“You watched for hours
from slates and clock-towers
the lifes you loathe.
But your life is others,
and lovers and mothers.”
Franz Ferdinand – “Hallam Foe Dandelion Blow”
Wenn wir nicht im Jahr 2007, sondern 1970 lebten, dann hätte Jamie Bell den Harold aus „Harold and Maude“ gespielt. Aber da hat Mister Bell noch gar nicht gelebt, und wahrscheinlich gibt es aus eben diesem Grund jetzt den Film „Hallam Foe“, dessen dummen (und absolut unnötigen!) Untertitel ich einfach mal unterschlage. Hallam und Harold hätten sich wahrscheinlich – nein, sie hätten sich nicht gut verstanden, denn sie sind beide nicht der Typ für gleichaltrige Freunde. Dennoch ähneln sie sich in manchem Punkt: Beide sind völlig eigenbrötlerisch und haben einzigartige Macken, sie verlieben sich in weit ältere Frauen und haben Eltern, die sie überhaupt nicht verstehen. Im Falle von Hallam ist es eigentlich nur ein Elternteil, da die Mutter vor nicht allzu langer Zeit auf mysteriöse Weise verstorben ist. Als Ersatz hat sich sein Vater, der einem schottischen Adelsgeschlecht entstammt (und entsprechend wohnt) eine Frau gesucht, die von Hallam verdächtigt wird, seine Mutter ermordet zu haben. Kein Wunder, dass es Hallam nicht in dem riesigen Schloss hält, in dem das, was von seiner Familie übrig ist, wohnt. Er lebt hauptsächlich in einem Baumhaus, von dem aus er fremde Menschen beobachtet. Bei allem, was sie tun.
Irgendwann wird es der bösen Stiefmutter zu viel, sie wirft ihn aus dem Haus. Hallam verschlägt es nach Edinburgh, wo er auf eine Frau stößt, die seiner Mutter außerordentlich ähnlich sieht. Getreu seinem Hobby beobachtet er sie Tag und Nacht, auch noch, nachdem er als Küchenjunge in dem Hotel angeheuert hat, in dem sie arbeitet. Um keinen Augenblick von Kates Privatleben zu verpassen, steigt er ihr buchstäblich aufs Dach und nistet sich in einem Uhrturm ein, der ihrer Wohnung gegenüber liegt.
Ach, ich muss nicht weitererzählen, um deutlich zu machen, wie verschroben diese Geschichte und ihr Hauptdarsteller sind. Aber wir mögen doch verschrobene Geschichten! Wenn sie noch dazu vor der schönen Kulisse von Edinburgh (aus der Vogelperspektive) spielen und mit so einem hübschen Indie-Rock-Soundtrack unterlegt sind, hält zumindest mich auch nicht die schlimmste Kritik davon ab, ins Kino zu gehen.
Das habe ich dann auch nicht bereut. Bemängelt wird von den Feuilletons vor allem Hallams undurchsichtige Psyche, aber eigentlich macht gerade die Spaß, weil man so nie weiß, was als nächstes kommt – ob man zum Beispiel unbändig lachen muss, oder ob einem das Lachen gar im Hals stecken bleibt. Zum Beispiel bei manch einer grausligen Sexszene… Umgekehrt schafft es der Film, dass das Publikum mit Wohlwollen der krassen Liebe zwischen Hallam und Kate (Sophia Myles) gegenübersteht. Dann muss ich aus der Menge der tollen Darsteller unbedingt noch Ewen Bremner hervorheben, den manch einer vielleicht als den dümmlichen Inspektor aus „Match Point“ kennt, und der hier einen ebenso dümmlichen, erneut dennoch liebenswerten Hotelportier spielt.
Herrlich, dieser Film hat alles, er ist gruselig und gemütlich zugleich, er ist inkorrekt und doch wieder völlig korrekt, er ist Liebesdrama und Thriller, er ist kreativ und schnell und abgehoben. Wenn Harold ihn gesehen hätte – wahrscheinlich hätte er ihn dann doch mal kennen lernen wollen, diesen Hallam Foe.








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Bis jetzt 5 Kommentare
Lena. 4. September 2007 um 18:38 Uhr
Ja, der großgewordene Billy Elliot-Darsteller, habe ich gehört. Schon allein deswegen lohnt es sich, den Film zu sehen.
wollweber 6. September 2007 um 11:30 Uhr
… und ich muss nach diesen Worten nicht nur den Film sehen, ich würde auch gern JETZT SOFORT in den Soundtrack hören. Danke.
Roman 6. September 2007 um 16:06 Uhr
itunes, amazon, pPlattenladen des vertrauens, da gibt es ihn zum reinhören.
MisterBrightside 6. September 2007 um 21:11 Uhr
Verdammt, ich mag verschrobene britische Filme… da muss ich hin!
jensjetzt 25. Oktober 2008 um 22:28 Uhr
gerade eben auf dvd gesehen. wow! wunderbar fotografiert. tolle schnitte. grandios abstruse geschichte. fein, fein, fein!
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