ganze Artikel auf Spiegel Online, 20. Februar 2008

Schachwunderkind

Elisabeth Pähtz, 22, ist zweifache Schach-Weltmeisterin

Die Bretter, die die Welt bedeuten, sind für Elisabeth Pähtz schwarz-weiß kariert. Mit 22 Jahren ist sie bereits zweifache Schach-Weltmeisterin. Als “Wunderkind” saß sie auf den Sofas von Johannes B. Kerner und Harald Schmidt. Jetzt belegt die gebürtige Erfurterin Rang 25 der Frauen – weltweit. Mit fluter.de sprach sie über hartes Training, dumme Vorurteile und ihren Dienst bei der Bundeswehr.

Eva Schulz: Wie ist deine Leidenschaft für Schach entstanden?

Elisabeth Pähtz: Mein Vater war Profispieler in der DDR und ist mit meinem älteren Bruder, der auch Schach spielte, herumgereist. Ich bin immer mitgefahren, weil meine Mutter arbeiten musste. Durch das Zuschauen habe ich Schach gelernt. Und dann sind wir eben zu dritt gereist. Inzwischen würde ich das Schachspiel aber nicht mehr als Leidenschaft, sondern eher als Beruf bezeichnen.

Kann man denn vom Schach allein leben?

Vom Schach allein kann ich immer nur dann leben, wenn ich sehr erfolgreich spiele. Aber ich werde ja nicht jünger, irgendwann lassen die Gehirnleistungen nach. Manchmal muss man in Sekundenschnelle einen Zug machen, und mit dem Alter wird man langsamer. Deshalb möchte ich nächstes Jahr anfangen zu studieren – dann werde ich entweder Grundschullehrerin oder etwas mit Management. Ich kann gut organisieren, für viele schachspielende Freunde organisiere ich deren ganze Reisen.
Weiterlesen →

“Friede den Hütten! Krieg den Palästen!”

Wir lesen Dantons Tod im Deutschunterricht

Wir lesen Dantons Tod im Deutschunterricht.