Archiv für April, 2007

SETH JESS & KIRK

1. Von welcher Fernsehserie hast du alle Folgen gesehen?
„Sternenfänger“, „Everwood“ und „O.C. California“. „Eva & Adam“. („Gutshaus 1900“.) Außerdem alle in Serien aufgestückelte Astrid-Lindgren-Verfilmungen. Die fünfte Staffel „Gilmore Girls“ hole ich gerade nach.

2. Welche Serie hast du mehrmals gesehen?
Außer Astrid Lindgren wohl keine.

3. Bei welcher Serie bist du irgendwann ausgestiegen?
„Eine himmlische Familie“, aber mein Gott, das war, weil man ab und zu wirklich Serien braucht, Figuren, die einen ein bisschen begleiten, und die man fest in seinen Tagesablauf einplanen kann. Das klingt nach zu wenig Selbstbewusstsein und recht krank, aber es ist doch so! „Eine himmlische Familie“ ist allerdings ziemlich amerikanisch-pathetisch. „Unsere kleine Farm“ ist besser!

4. Bei welcher Serie bist du erst mittendrin eingestiegen?
„Sturm der Liebe“. Das schaue ich immer nur, wenn ich mit meinen Eltern verreise. Aber jetzt spielt Wayne mit – schauderlich!

5. Dein liebster Serienschauspieler?
Milo Ventimiglia (ha! Sofort richtig geschrieben!). Aber der spielte mit Jess auch einfach eine herrliche Figur. Schande, dass sie ihn rausgeschrieben haben. In New York hingen überall Werbeplakate für „Heroes“, wo er wohl eine Hauptrolle bekommen hat. Ich würde das nur wegen ihm schauen, wenn es hier mal käme. Zumindest ein paar Mal. Außerdem noch Adam Brody, weil Seth so geniale Sprüche reißt und wunderbar trottelig ist. Siehe auch Frage 18.

6. Deine liebste Serienschauspielerin?
Nora Tschirner in der wunderbaren ARD-Serie „Sternenfänger“, die leider und völlig unverständlich zu schlechte Quoten hatte. Da konnte ich sogar Oliver Pocher ernst nehmen!

7. Wenn vorhanden, deine liebste Serienzeichentrickfigur?
Heidi, immer wieder. Auch, wenn wegen ihr meine Deutschklausur eine halbe Note schlechter ausfällt.

8. Wer sollte nie wieder in einer Serie mitspielen und lieber Heizdecken verkaufen?
Kirk! Das wäre doch mal wieder ein Job für ihn!! Aber in Stars Hollow aufhören soll er deswegen trotzdem nicht.

9. Zitierst du aus Serien? Wenn ja, aus welchen?
Aus „Gilmore Girls“, und zwar dauernd. Am liebsten gemeinsam mit Steffi, weil sie das immer versteht. Zum Beispiel: „Tim, hat deine Freundin dir schon mal einen Pullover geschenkt?“ Das Tolle an Steffi ist, dass sie oft so redet, als zitierte sie aus dieser Serie, aber dann ist es ganz sie selbst. (Mit ihr habe ich auch meine erste und einzige DVD-Nacht gefeiert, acht Folgen „Gilmore Girls“ am Stück.)

10. Guckst du lieber deutsche oder ausländische Serien? Wieso, weshalb, warum?
Am liebsten amerikanische, weil sie die durchweg beste Qualität sowohl der Bücher als auch der Bilder aufweisen. Und, weil mir manche typisch amerikanische Kulturschnipsel darin so gefallen. Ich will auch: Luke’s Diner, jüdische Freunde, einen Schulspint und ein Dorf (mit einem Troubadour!), in dem jeder mich kennt.

11. Die beste Sitcom?
Schaue ich nicht. Weiß ich nicht.

12. Die beste dramatische Serie?
„Eva & Adam“ fand ich als Vierzehnjährige absolut dramatisch und grundehrlich und total gut getroffen. Ich erkannte mich wieder und alle meine Freunde und würde sofort die DVD-Box mit allen Folgen kaufen, wenn es denn eine gäbe.

13. Die schönste Titelmelodie einer Serie?
„Löwenzahn“! Aber SOWAS VON!

14. WelcheN FilmschauspielerIn würdest du gerne mal in einer Serie sehen?
Sind Serien für Filmschauspieler nicht oft eine Stufe abwärts? Ich habe zumindest den Eindruck. Das machen die doch immer erst, wenn sie keine besseren Angebote mehr bekommen. Dann landen sie vor solchen billigen „Reich und schön“-Kulissen und… uäh! „Reich und schön“!!

15. Erste Fernsehserie, an die du dich erinnern kannst?
Die „Sesamstraße“, und sonntags „Spencer“. (Oh nein, all die Kinder, die hier irgendwann einmal „Teletubbies“ schreiben müssen!)

16. Wenn du diese Serie heute noch mal guckst, wie fühlt sich das an?
„Spencer“ habe ich vor etwa einem Jahr noch mal gesehen. Das hat Spaß gemacht, aber… na ja.

17. Welche Serie finden alle toll, du aber total bescheuert?
Die „Simpsons“. Autsch!?

18. Welche Serie finden alle total bescheuert, du aber toll?
„O.C. California“, glaube ich. Der Soundtrack ist einfach super und ich kann nicht genug kriegen von Adam Brody. Der ja auch in „Gilmore Girls“ schon mal etwa die gleiche Rolle gespielt hat…

19. Welche Serie musst du unbedingt noch gucken?
Hmmm. „Six Feed Under“? Tipps bitte!

20. Möchtest du noch irgendwas sagen?
Sicher. Klar. Man kann ewig über Serien reden. Ich verspreche an dieser Stelle erst mal die lange gesammelten Tausend Gründe dafür, dass die Gilmore Girls so wunderbar sind für die nächsten Tage.

Eintrag aus dem Klassenbuch: Klassenfahrt und Zickenkrieg

Die einen besuchen sie neun, die anderen zwölf Jahre: Die Schule prägt uns ein Leben lang. Eva Schulz steckt noch mitten drin im Leben zwischen Lehrerzimmer, Spickerschreiben und Banknachbarn. In unserer Kolumne beschreibt sie, was das Schulleben ausmacht. In der achten Folge widmet sich Eva dem Phänomen Wandertag (Zoo, Dom und Co) sowie den Verwicklungen, die Klassenfahrten mit sich bringen (Zicken, Streit und lange Nächte). Am Ende fragt sie noch ihren Vater, wo der auf Klassenfahrt war. Die Antwort ist sehr persönlich.

Klassenfahrt und Zickenkrieg

Manchmal sitzen wir zusammen und erinnern uns an die Unter- oder Mittelstufe. Es ist verrückt, denke ich dann, wie nostalgisch man über Geschehnisse redet, die sich nur wenige Jahre zuvor ereigneten.

Neulich dachten wir zurück an den Wandertag in der achten Klasse. (Wie abwegig dieser Begriff geworden ist: Wandertag. Keine Klasse wandert doch heute noch! Schade eigentlich.) Der Senex, unser Klassenlehrer, hatte beschlossen, dass wir nach Köln fahren würden. Dort gibt es tolle Dinge, die man besichtigen kann. Wir einigten uns auf eine Domführung für den Senex und, im Gegenzug, auf einen Besuch im Schokoladenmuseum für uns.

Der Kölner Dom ist ganz okay, er ist sogar ziemlich beeindruckend – solange man nicht auf die Idee kommt, auf einen der Türme zu steigen. Die einzige dort hinaufführende Treppe ist so breit wie ein Kunstblock, und so stockt der Verkehr der Auf- und Absteiger in beiden Richtungen und ab und zu hört man ein plumpes „fluff“, dann ist jemand ohnmächtig umgefallen, weil die Luft so schlecht ist.

Oben angekommen wird man aussichtsmäßig noch nicht einmal für diese Tortur entschädigt, sodass man sie lieber schnell wiederholt und nach unten zurückkehrt.

Dort angelangt waren wir entsprechend genervt. Das Ganze hatte außerdem so lange gedauert, dass der Senex die Zeit nicht mehr als ausreichend für den Museumstrip ansah. Allerdings, so fügte er ein, sei da noch eine romanische Kirche, ganz in der Nähe, man hätte den direkten Vergleich der Baustile …

Im nächsten Jahr haben wir dann gegrillt.

Und uns an weitere Wandertage erinnert. An den Ausflug in den Zoo, wo eine Gruppe auf die glorreiche Idee kam, im Tropenhaus Verstecken zu spielen und wir alle zusammen eine Stunde nach Nadine suchen mussten. Oder der Besuch bei einem Imker, der in einer großen Honigbrot-Orgie endete. Oder die Wallfahrt im Rahmen des Weltjugendtages, wo wir mit der ganzen Schule ein furchtbar schweres Kreuz durch den halben Landkreis trugen. Ach, diese Wandertage – sind immer eine willkommene Abwechslung.

Aber noch besser sind Klassenfahrten.

Unsere beste Klassenfahrt dauerte eine Woche. Wir waren dreizehn oder vierzehn Jahre alt und euphorische Busfahrer. Blöd nur, wenn der Lehrer einem verbietet, auf der Fahrt zu schlafen – sonst seien wir alle nachts hellwach – und dies auch ständig überprüft.

Ich hielt mich wach, indem ich an Rubens Dreadlocks drehte und über die beiden schlechten Filme stöhnte, die der Busfahrer im Gepäck hatte. Im ersten explodierten Menschen, im zweiten lauter Autos. Das fand keiner toll.

Als wir auf dem Berg ankamen, auf dem unsere Herberge lag, teilte sich die Menge gleich in zwei Gruppen. Ich gehörte zu der weniger privilegierten – ich hatte einen Koffer ohne Rollen.

Generell: In der Unterstufe braucht es für eine gute Klassenfahrt jede Menge Süßigkeiten, ausgeklügelte Zimmeraufteilungen und mindestens zwei Taschenlampen pro Raum. Es braucht einen Zickenkrieg, ein neues Pärchen und einen Lehrer-Wutausbruch. Wir hatten ALLES. Zügellose Kartenspielnächte – zu zwölft auf einem Doppelzimmer, das später in Milchmauspapierchen versank. Den großen Streit im Zickenzimmer, wo jeden Morgen schon um fünf Uhr aufgestanden wurde, damit auch ja alle duschen konnten und wo nach zwei Tagen ein Bett leer stand, weil Meike tobend ausgezogen war.

Und da war Julian, der Alessandra seine Liebe gestand und sie so zu einer schlaflosen Nacht zwang, in der sie unter wildem Augenverdrehen versuchte, eine Entscheidung – ja, nein, vielleicht? – zu treffen. Und am letzten Abend der Doppelgeburtstag von Katharina und Nadine, den wir mit einem Treffen bei ihnen um Mitternacht feierten. Dort entstand auch das Top-Foto der Fahrt: Von unserem Lehrer im zu kurzen Schlafanzug, die Hosen weit über den Bauchnabel gezogen.

Vergisst man erste Klassenfahrten? Ich habe meinen Vater nach seiner gefragt. Er musste lange überlegen. „Irgendwo war ich mal“, grübelte er und sprang plötzlich mit leuchtenden Augen in seinem Sitz auf.

„Jaa! An der Möhneseetalsperre!“

Sein Blick wurde so nostalgisch wie unserer immer, wenn wir zurückdenken, und dann sagte er nur: „Silvia Urban! Bahnhofstraße 46, in 59423 Unna. Sie reiste an dem Tag ab, an dem wir ankamen.“ Ich glaube, später hat er sich das dicke Telefonbuch geholt.

Jetzt.de, 26. April 2007

SCARLETT KIRSTEN & SOFIA

1. Name a movie you have seen more than 10 times.
Bevor ich meine richtig exzessive Leidenschaft für Filme entwickelte, sah ich am liebsten die Liebesfilme meiner Mama. Daher sind das „E-Mail für dich“ und „Während du schliefst“ – die schau ich heute noch gerne.

2. Name a movie you’ve seen multiple times in the theater.
Zuletzt „Scoop“ von Woody Allen mit Scarlett Johansson. Ich mag ja seine Krimis am liebsten. Zwei Mal übrigens, ich gehe für keinen Film öfter als zwei Mal ins Kino. Das erste Mal in Münster, das war sehr gemütlich und auch recht abenteuerlich, das zweite Mal im VHS-Film-Forum. Da wird jeden Monat ein richtig guter Film gezeigt, sodass sich sämtliches hier ansässiges Programmkino-Publikum versammelt, das sonst nicht auf seine Kosten kommt.

3. Name an actor who would make you more inclined to see a movie.
Ich überlege ja, mir ein T-Shirt bedrucken zu lassen, auf dem steht: „SCARLETT KIRSTEN & SOFIA“. Aber man sagte mir, in meinem Fall sollten das doch bitte Jungsnamen sein. (Mit Sofia ist außerdem die Regisseurin gemeint.)

4. Name an actor who would make you less likely to see a movie.
Ben Stiller. Wie soll man den auch ernst nehmen.

5. Name a movie you can and do quote from.
Spontan fällt mir ein: „Findet Nemo“! Die anderen zitiere ich eh nur unterbewusst. Das ist alles längst in meinen Grundwortschatz aufgenommen!

6. Name a movie musical in which you know all of the lyrics to all of the songs.
Wahrscheinlich „Pocahontas“, aber das müsste ich erst testen.

7. Name a movie you have been known to sing along with.
Die Frage finde ich überflüssig, da hätte man sich besser noch eine über Literaturverfilmungen ausdenken können. Liegt aber vielleicht auch daran, dass ich sie nicht ganz verstehe.

8. Name a movie you would recommend everyone see.
Puh. Man trifft nie den Geschmack von everyone.

9. Name a movie you own.
20 movies I own

10. Name an actor who launched his/her entertainment career in another medium but who has surprised you with his/her acting chops.
Das ist nicht ganz richtig, aber sonst wird dieser Film hier gar nicht erwähnt, und ich habe gerade Lust, ihn zu erwähnen: Zach Braff. Der war vorher mal ein dumm-dumpfer Mediziner, und dann wurde er zu dem tollen Jungen neben der noch tolleren Natalie Portman in „Garden State“. Und hat da auch noch Regie geführt! Also!

11. Have you ever seen a movie in a drive-in?
Nein, denn so etwas gibt es ja hier nicht. Mensch.

12. Ever made out in a movie?
Nicht, soweit ich mich erinnern kann. Bei „Stolz und Vorurteil“ ist eine (schrecklich nervige, weil ständig kichernde) Frau kurz vor der „Darcy kommt sehnsüchtig durch die morgentauige Luft“-Szene rausgegangen und genau danach wieder reingekommen. Sie fragte ganz laut „HAB ICH WAS VERPASST?“ – wir seufzten nur.

13. Name a movie you keep meaning to see but you just haven’t gotten around to yet.
„Little Miss Sunshine“! Wir haben es wirklich versucht.

14. Ever walked out of a movie?
Nein. Aber bei „Plötzlich Prinzessin 2“ hätte ich es tun sollen. Wie konnten die einfach Michael verschwinden lassen, den wunderbaren Michael? Wir waren so entsetzt. Dieser Film war ungefähr so befriedigend wie „Pocahontas 2“, was vielleicht ein Beweis dafür ist, das zweite Teil selten gut sind. (Bei Pocahontas gab es aber wenigstens was zu lachen!)

15. Name a movie that made you cry in the theater.
Ich gehe nie ins Kino, wenn der Film einen hohen Heulfaktor hat. Sowieso warte ich seit Jahren darauf, dass so etwas bei den Rezensionen angegeben wird. Anspruch, zwei von drei Punkten, Humor, einen von drei Punkten, Heulfaktor, drei von drei Punkten. So soll das aussehen!

16. Popcorn?
Anke Gröner schreibt: „Ich kann schon den Geruch nicht mehr ab, geschweige denn den völlig sinnfreien Geschmack.“ Trifft es doch! In Münster (siehe Frage 2) wurde nicht einmal Popcorn verkauft. Leider aber auch sonst nichts, das ich mag. Inzwischen ist es für mich kein moralisches Ringen mehr, einfach selbst etwas mitzubringen. Uuuuuuhhuu.

17. How often do you go to the movies?
In Kultkatze Nummer Acht hatten Roman und ich erklärt, fortan Listen zu machen. Die gibt es tatsächlich und sie werden sehr akribisch geführt. Meine Liste sagt: Zwei Mal im Januar, kein Mal im Februar, drei Mal im März, noch kein Mal im April.

18. What’s the last movie you saw in the theater?
„Scoop“. Ist übrigens egal für die Krimis, ob Woody Allen mitspielt oder nicht, sie sind trotzdem gut. Aber die ohne ihn sind ernster (thrilleriger).

19. What’s your favorite/preferred genre of movie?
Ist Sofia Coppola ein Genre?

20. What’s the first movie you remember seeing in the theater?
Meine Eltern sagen, „Dschungelbuch“. Ich erinnere mich an Affen.

21. What movie do you wish you had never seen?
Sideways!

22. What is the weirdest movie you enjoyed?
„I ♥ Huckabees“, aber auch erst beim zweiten Mal.

23. What is the scariest movie you’ve seen?
Sakrileg! Obwohl der Film nicht sonderlich gut ist. Ich habe einen Wadenkrampf vor Schreck bekommen, als der Mönch in der Szene gleich nach der Pause auf einmal so von der Seite ins Bild sprang. Jetzt verbinde ich immer einen leichten Schauer mit Paul Bettany, selbst wenn ich „Wimbledon“ sehe.

24. What is the funniest film you have ever seen?
Üüüüüüüüüch hooooooooooooiibe ööööööööööööhrliuuuich göööölaaaauuuuaaaacht, aaaauuuuaals Dooooooriiiiie Wuuuuuuuuuuuaaliiiiiisch göösprooooouuchöön haaaaat. Öööööiiiiich liöööööbööööö Dooooooriiiiiiie.

Weltlich(t) oder „Pazifischer Ozean“ hat 5×3+1 Buchstaben

Weltlicht (Foto von Roman)

Abends leuchten mir seit neuestem Afrika und der Atlantische Ozean. Das ist sehr blaues, dumpfes Licht, aber entgegen aller mütterlichen Behauptungen schult schlechte Beleuchtung beim Lesen die Augen und verletzt sie nicht etwa.

Ich sehe mir die Welt an, während wir telefonieren oder ich auf dem Bett herumturne, aber entgegen der Erwartungen wird dadurch mein geographisches Gedächtnis nicht besser. Ich nehme nur manchmal einzelne Dinge genau wahr, Länder, Städte, Flüsse, Meere springen mir ins Auge und ich zähle ihre Buchstaben, in Dreierschritten.

Vor dem Schlafen schalte ich die Welt aus, damit ich auch ja nichts verpasse. Sie dreht sich jetzt nicht mehr, außer, ich möchte mir noch schnell Südamerika anschauen. Sowieso überlege ich in letzter Zeit, ob ich nun Schwedisch oder Spanisch lernen möchte. Im Endeffekt wird es wahrscheinlich das, was eher wieder angeboten wird.

Man muss so eine Welt anfassen, muss mit dem Finger auf ihr herumfahren, dann wird sie auf einmal ganz klein. Was ist besser: die Welt als klein anzusehen, oder als groß?

Eintrag aus dem Klassenbuch: Turnen oder: Wofür brauche ich das alles?

Die einen besuchen sie neun, die anderen zwölf Jahre: Die Schule prägt uns ein Leben lang. Eva Schulz steckt noch mitten drin im Leben zwischen Lehrerzimmer, Spickerschreiben und Banknachbarn. In unserer Kolumne beschreibt sie, was das Schulleben ausmacht. In der siebten Folge widmet sich Eva dem Jammertal genannt “Sportunterricht” und der Frage aller Fragen: Wofür brauche ich das?

Turnen oder: Wofür brauche ich das alles?

Ich bin ein großer Fan der Peanuts, und gerade habe ich wieder eine Phase. Also: Einmal kommt Lucy van Pelt zu Charlie Brown. Lucy ist ein sehr intelligentes Mädchen, sie weiß viel, berät ihre Freunde in schwierigen Lebenslagen und nervt nur ganz selten. Die Peanuts spielen Baseball und Lucy hat einen Ball nicht gefangen. Sie kommt also zu Charlie Brown und sagt: „Sorry, dass ich den Flugball verpasst hab…“ Charlie fragt: „Und welche Ausrede hast du diesmal?“ – „Der Kondensstreifen hat mich irritiert…“

Lucy ist wie ich. Mit dem kleinen Unterschied, dass wir in der Schule nicht Baseball, sondern Volleyball spielen. Ich konnte Volleyball noch nie leiden. Mir ist einfach unverständlich, wie man sich auf dieses Feld stellen, sich kaum bewegen, aber mit seinen Armen so schrecklich schmerzende Dinge tun kann. Außerdem habe ich nicht die notwendigen Reflexe. Dem entsprechend schlecht bin ich in dieser Sportart. Bernhard schüttelt jedes Mal völlig entgeistert den Kopf, wenn ich in seiner Mannschaft lande.

Manchmal besteht zum Glück die Möglichkeit, zwischen Volleyball und Fußball zu wählen. Alle Jungs spielen dann Fußball (Bernhard auch), und zusammen mit ein, zwei Freundinnen schließe ich mich ihnen an. Obwohl uns von Anfang an klar ist, dass die Jungs uns kaum an den Ball lassen werden, denn das ist ihre Sportart. Mein Freund Silvan begründete das neulich so:

„Man kann den Mädels einfach nicht beim Fußball zuschauen. Sie stürzen sich immer sofort alle gleichzeitig auf den Ball!“

Trotzdem macht es viel mehr Spaß. Schon wegen Bernhards Blick.

In keinem anderen Fach kommen die Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen so sehr zum Tragen wie im Sportunterricht. Und ich meine nicht die getrennten Umkleidebereiche. Ich meine die verschiedenen Punkteverteilungen bei der Leichtathletikbewertung und dass wegen der Jungs nie getanzt wird und dass sie meist geschlossen vor den Mädchen vom Waldlauf zurückkommen. Ohne die Abkürzung durchs Maisfeld.

Dafür sehe ich folgende Gründe:

  • Jungs sind größer und stärker.
  • Sie mussten ja schon eine Doppelstunde Step Aerobic mitmachen.
  • Sie legen niemals Quatsch- und Seitenstichpausen im Schritttempo ein.

Das Schlimmste am gesamten Sportlehrplan aber, und darüber sind sich Jungs und Mädchen einig, ist Turnen. Jedes Jahr im Winter läuft uns ein Schauer über den Rücken, wenn wieder Matten und Magnesiumvorräte herausgeholt werden. Dann müssen wir uns eine weitere neue Kür für Boden und Balken ausdenken, der Felgaufschwung klappt immer noch nicht und irgendwer verstaucht sich garantiert den Rücken am Barren oder springt auf spektakuläre Art und Weise gegen einen Kasten.

Jeden Winter stelle ich mir in dieser Phase die gleiche Frage. Es ist die große Frage, die das Schülerleben ständig begleitet: Wofür brauche ich das bitte in meinem späteren Leben? Wann in meinem Leben werde ich jemals wieder Kurven diskutieren müssen? Ein Anakoluth benennen? Mehlwürmer züchten? Und, Herrgott noch mal, einen Felgaufschwung turnen?! Es gibt keine richtige Antwort auf diese Fragen. Wenn man danach sucht, kommt man irgendwann völlig verwirrt bei „Warum gehe ich überhaupt zur Schule?“ an. Darauf fand ich neulich bei den Peanuts eine wunderbare Antwort:

Die Peanuts stehen im strömenden Regen an der Bushaltestelle. Sally Brown tropft und schaut verzweifelt drein und fragt sich: „Warum steh ich hier im Regen und warte auf den Schulbus?“ – „Damit du schreiben lernst und Brüche multiplizieren“, sagt Linus. „Und einen Beruf und wie man Geld verdient“, sagt Lucy. „Damit du deinen Hund füttern kannst“, denkt Snoopy.

Jetzt.de, 19. April 2007