
Einmal, mit vier Jahren, als sie durch Silvias Modezeitschriften blätterte, störte sie sich an den vielen weißen, unbedruckten Stellen auf der Seite. “Ich mag Weiß nicht”, sagte sie. “Das ist nicht bunt.” Dann brach sie in Tränen aus. “Das ist nicht bunt, aber da ist so viel davon.” Schluchzend saß sie eine Stunde lang über die Zeitschrift gebeugt und malte Seite für Seite die weißen Stellen bunt an. Dazu gehörte das Weiß im Auge der Menschen, deren Zähne, die Abstände zwischen den Spalten, die weißen Ränder rund um die Anzeigen. Sie weinte, weil ihr bewusst war, dass es bei so viel Weiß aussichtslos war, dass sie sich, wenn sie auch nur diese kleine Geschmacksverirrung korrigieren wollte, in eine nicht endende, hoffnungslose Aufgabe verstrickte. Irgendwann wäre sie alt, und immer noch gäbe es weiße Laken, weiße Wände und schließlich auch das eigene weiße Haar.
Dieser Ausschnitt steht auf Seite 56 des Buches “Der Jane Austen Club” von Karen Joy Fowler. Es handelt von fünf Frauen und einem Mann, die sich regelmäßig treffen, um über die Romane der berühmten englischen Schriftstellerin zu diskutieren. Das Buch ist sehr flüssig zu lesen, Fowler gelingt es besonders gut, ihre so unterschiedlichen Figuren ausgiebig zu charakterisieren: Da wären die frisch geschiedene Sylvia und ihre lesbische Tochter Allegra (die sich früher an weißen Flecken störte), die einsame Hundezüchterin Jocelyn, die alternde Quasselstrippe Bernadette und, neben Französischlehrerin Prudie, Grigg, der Hahn im Korb, welcher eigentlich lieber Science Fiction liest.Letztendlich geht es also mehr um die Menschen als um Austen, aber die Verbindungen dazwischen sind fein und sanft geknüpft und auch für jene verständlich, die sich noch nicht mit der Literatur des 18. Jahrhunderts auseinandergesetzt haben. Trotzdem werde ich das Buch wohl noch einmal lesen, wenn ich mehr als “Stolz und Vorurteil” kenne.


hört sich interessant an vielleicht bewege ich mich mal von meinen abenteuergeschichten weg und aus meinem märchenreich (viel schöneres wort als fantasy welt) raus
und widme mich diesem buch! und der mann mit dem hang zum sience fiction könnte mir sympatisch sein….