Archiv für Oktober, 2007

Kopfnoten: Brauchen wir Zensuren fürs Benehmen?

Seit diesem Schuljahr wird in Nordrhein-Westfalen das Arbeits- und Sozialverhalten von Schülern benotet. „Kopfnoten“ heißen die Zensuren, die eigentlich in den meisten Bundesländern abgeschafft waren und die es nun auch an meinem Gymnasium in Borken-Burlo gibt. Warum wurde eine solche Maßnahme, die einst für unnötig gehalten wurde, nun erneut eingeführt?

Einerseits, heißt es, weil Schulen einen Lehr- und Erziehungsauftrag haben. Und weil der immer wichtiger wird, sollen die Ergebnisse dieser Erziehungsarbeit auch sichtbar werden. Andererseits pocht die Wirtschaft darauf. Arbeitgeber möchten nicht nur wissen, wie gut ein Bewerber in Mathe oder Geschichte ist, sie möchten sich auch ein Bild seiner Persönlichkeit machen. Deswegen soll die Zensur in „Arbeits- und Sozialverhalten“ sechs Bereiche zusammenfassen, die das nordrhein-westfälische Schulministerium vorgibt: Leistungsbereitschaft, Zuverlässigkeit und Sorgfalt, Selbstständigkeit, Verantwortungsbereitschaft, Konfliktverhalten und Kooperationsfähigkeit. Wie sie dieses Gesetz umsetzen, bleibt den Schulen überlassen. Und da beginnen die Probleme.

Die Verwirrung ist groß, sowohl unter Schülern als auch Lehrern. Das merkt bei uns die ganze Schule: „Ich habe das Gefühl, die Regierung hat da etwas in den Raum geworfen, aber sich dann nicht weiter drum gekümmert“, sagt etwa meine Mitschülerin Ramona Bünte, 17. Auch unsere Lehrer fühlen sich mit der neuen Vorschrift alleingelassen. „Wenn man die Vergabe dieser Note wirklich ernstnimmt, ist das ein Wust von Arbeit“, erklärt Helga Baecker, meine Englischlehrerin am Gymnasium Mariengarden: „Hier haben mehrere Kollegen eine Arbeitsgruppe gebildet, die verschiedene Bewertungsmodelle entwickelt.“

Aber wie soll ein Lehrer das Konfliktverhalten seiner Schüler bewerten? „Das geht vielleicht in Sonderfällen wie Mobbing, aber allgemein bekommen wir davon und auch vom sonstigen Sozialverhalten nur wenig mit“, sagt Frau Baecker. Sie bemängelt außerdem, dass Lehrer gar nicht für solche Bewertungen ausgebildet seien. „Aus- und Fortbildung im pädagogisch-psychologischen Bereich wären eine wichtige Voraussetzung, finden aber kaum statt.“

Ganz andere Fragen diskutieren meine Mitschüler. Was soll das überhaupt heißen: Kooperationsfähigkeit? Dem Lehrer die Tasche hinterher tragen? Müssen wir jetzt alle supersozial werden, damit wir nicht Gefahr laufen, dass ein Lehrer uns nicht leiden kann und eine Drei statt einer Zwei vergibt?

Zudem sind die Vorlieben der Lehrer verschieden. Die einen mögen Schüler, die wenig kritisieren und nicht zu Konflikten neigen, andere sind begeistert, wenn wir auch mal Kontra geben, diskutieren wollen. Um zu verhindern, dass die Kopfnoten von diesen Neigungen einseitig geprägt werden, versuchen unsere Lehrer momentan, ein faires Bewertungsmodell zu finden. Weil nicht das gesamte Kollegium über jeden Schüler diskutieren kann, sollen in der Oberstufe ein Leistungskurslehrer und der Sportlehrer des jeweiligen Schülers über die Kopfnote entscheiden. Denn der eine verbringt überdurchschnittlich viel Unterrichtszeit mit uns, während der Sportlehrer aufgrund seines Faches mehr vom Sozialverhalten mitbekommt als andere Kollegen. Die Empfehlungen der beiden sollen dann auf Listen ausgehängt werden. Die übrigen Lehrer stimmen diesen entweder zu oder machen alternative Vorschläge.

Das klingt natürlich immer noch schrecklich kompliziert und aufwendig – und schafft längst nicht alle Kritik aus der Welt. „Ich sehe in diesem System einen Versuch, den Musterschüler einzuführen. Da sind die Schüler ,gut’, die ins System passen, und alle Individualität geht verloren“, sagt mein Mitschüler Julian Schmeing. „Man sollte am besten allen Schülern die gleiche Note geben und nur in besonderen Fällen nach oben oder unten abweichen“, schlägt er vor. „Besondere Fälle“ sind für Julian Schüler, die sich in AGs oder in der Schülervertretung engagieren.

Meine Lehrerin Frau Baecker hält die Kopfnoten prinzipiell für eine gute Sache. Vor allem als Disziplinierungsmaßnahme. „Das wird besonders in der Mittelstufe zum Tragen kommen, wo Schüler oft ausgelacht, nicht respektiert oder gar gemobbt werden.“ Die 14-jährige Isabell Wüst aus der neunten Klasse stimmt ihr zu: „Wir haben einen in der Klasse, der baut wirklich nur Mist und die Lehrer konnten bisher nicht viel dagegen tun. Jetzt gibt es die Kopfnoten, und wenn unser Klassenclown deshalb ein bisschen ruhiger wird, ist das auch für mich gut – er sitzt nämlich genau hinter mir.“

Süddeutsche Zeitung, 29. Oktober 2007

24

So viele Bücher habe ich dieses Jahr aus eigenem Interesse und eigener Motivation heraus gelesen. Wenn man das mal so auflistet, sieht es nach viel mehr aus, als es ist, aber auch viel mehr, als ich Anfang des Jahres erwartet hätte. Bei 24 Büchern in neun Monaten (denn der letzte zählt nicht, da wars ja schon so schlimm!), da denkt man sich normalerweise: Eva, du liest drei Bücher im Monat, da geht doch noch was! Warum blickst du jetzt schon zurück? GANZ EINFACH: Weil ich wahrscheinlich vor Vollendung meines neunzehnten Lebensjahres gar kein Buch mehr aus eigener Motivation lesen werde. Es kommt ja immer was dazwischen!

Ich dachte, okay, nach der letzten Klausurphase und sowieso dem ganzen Stress liest du jetzt noch schnell die Räuber, und dann, dann darfst du endlich den Franzen beenden und den Stapel neben deinem Bett abarbeiten. Aber nein! Dann winkt meine Englischlehrerin schon mit True West, und zwar bitte über das verlängerte Wochenende (wozu gibt es schließlich Feiertage). Die Festschrift in Philosophie gibts dann bestimmt über Weihnachten auf. Und das blöde Fahrschulbuch, es liegt hinter der Schranktür, aber es ruft nach mir, jede Nacht.

Liveblogging vom Baumfällen

16:33 Ganz plötzlich sind sie da: Mein Onkel Wolli, dessen Onkel und noch ein Mann – und meine Mutter, mit Regenhut. Sie laufen über das leere Grundstück neben unserem Haus. Angriff! Der Baum soll weg.

16:35 Woooha, der eine Mann hat eine Kettensäge. Ojojojoj.

16:40 Vielleicht kurz zur Erklärung: Der Baum ist krank. Niemand muss sich umweltschützerische Gedanken machen, denn es ist besser, wenn wir sein Leiden jetzt beenden. Und: Wir pflanzen ja neue Bäume! Welche mit Blättern, nicht mit Nadeln! Dann gibts auch viel mehr frische Luft! – Oh Gott. Sie haben einen Bagger. Einen richtigen Bagger! Jungs, wenn ihr gucken wollt – ihr dürft gern vorbeikommen.

16:48 Huch, mit so einem Bagger geht das aber schnell. Die Büsche aus dem Weg räumen, und die schönen Blümchen zertreten. Und hoppla, die halbe Krone runterreißen.

16:57 Ich beobachte das Ganze ja übrigens sicher von meinem Zimmer aus. Da sehe ich wenigstens, wo der Baum nachher hinfällt.

Der Baum ist futsch!

17:16 So, nach der Kaffeepause wird fröhlich weiter gebrummt und ge- wie nennt man eigentlich das Geräusch, das eine Kettensäge macht? Und huj, das Eliminieren des Baumes mag der Umwelt nicht viel antun, aber dieser Trecker ganz bestimmt. Er stößt braune Dämpfe aus.

17:22 Gerade fährt ein Stamm an meinem Fenster vorbei.

17:39 Tja, also. Jetzt werkeln sie da noch rum. Aber der Baum ist ziemlich weg. Das war ja viel unspektakulärer als ich dachte! Da ist ja gar nichts gefallen! Da hat ja gar keiner geschrien! Hmm.

18:04 Jetzt wird noch ein bisschen aufgeräumt. Mama kommt rein, die Außenreporterin, und sagt: “Mensch, haben die das toll gemacht!” Und die Wurzel sei auch raus. Na, Fotos kommen noch!

Praktikumsvergleich

Roman vs. Eva

Kuscheliges Videoheim

Liebe Leser,

erinnert ihr euch eigentlich noch an diesen ziemlich lauten Spot von Roman und mir? Er war einer der wenigen Anlässe, zu denen wir einmal ein Video in unseren Weblogs präsentiert haben. Das hat uns nämlich eigentlich nie viel Spaß gemacht, nichtmal Roman, dem leidenschaftlichen Filmer, weil wir YouTube nicht sonderlich sympathisch finden. Und weil es in so einem Weblog auch nicht so hübsch aussieht.

Jetzt haben wir etwas gefunden, das viel besser ist als YouTube. Es heißt vimeo und wir mögen es sehr. Wir fühlen uns richtig wohl dort. Deswegen haben wir alle unsere Filme dort hingetragen und uns sehr gemütlich eingerichtet. Am liebsten hätten wir natürlich noch alle unsere Freunde in diesem neuen, kuscheligen Videoheim. Deshalb möchten wir euch hiermit auffordern: Schaut euch doch mal um, bei vimeo, und meldet euch am besten gleich an! Denn leider kann man nur dann kommentieren und sich dort austauschen – was schade ist, aber verständlich, damit die Plattform so schön spamfrei bleibt, wie sie es im Moment ist.

Damit ihr gleich etwas davon habt, wenn ihr euch bei vimeo registriert, haben wir das “Making Of Sei laut gegen Rechts” dort hochgeladen, auf das damals alle so neugierig waren. Sagt uns einfach kurz Bescheid, wie ihr dort heißt, und werdet unser “contact”. Acht Minuten schonungslosen Blicks hinter die Kulissen warten auf euch!

Na, wir freuen uns, wenn ihr mitkommt.