Florian Linke, 18, hat die Schule geschmissen, um Regisseur zu werden. Jetzt dreht er seinen ersten Spielfilm – ohne Ausbildung, ohne Hilfe von Lehrern und Professoren, dafür mit einer gehörigen Portion Selbstvertrauen. Hat die Filmhochschule ausgedient?
Es ist spät, bitterkalt, und Florian Linke hat ein Problem: “Da stehen zu viele Leute!”, sagt sein Kameramann, “so können wir das unmöglich drehen.” Der 18jährige Jungregisseur steckt mitten in den Dreharbeiten zu seinem ersten großen Film, und den will er sich nicht von ein paar Passanten verderben lassen, die genau jetzt genau da stehen müssen, wo sein Hauptdarsteller gerade einen Ladendiebstahl beobachten soll.
Also werden die neugierigen Menschen vor dem Einkaufszentrumin Florians Heimatstadt Borken noch einmal höflich gebeten, sich doch kurz woanders hinzustellen. Zum unendlichsten Mal muss Schauspieler Stephan Gabriel langsam in Richtung Eingang laufen, stehen bleiben und aus dem Augenwinkel beobachten, wie zwei Mädchen heimlich einen Rock einstecken. Dann sagt Florian eher genervt als begeistert: “Ist gekauft, lassen wir’s.”
Es ist der fünfte von insgesamt 34 seit Monaten geplanten Drehtagen. Vor einem Jahr schmiss er die Schule, weil sie ihm für ein anderes Filmprojekt nicht freigeben wollte. Jetzt ist er Filmemacher – hauptberuflich. Für sein Projekt “Ausgeträumt”, das von einem Jungen aus gutem Hause handelt, der auf die schiefe Bahn gerät, hat er das Drehbuch geschrieben und eine Crew zusammengestellt, er hat Equipment besorgt und Schauspieler gecastet, unter anderem die amtierende Miss Germany und den “Sechserpack”-Darsteller Hanno Friedrich. Um die Finanzierung musste er sich natürlich auch kümmern, worüber er allerdings nicht so gerne spricht. “Ich arbeite hier für drei” ist ein Satz, den er gerne sagt, wenn wieder irgendwer mit einem Problem zu ihm kommt.
Wie aber schafft es ein 18jähriger ohne Schulabschluss und Hochschulausbildung, Regisseur eines Spielfilms zu werden? “Laufende Bilder herzustellen ist in den letzten Jahren etwas geworden, was nahezu jeder kann”, sagt Gundolf Freyermuth, Professor für Angewandte Medienwissenschaften an der Internationalen Filmschule Köln. Die Fähigkeit, “audiovisuelle Kultur zu gestalten” könne jedoch nicht allein durch Selbststudium und Abschauen bei anderen erlangt werden. “Filmhochschulen sind der Ort, an dem der talentierte Nachwuchs vom Hobbyisten zum Profi wird.”
So ähnlich sieht das auch Stephanie Albrecht. Die 18-Jährige ist Mitglied in Florians Crew und studiert an der privaten Lazi-Akademie in Stuttgart. “Da bin ich hingegangen, weil ich Filmmachen nun mal von Grund auf lernen möchte, ich möchte nicht nur die Hälfte können – dann will einen ja nachher keiner.” An der Akademie lernt sie alles, von Kamera über Schnitt bis hin zur Regie – allerdings kostet dort ein Semester 3.000 Euro. “So kann ich später immer das machen, was gerade gebraucht wird.”
Das tut sie auch am Set von “Ausgeträumt”: Gerade noch hat sie an einem der großen Scheinwerfer eine Folie angebracht, im nächsten Moment schiebt sie schon den Kamerawagen über die extra ausgelegten Schienen.
“Es hilft sehr, in dem geschützten Bereich Filmhochschule erste Erfahrungen zu sammeln”, sagt Andreas Gruber, Professor für Regie und Drehbuch an der Hochschule für Film und Fernsehen in München. “Hier kann ausprobiert werden, es können Fehler gemacht werden, es gibt keinen Erfolgsdruck.” Er betont jedoch, dass dieser Ausbildungsweg nicht für jeden der richtige sein muss. “Manch einer braucht mehr Freiräume, andere Strukturen.”
Vielen jungen Leuten, die in die Filmbranche streben, fehlt hingegen einfach das Abitur, welches an fast allen deutschen Filmhochschulen Voraussetzung zur Aufnahme ist. “Vielleicht wird das als Zeichen für Lernbereitschaft und ein gewisses Durchhaltevermögen gesehen”, sagt Schulabbrecher Linke. Er beobachte aber, dass manche Studenten der privaten Schulen, die kein Abitur fordern, von staatlichen Filmschulen regelrecht abgeworben würden – “weil sie für ihren speziellen Bereich ein großes Talent haben.” In der Presseabteilung der Münchner Hochschule hat man davon allerdings noch nie gehört.
Talent hat Florian. Er verfüge zudem über so gute Grundkenntnisse, sagt er, dass er sich die ersten beiden Semester an der Filmhochschule eigentlich sparen könnte. “Wer mit praktischer Erfahrung zu uns kommt, ist besonders im Vorteil”, erklärt Gruber. Doch ob er nun wirklich irgendwann einmal an einer Filmhochschule landet, weiß Florian noch nicht: “Ich bin jung, ich drehe gerade meinen ersten großen Film – wer weiß, was als nächstes kommt? Ich werde einfach immer weitermachen.”
Spiegel Online, 29. Dezember 2007


hallo eva, zuerst ein gesundes neues jahr für dich und deine leserInnen.
ein schönes thema, welches du da beackert hast. was mir auffällt (und auf spiegel.de bestätigt wird): dein text liest sich wie jeder andere spiegel.de-text.
der vorteil: der text wirkt professionell, flüssig und strukturiert.
der nachteil: der text hat nicht mehr deine seele. er ist beliebig geworden, jeder könnte ihn geschrieben haben. man liest nicht mehr deinen stil.
wenn man also diesen beitrag unter dem spiegel.de-workshop sieht, dann ist das alles toll. mein persönlicher leserwunsch wäre aber, wieder mehr texte von dir zu lesen. ;-)
gruß aus berlin
Ha, da bin ich also der erste Kommentator zum neuen Layout!
Doch, ganz kultig hier. Mit Seele Eva, hehe.
Dass es jedoch teils noch zu weiß wirkt, sagte ich ja schon.
ich finds auch etwas zuuuuuu weiß
Alles so schön bunt hier. Hihihihi, nett.
Hihi, ja, Eva, das Layout sieht wirklich schön aus. Aber es fehlt irgendwie wirklich eine kultige Tapete …
(Ich habe auch Lust, was neues zu machen. Aber das habe ich immer.)
Und der Text: Mehr Seele, Eva, mehr Seele! Nichtsdestotrotz ein sehr sehr guter Text, finde ich.