
“Ich bevorzuge Geschichten, die so vernünftig sind, auf den Seiten zu bleiben, wo sie hingehören.”
Auf Tintenherz habe ich mich sozusagen ängstlich gefreut. Gefreut deshalb, weil Cornelia Funke die Autorin meiner Kindheit ist. Ich habe bestimmt 15 Bücher von ihr im Regal und jedes wirklich verschlungen. Ängstlich, weil die Verfilmung ihres bisher größten und aufwendigsten Werkes im Vorfeld vielfach kritisiert wurde: Die Darsteller seien entweder zu alt oder zu jung, zu viele Dinge seien ausgelassen worden, das Ende fatal verändert.
Ich glaube, die meisten dieser Kritiker gehören zu der Sorte, die Literaturverfilmungen grundsätzlich nicht so gut haben kann. Vor allem, wenn es sich, wie bei „Tintenherz“, um eine Ode an die Bücher handelt: Da kann der Hauptdarsteller das, wovon jeder Leser eines gutes Buches träumt – die Geschichten Wirklichkeit werden lassen. Als er jedoch einen Schuft aus einer Fantasiewelt herausliest, nimmt das Ganze eine dunkle Wendung. Ein Stoff, der wie gemacht ist für die Leinwand!
Zumal Cornelia Funke uns doch in den letzten Jahren mehrmals gezeigt hat, wie gut ihre Werke im Kino funktionieren: Die Verfilmungen von den „Wilden Hühnern“, vom „Herrn der Diebe“ und insbesondere „Mississippi“ waren allesamt sehr gelungen und für Kinder sicher ebenso ansprechend wie die Bücher.
Bei „Tintenherz“ ist es nun nicht viel anders, mit dem Unterschied vielleicht, dass hier erstmals wahre Hollywood-Größen zum Einsatz kommen: Brendan Fraser gibt einen herrlichen Mo – kein Wunder, ist er doch gut mit der Autorin befreundet, die ihn schon beim Schreiben der Figur vor Augen hatte. Und dann Helen Mirren, bei der ich mich gefragt habe, warum ich eigentlich beim Lesen nicht selbst auf sie gekommen bin. Sie passt so perfekt in diese Rolle, ihre schnippische Art, ihr Gang, sogar die spitze Nase entsprechen genau der Elinor, die ich mir immer vorgestellt habe.
Und dann natürlich Paul Bettany, der den innerlich zerrissenen Charakter von Staubfinger wirklich gut darstellt. Den Mann mag ich ja sowieso, obwohl er der erste und bislang einzige Schauspieler ist, durch den ich im Kino vor Schreck einen Wadenkrampf bekam (als er als Mönch in „Sakrileg“ kurz nach der Pause so von der Seite reinspringt (das hat er dann in „Wimbledon“ wieder gutgemacht)).
Die Kritik, dass gerade die Kinder, Meggie und Farid, älter sind als im Buch, mag zutreffen – ist aber nicht von Belang, denn der Film funktioniert auch mit einer 14- oder 15jährigen Meggie (Eliza Hope Bennett) sehr gut. Bei Farid (Rafi Gavron) dagegen war ich ein bisschen enttäuscht, der schien nun wirklich viel zu alt.
Ansonsten kommen aber tatsächlich alle guten Personen in „Tintenherz“ genauso rüber, wie ich sie im Kopf hatte – ganz im Gegensatz zu den bösen. Vielleicht liegt das daran, dass Beschreibungen von Bösewichten (insbesondere, wenn sie einer Fabelwelt entspringen) der Fantasie einen viel größeren Spielraum lassen. Mir persönlich waren die Schurken im Film alle noch nicht fies und ruppig genug. Gruselig war es aber trotzdem!
Das liegt sicher auch an den wunderbaren Kulissen. Auf der einen Seite sind da die gemütlichen Büchermärkte in italienischen Dörfern, über die Meggie mit ihrem Vater streift, und das einladende große Haus von Elinor, das nicht weniger Bücher aufweist und direkt am Meer gelegen ist. Auf der anderen Seite die finstere, verlotterte Festung von Chef-Bösewicht Capricorn, der dort mit einer missratenen Armee sein Unwesen treibt. Ich glaube, Cornelia Funke hatte ihren Spaß an diesen so liebevoll gestalteten, detaillierten Sets. Vielleicht war es sogar ein bisschen so, als ob man sie in ihre eigene Welt versetzt hätte. Denn genau darum geht es ja in „Tintenherz“: Dass Bücher wirklich werden und man an den Geschichten teilnehmen kann.
So ist der Film auf jeden Fall etwas für alle Leseratten, aber auch für Fantasten und Abenteurer, die an einem langweiligen Winterabend mal wieder etwas erleben wollen. Ich jedenfalls hoffe, dass die Trilogie auch im Kino vervollständigt wird und es nicht bloß bei diesem ersten Teil bleibt. Und vielleicht kann man ja beim nächsten Mal auch das Ende von der Vorlage übernehmen.
Kommentiert
Amelie: So wahr, das brachte mich gerade zum lachen :)
Claudia: Wie bedeutungslos wären manche Menschen ohne Facebook… (:-/
Roman: Den Nagel auf den Kopf getroffen. Danke dafür, liebe Eva.
Marc vm: Dann schiess mal los :)