Archiv für März, 2007

Eintrag aus dem Klassenbuch: Wenn der Sommer in die Schule kommt

Die einen besuchen sie neun, die anderen zwölf Jahre: Die Schule prägt uns ein Leben lang. Eva Schulz steckt noch mitten drin im Leben zwischen Lehrerzimmer, Spickerschreiben und Banknachbarn. In unserer Kolumne beschreibt sie, was das Schulleben ausmacht. In der vierten Folge widmet sich Eva dem Zauber des Sommers und seinen Auswirkungen auf das Schulleben. Mittelstuflerinnen holen sich Blasenentzündungen und Lehrer üben sich, au weh, im Marienkäfer-Massenmord.

Wenn der Sommer in die Schule kommt

Wenn dieser Tage nach Monaten der Kälte und Nässe die ersten Sonnenstrahlen die Wolkendecke über dem Schulhof durchdringen, sitzen gleich wieder ein paar Mittelstufenmädchen auf dem Boden und holen sich eine Blasenentzündung. Aus dem Alter sind wir zwar raus – man lernt mit den Jahren – trotzdem fiebern auch wir seit Wochen der Ankunft des Frühlings entgegen. Und den Temperaturen, die die Pause endlich wieder zu einer durch und durch angenehmen Unterbrechung des Schulalltags machen.

Seit Monaten stehlen wir uns nämlich nach dem Gong heimlich zurück in die Klassenräume und setzen uns vor die Heizungen, um nicht schlotternd und mit roten Ohren draußen festzufrieren. Die Jungs freilich stehen dort wie immer. Sie reißen ja auch ständig die Fenster auf, egal ob es regnet, hagelt oder schneit, immer unter dem Vorwand, es sei „viel zu warm hier drin“. Kurz drauf beschweren sie sich dann darüber, dass wir Mädchen dauernd niesen.

Natürlich hat der Winter auch seinen ganz besonderen Zauber. Und der heißt Schnee. Nichts kann einen winterlichen Schultag so sehr versüßen wie das weiße Treiben vor dem Klassenzimmerfenster. Kaum kommt man jedoch nach den Stunden raus aus der Schule und möchte sich auf den Heimweg machen, kriegt man die Kehrseite dieses Glücks ab: In Form zahlreicher (illegaler!) Schneebälle, vorwiegend aus Sechser-Händen. Dass das auch nach hinten losgehen kann, erfuhr Carsten letztes Jahr auf direkte Weise. Er verfolgte mit einem gewissen Vorrat an Schneebällen seinen Freund bis ins Foyer, warf dann zielsicher – und traf auch! Allerdings war die Kugel zuvor nur knapp am Ohr des Schulleiters vorbeigesaust. Dessen Strafe lautete, den entsprechenden Paragraphen der Schulordnung 100 Mal abzuschreiben.

Ausnahmsweise tat Carsten das mit größtem Vergnügen. Paragraph 8.3.11. der Schulordnung besagt nämlich lediglich: „Im Winter ist das Schneeballwerfen auf dem Pausenhof untersagt.“ Jetzt wird unsere Schulordnung generalüberholt.

Während der Zauber des Schnees also für gewöhnlich nur kurz wirkt, schafft es die Sonne, sowohl Lehrer als auch Schüler dauerhaft bei Laune zu halten. Wir verbringen die Pausen jetzt nicht mehr vor der Heizung, sondern vor dem Thermometer, und warten auf die magischen 27 Grad, die für uns einen hitzefreien Tag bedeuten. Erreicht die Temperatur diese Marke nicht, verbringen wir den Mittag barfuß auf dem Schulhof liegend, mit Erdbeeren oder Eis am Stiel, und erstellen Lehrersandalen-Toplisten. Den anschließenden Unterricht versuchen wir durch Betteln nach draußen zu verlegen – was leider allzu selten klappt.

Letztes Jahr entdeckten wir, dass die kleine Wiese vor der Aula im Sommer so etwas wie ein Marienkäfer-Woodstock ist. Sie treffen sich dort alle, schwirren fröhlich umher und vermehren sich stetig. In der Pause vor dem Physikunterricht freundeten wir uns mit einigen von ihnen an – und die Käfer beschlossen, uns zu begleiten. Wir verschafften ihnen beste Plätze auf den Tischen in der ersten Reihe. Dort bemerkte Herr Gaertner sie natürlich schon bald. Allerdings war er ihnen keinesfalls wohlgesonnen. Binnen weniger Sekunden hatte er sein dickes Physikbuch ergriffen und ließ es auf einen unserer neuen Freunde herabsausen. Wir waren entsetzt! So auch die Verwandten des kleinen Marienkäfers, die flugs auf den Boden flatterten. Das war leider die falsche Richtung. Herrn Gaertners Fuß machte ihnen schnell den Garaus. So kam einer nach dem anderen um. Ein wahrer Marienkäfermassenmord.

Der Sonnenzauber wirkt also auch nicht bei jedem, das haben wir letzten Sommer gelernt. Dieses Jahr werden wir es besser machen. Das Treffen mit den Käfern haben wir deshalb auf den tollsten Teil des Schulsommers verlegt: die großen Ferien.

Jetzt.de, 29. März 2007

Im stillen Kämmerlein – Wie Felix zum Glauben fand

Früher muss Felix Leuker bei diesen Schulgottesdiensten ein merkwürdiges Gefühl gehabt haben. Er verstand nicht, worum es eigentlich ging, wenn der Priester aus der Bibel vorlas, von Nächstenliebe und ewigem Leben sprach, wenn seine Mitschüler dem Mann im Chor antworteten und kitschige Lieder über Senfkörner und Herrlichkeit sangen. Am komischsten muss der Moment gewesen sein, in dem der Geistliche Brot verteilte, das nicht wie Brot aussah, und erklärte, das sei der Leib Christi. Dann war Felix der einzige, der zwischen den leeren Stühlen sitzen blieb – weil er nie getauft worden war.

„Meine Familie ist selbst nicht religiös“, erzählt der 16jährige, „meine Mutter ist sogar mit 14 aus der Kirche ausgetreten.“ Trotzdem schickten seine Eltern ihn auf eine Klosterschule – weniger wegen des religiösen Aspektes, sondern weil es „einfach eine schöne Schule, mit nicht so vielen Schülern“ ist. Dass mit diesem Schritt der Grundstein seines persönlichen Glaubens gelegt sein könnte, daran dachten weder er noch seine Familie.

Felix war 13, als er sich zum ersten Mal die Frage nach dem Sinn der Gottesdienste stellte. „Da habe ich mich ein bisschen mit dem Thema beschäftigt, in Büchern gelesen, und fand es spannend“, sagt er. „Ich wollte mich genauer damit auseinandersetzen und habe Pater Felix gefragt, ob wir uns nicht mal darüber unterhalten können.“

Pater Felix Rehbock ist katholischer Priester, Missionar und Seelsorger an Felix’ Schule, dem Gymnasium Mariengarden in Borken-Burlo, einem kleinen Ort im Münsterland. Er war überrascht, als Felix ihn ansprach. „Nicht wegen der Fragen, die er gestellt hat“, betont er, „sondern, weil ich das im katholisch geprägten Nordrhein-Westfalen, an einer Klosterschule, weniger erwartet habe.“ Die beiden beschließen sich regelmäßig zu treffen. „Am Anfang wusste er nicht, was auf ihn zukam“, schmunzelt Pater Rehbock, der schon oft Menschen auf dem Weg des Katechumenats, des Christwerdens, begleitet hat. „Er war etwas verhalten. Aber mit Zeit wurde er lockerer.“

Der Geistliche erklärt Felix alle Grundlagen der katholischen Kirche, zeigt ihm die Gotteshäuser und berichtet von Jesus. „Ich habe die Sachen immer mehr verstanden und auch für mich selbst ein Verständnis entwickelt, dass das halt doch so sein könnte, wie der Typ mir das immer erzählt“, grinst Felix. Nach über einem Jahr ist er sich ganz sicher: Er möchte getauft werden. „Ich überlegte schon ein paar Wochen, ob ich das wirklich tun will, denn das ist ein Schritt, den man nicht so einfach wieder rückgängig machen kann“, sagt er. „Letztendlich fand ich einfach viel mehr Argumente dafür.“

Natürlich gibt es auch Dinge, die Felix weniger gefallen. Die kirchlichen Standpunkte zu Geschlechtsverkehr und anderen modernen Themen hält er für überholt. Damit ist er nicht allein: Laut der Shell Jugendstudie 2006 finden 68% der deutschen Jugendlichen, die Kirche müsse sich ändern, wenn sie eine Zukunft haben will. „Angeblich ist die Kirche moderner geworden über die Jahre, aber für mich könnte das ruhig noch einen Tick schneller gehen“, findet Felix.

Die Studie besagt auch, dass lediglich 30% der Jugendlichen sich in einem kirchennahen Sinne als religiös bezeichnen. Die deutsche Jugend neige zu einem Patchwork-Glauben, zu „Religion light“. „Natürlich ist nicht alles richtig, was in der Bibel steht“, weiß Felix, „das darf man nicht so wörtlich nehmen. Menschen, die so etwas sagen, befassen sich nicht genug mit dem Thema, sondern sehen nur, was auf der Oberfläche geschrieben steht.“ Pater Rehbock, der durch seine breit gefächerte Jugendarbeit mitbekommt, welche Verständigungsschwierigkeiten zwischen Kirche und Jugend bisweilen bestehen, meint: „Tendenziell suchen junge Leute den Glauben, aber nur wenn er wahrhaftig ist. Wenn sie Christen erleben, Nächstenliebe erleben, vor Ort.“

Das konnte er Felix vermitteln. Im März 2006 wurde er in der Kirche an seiner Schule getauft. Jetzt spielt der Glaube eine wichtige Rolle in seinem Leben. Er gibt ihm Halt in wichtigen Fragen. „Wie ist die Welt entstanden – Urknall? Davor muss irgendwas gewesen sein, was war davor, was war davor? Was ist nach dem Tod? Die Frage stellt sich ja eigentlich jeder. Ist es dann vorbei, man schläft, oder gibt es da noch irgendwas?“ Man merkt Felix an, wie diese Fragen ihn drängen, und gleichzeitig, sagt er, gebe ihm die Religion Kraft und die Hoffnung, dass es nicht zu Ende sei.

„Gott soll Felix niemals in Ruhe lassen!“, antwortet Pater Rehbock auf die Frage, was er sich für den jungen Christen wünsche. Er solle seinen reflektierten, gelebten Glauben behalten. Deshalb bereitet Felix sich inzwischen auf seine Firmung vor. In ein paar Monaten findet eine solche für Erwachsene statt, mit dem Bischof in Münster.

Und auch im Alltag begleitet ihn der Glaube. „Das fängt schon an beim Morgengebet in der Schule, oder zu Hause. Da mache ich das dann natürlich im stillen Kämmerlein“, lacht er. Seine Eltern finden es gut, dass ihr Sohn seinen eigenen Weg gefunden hat und dieser ihm so wichtig war, dass er ihn auch allein bestreiten konnte. Um den Hals trägt Felix jetzt stets ein silbernes Kreuz. „Ich will ja auch ein Zeichen nach außen geben, für andere Menschen, dass ich halt da hingehöre.“

Wie Pater Rehbock irgendwann einem Orden beizutreten oder anderweitig im Dienst der Kirche zu arbeiten, kann er sich allerdings nicht vorstellen. Erst einmal wird er die Schule abschließen, weiterhin den Gottesdienst in seiner Gemeinde besuchen, zusammen mit seiner Freundin, und seiner anderen Leidenschaft, dem FC Schalke 04, frönen. Aber wer weiß? Pater Rehbock meint: „Wenn Gott das mit ihm vorhat, bleibt ihm wohl nichts anderes übrig.“

Im Finale! Der Duden Open 2006 / 2007

Ich und du und alle, die wir kennen

Ich und du und alle, die wir kennen

„))<>((. Forever.“

Christine ist Künstlerin, sie filmt Fotos von Menschen ab und synchronisiert sie. Sie schickt ihre Kunst in ein Museum, an die kühle Direktorin Nancy, um sie endlich auszustellen. Aber solange sie nichts damit verdient, arbeitet sie als Seniorentaxi. Zum Beispiel fährt sie Michael in die Stadt, der in die todkranke Ellen verliebt ist und sich ein Paar blaue Sportschuhe kaufen wird. Verkauft werden sie ihm von Richard, der eine verbrannte Hand und sich gerade von seiner Frau Pam getrennt hat. (Christine verliebt sich während dieses Einkauf in ihn.) Jetzt ziehen seine beiden herrlichen Söhne, Peter und Robby, immer zwischen ihm und ihr hin und her. Peter ist der Ältere, der in der neuen Nachbarschaft seines Vaters schnell ein Mädchen kennen lernt: Sylvie ist deutlich jünger als er, aber sie fasziniert ihn, weil sie seit Jahren einzig und allein damit beschäftigt ist, ihre Aussteuertruhe zu füllen. Zum Beispiel mit einem Mixer in zeitlosem Design. Der jüngere Bruder, Robby, lernt derweil über das Internet jemanden kennen – jemand, nun ja, sehr komischen. Richards Nachbar und Arbeitskollege Andrew lernt auch jemanden kennen: Zwei Teenager-Mädchen, Heather und Rebecca, denen er aber auf keinen Fall sagen darf, was er am liebsten mit ihnen machen würde, denn sie sind doch noch minderjährig…

Was nach einem schrecklich unübersichtlichen, chaotischen Film klingt, ist in Wahrheit so bunt und voller Ideen wie „Die fabelhafte Welt der Amelie“ oder „Science of Sleep”. Nichts anderes war schließlich zu erwarten von Autorin und Regisseurin Miranda July, die ja auch Initiatorin des wunderbaren Projekts Learning to Love You More ist. Sie versteht es, Farben zu kombinieren und Erzählstränge zu verflechten, sie platziert feinen Humor direkt neben schwerwiegenden moralischen Fragen. Letztere stellen sich in den wenigen Episoden, die ausnahmsweise die körperliche Liebe ins Spiel bringen. Jene sind auch der Grund, weshalb ich den Film – trotz seiner vielen Auszeichnungen und seiner offensichtlichen Qualität und Tiefgründigkeit – nicht mit in die Schule nehmen würde. (Darin gestützt werde ich noch von einem Kritiker der Chicago Sun-Times, der den Film „Das „Sideways“ des Jahres!“ nennt.)

Trotzdem empfehle ich, ihn anzusehen. Weil es vordergründig eben darum geht, dass alle irgendwie zueinander finden. Weil Miss July recht hat, wenn sie sagt, dass sie die Hauptrolle in ihrem eigenen Film im Grunde Kirsten Dunst vor der Nase weggeschnappt hat. Weil so viele Kinder und Jugendliche dort so gut spielen. Weil mal wieder so viele kleine Dinge auffallen. Und weil, wie so oft, die Liebe die Hauptsache ist.

Eintrag aus dem Klassenbuch: Wenn der Lehrer austickt

Die einen besuchen sie neun, die anderen zwölf Jahre: Die Schule prägt uns ein Leben lang. Eva Schulz steckt noch mitten drin im Leben zwischen Lehrerzimmer, Spickerschreiben und Banknachbarn. In unserer Kolumne beschreibt sie, was das Schulleben ausmacht. In der dritten Folge widmet sich Eva einem Vorfall, der sich in einer Münchner Schule zutrug: Ein Lehrer bezeichnete eine Schülerin als “Luder”. Nach Angaben des Mädchens nur eine von vielen zwiespältigen Bemerkungen. Sie wechselte die Schule.

Wenn der Lehrer austickt

Vielleicht war es einfach eine von diesen ganz normalen Lateinstunden, in denen man 40 Minuten lang nichts anderes tut als zu übersetzen. Vielleicht war da auf einmal ein Satz wie: „Afra ludens in forum venit.“ Und ausgerechnet L. kam dran, die sprachlich noch nie wirklich gut war, und übersetzte: „Das Luder Afra kam ins Forum.“ An dieser Stelle hätte sich auch mein Lateinlehrer einen Spruch wie „Ja, L., du bist mir auch so ein Luder!“ nicht verkneifen können. Ludere nämlich bedeutet im Lateinischen lediglich „Spielen“ – und Afra ist spielend ins Forum gekommen. Aber wahrscheinlich war es ganz anders, und viel schlimmer.

Alle reden auf einmal über den Vorfall am Harlachinger Einstein-Gymnasium, wo eine 17-jährige Schülerin auf eine Privatschule wechselte, nachdem sie von ihrem Deutsch- und Lateinlehrer als Luder bezeichnet worden war. Es gab weitere Vorfälle dieser Art, die sie letztendlich zu dem Wechsel bewogen. Trotzdem diskutiert man inner- und außerhalb deutscher Klassenzimmer, ob das wirklich nötig war.

Wir erinnerten uns sofort an einen Tag in der Mittelstufe, wir hatten Biologie und unser Lehrer war ziemlich schlecht gelaunt. Irgendwann sagte eine Mitschülerin ein falsches Wort und brachte so das Fass zum Überlaufen. Der Wutausbruch unseres Lehrers gipfelte darin, dass er die Mädchen in der Klasse allesamt als „eitle, faule Zicken“ bezeichnete. Wir waren total perplex. So etwas darf ein Lehrer nicht tun. Er darf nicht beleidigen, er muss vielmehr Vorbild sein. Bisweilen gehören Selbstbeherrschung und Nachgeben ja auch mit zu diesem Job. Aber trotzdem gilt noch der Satz: Lehrer sind auch nur Menschen. Und wenn sie nun einen schlechten Tag haben? Dann ist wichtig, dass sie Fehler einsehen und sich zumindest vorbildhaft entschuldigen. Das tat unser Biolehrer schon am nächsten Tag.

Es ist auch nicht zu bestreiten, dass mancher Lehrer durchaus seine Lieblingsschüler hat. Und dann auch meistens welche, die er überhaupt nicht ausstehen kann. Beide haben es nicht leicht. Lieblingskinder sind immer wieder und oft zu Unrecht den Anfeindungen ihrer Klassenkameraden ausgesetzt – was kann Alessandra dafür, dass Herr Wettke-Lünning denkt, sie wäre gut in Chemie? –, während die Anderen unter den Paukern leiden. Manchmal sind diese Antipathien seitens der Lehrer begründet: Wenn ihnen beispielsweise der Klassenclown das Unterrichten schwer macht, schlagen sie irgendwann zurück. Sie sind auch nur Menschen. Schlimm ist aber, wenn sie sich verrennen in ihrem Hass und gar nicht erkennen, dass so jemand sich bessert. Dann wird es nämlich Zeit für ein Quäntchen Anerkennung.

Von einem Lehrer gelobt werden ist toll. Unser Englischlehrer erklärte einmal, warum er unsere Klasse so mochte: „Man kommt morgens herein und everyone grinst.“ Das zeugte von einem gewissen Respekt. Aber selbst dieses Respektding kann nach hinten losgehen. Ich mag es zum Beispiel immer noch nicht, von meinen Lehrern gesiezt zu werden. Zu Beginn der Oberstufe wurden wir oft gefragt, ob uns das lieber sei – aber irgendwie war das stets eine rhetorische Frage, die wir alle mit „nein“ beantworteten. Nur meine Philosophielehrerin zog das Siezen von Anfang an und ohne zu fragen durch und schaffte so eine schreckliche Distanz. Heute beschwert sie sich darüber, dass wir in ihren Stunden zu wenig diskutieren.

Der Harlachinger Lehrer hat seine Schüler bestimmt nicht gesiezt. Das kann ich mir bei einem Mann, der Goethes Gretchen als „geil auf Faust“ bezeichnet und seine Schüler mit „obszönen Fingerbewegungen“ belustigt haben soll, wirklich nicht vorstellen. Eher scheint er seine Vorbildfunktion vergessen zu haben. Wenn dem so ist, sollte man auch mit der Verwendung dieses einen Satzes, „Lehrer sind doch auch nur Menschen“, vorsichtig werden.

Jetzt.de, 22. März 2007

Jetzt aber!

Ist es eigentlich wirklich so, dass die Lebenslinie in der Hand der Länge des eigenen Lebens entspricht und bis zu dem Punkt, den man gerade erlebt, schon ganz krüsselig und abzweigend ist, und was dahinter kommt, ist noch glatt und gerade? Dann habe ich schon knapp die Hälfte meines Lebens hinter mir. Schön, dass ich die Erfahrungen eines Praktikums bei jetzt.de noch zu diesem Leben zählen kann! Und vielleicht schaffe ich es in der zweiten Hälfte ja nochmal dorthin. Hier jedenfalls kommt, genau zwei Monate später, mein Praktikumsbericht. Für alle, die es interessiert, und die Zeit zu lesen haben. Viel Vergnügen!

Jetztheft.pdf (1,37 MB)