In letzter Zeit denke ich manchmal über Stolz nach, weil ich ständig Interviews mit Jean-Michel Tourette oder Norah Jones lese, die sagen, so etwas wie stolz empfänden sie nicht oder sie wären eigentlich keine stolzen Menschen.
Dann denke ich darüber nach, ob Stolz ein verwerfliches Gefühl ist und finde – nein.
Grundsätzlich muss man sowieso erst einmal zwischen zwei Arten von Stolz unterscheiden: Da gibt es den Stolz, den man auf andere empfindet: Wenn meine Cousine Besuch von einem amerikanischen Coach bekommt, der ihr beim Fußballspielen zusehen will – dann bin ich sehr stolz auf sie. Ist das nicht genau das Gegenteil von verwerflich?
Der andere Stolz ist der auf mich selbst. Selbst den finde ich noch immer nicht dumm, er zeigt doch lediglich das eigene Bewusstsein darüber, etwas geschafft zu haben. Ich bin stolz darauf, nach nur einer Stunde schon ohne Festhalten auf dem Eis schliddern zu können. Darf ich das nicht?
Letztendlich ist Stolz vielleicht eine selbstbewusste Art von Freude. Eine, durch die man sich selbst gerade nicht kleiner macht, als man ist. Am schönsten ist es, wenn beide Formen von Stolz sich vermischen. Wenn man zum Beispiel sagen kann: Ich bin stolz darauf, dass du meine Freundin bist.
“Stolz ist die Brücke zwischen Selbstvertrauen und Arroganz.”
Erhard H. Bellermann
Nachtragend muss ich noch sagen, dass man natürlich auch zu stolz sein kann, um jemanden um Hilfe zu bitten oder irgend so etwas. Dann ist man am Ende der Brücke angekommen – und sollte lieber schnell wieder umdrehen.


Kommentiert
Amelie: So wahr, das brachte mich gerade zum lachen :)
Claudia: Wie bedeutungslos wären manche Menschen ohne Facebook… (:-/
Roman: Den Nagel auf den Kopf getroffen. Danke dafür, liebe Eva.
Marc vm: Dann schiess mal los :)