Ich war noch nie eine große Freundin des Telefons, außer vielleicht in dieser Phase, die jeder mit 14 hat, und in der man einfach stundenlang telefoniert. Ich mag es nicht, wenn ich jemand Fremdes anrufen muss, um eine Auskunft einzuholen oder einen Termin zu machen oder einen Auftrag zu erteilen. Dann lege ich mir meine ersten Sätze fest, aber sobald es eine Rückfrage gibt, muss ich mir neue überlegen und habe Angst, Buchstaben oder Wörter oder Satzglieder zu vertauschen oder den Faden zu verlieren oder abzuschweifen und dann steh ich da, mit dem Hörer in der Hand, und bin so gar nicht schlagfertig. Ich mag es nicht, wenn man ein Gespräch beenden muss oder will und das aber nicht unhöflich tun möchte. (Am schlimmsten sind dann diese Leute, die plötzlich sagen: „Duuu, ich muss jetzt wirklich…“) Ich mag es nicht, wenn ich angerufen werde, obwohl ich gar nicht angerufen werden will. Wenn ich gerade irgendwas sehr Schönes mache, in dem ich voll aufgehe, und im Moment sehr zufrieden bin ohne einen Anruf, und dann ruft auf einmal meine Mutter von unten: „Eva, es ist für dich!“
Das ist natürlich nicht immer so. Ich freue mich zum Beispiel sehr, wenn du als Leser mich jetzt gleich anrufst. Aber ich fühle mich auch oft nicht so toll beim Telefonieren, weil ich finde, dass ich nicht gut darin bin. Es fühlt sich unwohl an, wenn du dann irgendwann nichts sagst und gleich der Gedanke in meinen Kopf springt: Jetzt musst du was sagen! Sag was! Frag was! Ach… Telefonieren ist wie Glatteis für mich.
Außerdem, finde ich, gibt es ganz großartige Alternativen. Der Brief ist die Nummer Eins! Briefe sind wunderbar, sie erfreuen einen wie kaum eine andere Kommunikationsmöglichkeit, wenn sie denn kommen, und man muss nie sofort zurückschreiben, man muss sie nicht mal sofort aufmachen (wer das kann, ist allerdings ein sehr, sehr … entspannter Mensch). Und: Man muss sie erst beantworten, wenn man Lust, Zeit, die Muße dazu hat.
Manchmal sogar noch besser: Die E-Mail. Für sie gilt das Gleiche, aber sie bietet zusätzlich die Möglichkeit, einfach überhaupt nicht zu antworten – und dabei nicht einmal unhöflich zu sein. Man sagt einfach: „Oh, bei mir ist gar nichts angekommen!? Da gab es wohl ein Problem mit den Serverkapazitäten.“ oder „Hups! Die Mail hat wahrscheinlich mein Spamfilter geschluckt!“ oder „Wie? Du hast meine Antwort gar nicht gekriegt??“ Ich finde das großartig – auch, wenn ich es natürlich nicht oft tue. (Eigentlich nur bei verpassten Deadlines oder in ganz, ganz harten Sonderfällen.)
Eine weitere Alternative, und ich hätte nie gedacht, dass ich das einmal schreibe, ist vielleicht das Handy. Aus dem simplen Grund, weil man es einfach abschalten kann. Das geht mit dem Haustelefon zwar auch, aber es macht keiner. Ein Handy ermöglicht zwar eine noch grenzenlosere Erreichbarkeit, aber zugleich eine völlige Unerreichbarkeit, und das ist doch auch was. Aber Handys, die sind sowieso so ein Ding, dem man vielleicht noch eine ganze weitere Telefontirade widmen müsste. Irgendwann mal – aber nicht jetzt, jetzt muss ich aufhören. Das Telefon klingelt.
Teil 1 steht hier.



“Duu, ich muss jetzt Schluss machen.”
Ach ja. Wenn ich Fremde wegen irgendeiner Sache anrufen muss, geht mir das ganz ähnlich. Da leg ich mir vorher die Sätze zurecht, und dann sag ich sie doch ganz anders, weil sie nicht zu der Stimme am anderen Ende passen.
Mails und Briefe beantworte ich wirklich fast immer. Briefe sind einfach zu schön und zu kostbar, und Mails … na, das sind eben Mails, die bringt das Netz so mit sich. :)
Mein Handy ist den ganzen Tag aus. Das spart viel Energie, und es ist ja nicht so, dass mich jemand darüber kontaktieren würde.
… man kann auch Telefonieren und gar nichts sagen, nur beieinander einschlafen (kann sehr schön sein) Es ist ein muss soetwas wie eine Telefonflat dabei zu haben. UNd telefonieren mit dem Handy wird erst dann richtig spannend wenn man es heimlich tun muss z.b wenn man wie ich eine zeitlang im krankenhaus war und jede schwester da wie ein luchs aufpasst. das war ein spass. “Ich? Iccch? Ich telefoniere doch nicht Schwster. Schwester!!” … und dann klingelt das Handy unter der Decke gg*
Am Schlimmsten finde ich anrufbeantworter. Man kommt sich so doof vor. man redet da einfach drauf los. ohne punkt und komma. und eigentlich immer vergisst man etwas wichtiges. dann muss man noch mal anrufen.
Ich stimme Sarah zu. Vor allem leide ich unter der Paranoia, bei ABs mit Standard-Ansagen zu glauben, die falsche Mailbox angerufen zu haben.
Aber ich telefoniere gerne, weil ich damals Angst davor hatte. Ich mag diese abenteuerreichen Aktionen inzwischen sehr, diese Spontanität, dieses Theorethisch-ist-alles-möglich… man muss nur die richtigen Leute anrufen.
Handys sind wiederum scheiße. Meine Eltern rufen mich gerne in den peinlichsten Momenten an (küssen etc.). Leider bin ich darauf angewiesen, weil meine Armbanduhr den Geist aufgegeben hat, meine Lieblingsschwester nicht mit meinen Eltern reden will und mich lieber direkt erreichen will… na ja.
Früher dachte ich immer, es wäre schön, in einer eigenen Wohnung einen Anrufbeantworter zu haben, heimzukommen und lustige Nachrichten anzuhören. Aber dann wären sicherlich auch blöde Nachrichten drauf und man kann ja schlecht sagen, ich hab nichts bekommen und dann muss man schlimmstenfalls noch zurückrufen und bäh, ne.
Selbst auf Anrufbeantworter zu sprechen ist schauderhaft. Ich hab das mal total verhauen, auf der Arbeit. Ich hab meinen Faden verloren und dann: scheiße, ich würde gerne auflegen. aber das geht ja nicht, man muss ja eine nachricht draufsprechen. ah. das war sehr, sehr peinlich.
ich hab mal mit meiner mutter zusammen ne ganze kassete vom anrufbeantworter vollgesprochen……ausversehen ;-)
Das mit dem Anrufen bei Fremden (bzw. der Unwillen, dass tun zu müssen) hatte ich damals auch..
Da hilft nur eins: Training.
Je öfter man vermeintlich “unangenehme” Telefonate hinter sich bringt, desto routinierter wird man schließlich auch..
Und stellt dabei fest, dass das eine der leichtesten Übungen überhaupt ist.
Meistens reagieren die Gesprächspartner ürbrigens anders, wenn man einen etwas schneidigeren Sprachstil benutzt (brauch dabei ja nicht unfreundlich zu werden, latent genervt oder oberflächlich freundlich reicht meistens schon). Wenn man also selber der vermeintlich unangenehme Gesprächspartner ist.
Mir hat es immer geholfen, mich selber vorher etwas hochzupushen, Aggressivität aufzubauen, mir vor Augen zu malen, dass der andere Gesprächspartner mir gefälligst meine Auskunft zu geben und nicht vorzuenthalten hat etc..
Letzlich geht es aber wohl auch darum, für das eigene Recht, für den eigenen Standpunkt einzustehen, und dabei ein gesundes Selbstwertgefühl zu besitzen oder zumindestens zu entwickeln.
Und wenn es mal zu gedanklich Leere während eines Gesprächs kommen sollte, kann man ja immer noch schnell den Ball zur anderen Seite spielen, in dem man eine Rückfrage zum Thema abfeuert oder eine kurze Zusammenfassung erbittet. Das schafft etwas Luft bzw. man kann durch die Antwort des Gesprächpartners wieder in die richtige Spur einfädeln.
Wenn ich einen AB erwische, lege ich meistens entweder auf, formulier dann meine Gedanken und ruf dann nochmal an, sage mein “Gedicht” auf und halte das dabei kurz und knackig (ruf mich zurück, du #*&%!). Je mach Tagesform, weil das Besprechen des ABs letzlich auch nur eine Trainingsfrage ist.
:)