Archiv für Januar, 2008

Auf der Brücke: Stolzierend ausbalancieren

In letzter Zeit denke ich manchmal über Stolz nach, weil ich ständig Interviews mit Jean-Michel Tourette oder Norah Jones lese, die sagen, so etwas wie stolz empfänden sie nicht oder sie wären eigentlich keine stolzen Menschen.

Dann denke ich darüber nach, ob Stolz ein verwerfliches Gefühl ist und finde – nein.

Grundsätzlich muss man sowieso erst einmal zwischen zwei Arten von Stolz unterscheiden: Da gibt es den Stolz, den man auf andere empfindet: Wenn meine Cousine Besuch von einem amerikanischen Coach bekommt, der ihr beim Fußballspielen zusehen will – dann bin ich sehr stolz auf sie. Ist das nicht genau das Gegenteil von verwerflich?

Der andere Stolz ist der auf mich selbst. Selbst den finde ich noch immer nicht dumm, er zeigt doch lediglich das eigene Bewusstsein darüber, etwas geschafft zu haben. Ich bin stolz darauf, nach nur einer Stunde schon ohne Festhalten auf dem Eis schliddern zu können. Darf ich das nicht?

Letztendlich ist Stolz vielleicht eine selbstbewusste Art von Freude. Eine, durch die man sich selbst gerade nicht kleiner macht, als man ist. Am schönsten ist es, wenn beide Formen von Stolz sich vermischen. Wenn man zum Beispiel sagen kann: Ich bin stolz darauf, dass du meine Freundin bist.

“Stolz ist die Brücke zwischen Selbstvertrauen und Arroganz.”
Erhard H. Bellermann

Nachtragend muss ich noch sagen, dass man natürlich auch zu stolz sein kann, um jemanden um Hilfe zu bitten oder irgend so etwas. Dann ist man am Ende der Brücke angekommen – und sollte lieber schnell wieder umdrehen.

Eva lernt Eislaufen

Wie man sich so hochschaukelt

Herr Hansmann: “Und wenn ich dann bald von allen das Geld für die Theaterfahrt zusammenhabe, sind das 700 Euro und ich muss sie erst Ende Februar abgeben!”
Ich: “Sie können es ja in Aktien anlegen, die gibt es gerade 50 Prozent billiger.”
Philipp: “Ja, bei Praktiker…”
Herr Hansmann: “Außer Tieraktien!”
Steffi: “Dann sieht es für den DAX aber böse aus.”

He’s not there

Heath Ledger ist tot, und obwohl ich vielleicht vier oder fünf Filme mit ihm gesehen habe, beschäftigt es mich. In der Schule habe ich festgestellt, dass ich damit nicht allein bin: Fast alle sind wir heute Morgen aus der Dusche gekommen und haben einen kalten Schauer gespürt, oder uns ist beim Frühstück der Toast im Hals stecken geblieben, als wir im Radio die Nachrichten von seinem überraschenden Tod hörten.

Warum? Weil er ein viel versprechender Schauspieler war, der in “Brokeback Mountain” beeindruckt, in “Dogtown Boys” begeistert hat, den wir in “Ritter aus Leidenschaft” angeschmachtet oder in “10 Dinge, die ich an dir hasse” ausgelacht haben. Ja, vielleicht. Aber ich glaube, viel mehr noch, weil er einer von unseren Stars war, den Stars unserer Generation. Die haben eigentlich noch nicht zu sterben. Die Stars meiner Eltern sterben allmählich, und die Stars von Heath Ledger, der ein bisschen dazwischen hängt. Aber doch nicht unsere! Heath Ledger starb einen von diesen Hollywood-Toden (wenn auch in New York). Aber nichtmal eine Amy Winehouse, ein Pete Doherty stirbt! Sie taumeln nahe am Abgrund, aber noch stehen sie eben oben und liegen nicht unten.

Das schockiert, und natürlich die Tatsache, dass wir jetzt keine Filme mehr kriegen mit diesem doch auch nett anzusehenden Schauspieler, der sich sonst sicher noch seinen Oscar hätte abholen dürfen, irgendwann. Heath Ledger wäre einer von denen geworden, die wir später sofort wiedererkennen würden – im Gegensatz zu unseren Kindern, die mit seinem Namen nichts anfangen könnten. Und dann würden wir anfangen, vor ihnen in Erinnerungen zu schwelgen, an “Casanova”, “Brokeback Mountain” oder, bald erst, an “I’m Not There”. So müssen wir uns schon jetzt erinnern, und das ist doch ziemlich traurig.

Tätowation – neuer alter Trend

Auf einmal wollen sie sich alle tätowieren lassen. Das wundert mich ein bisschen, ich dachte, diese Generation würde schwere Zeiten für die Tätowierungs- und Piercingindustrie begründen. Oder zumindest schwerere. Wo man doch von allen Seiten die immergleichen Warnungen hört: „Denk dran, das geht nie wieder weg! Lasern kostet unheimlich viel Geld! Stell dir vor, der Tätowierer verschreibt sich! Stell dir vor, ihr trennt euch, was machst du dann?“ Es scheint doch nicht zu fruchten.

Die erste Freundin hat schon ihre Hüfte verziert, vor ein paar Wochen, da rankt sich jetzt ein Strang wilder Rosen entlang. Es tat gar nicht weh, sagt sie. Tim hat trotzdem Angst. Er will sich in ein, zwei Monaten tätowieren lassen, erst war es der Arm, jetzt soll es die Brust sein. Die Brust! Aber er hat sich noch nicht für ein Motiv entschieden.

Das finde ich merkwürdig. Ich finde ein Tattoo dann noch irgendwie sinnvoll, wenn ein Erlebnis, eine Leidenschaft, wasauchimmer, so wichtig geworden ist, dass man es sich lebenslang einbrennen lassen möchte. Da ergibt sich ein Motiv dann von selbst. Aber eine Tätowierung nur der Tätowierung wegen?

Dass ich mich niemals tätowieren lassen würde, liest sich hier wohl heraus. (Aber ich bin ein großer Fan von Klebetattoos, eine Leidenschaft, die ich mit meiner siebenjährigen Cousine teile.) Ich finde aber schon, dass es durchaus schön aussehen kann. Zum Beispiel finde ich es manchmal faszinierend, vor allem bei jungen Frauen, wenn sie die Arme komplett und farbig tätowiert haben. Aber jung, das ist es eben. Ob die wunderbaren Flügel von Thomas D. immer noch fliegen, wenn sie ganz faltig sind?

Jedenfalls habe ich Tim gesagt, dass er es bereuen wird, irgendwann, und dass er schon mal das Geld fürs Lasern zurücklegen soll. Ich komme aber trotzdem mit und halte ihm die Hand. Wenn er es wirklich will.