Eine Beobachtung, die ich schon vor langer Zeit machen durfte, hat sich in den letzten Wochen immer wieder bestätigt. Sie lautet: In vermeintlich negativen Extremsituationen, Situationen kollektiven Leidens, macht man am leichtesten Bekanntschaften.
Das war zum Beispiel so auf einer meiner Fahrten zwischen München und Essen: Die eine Hälfte des Zuges fehlte einfach, sodass ein großer Haufen Menschen in der anderen Hälfte stehen musste. Ich stand gequetscht mit einem Backpacker-Paar, zwei älteren Männern, einem jungen iPod-Mann und bestimmt noch einer Frau direkt am Eingang und vor der automatischen Tür zum Raucherabteil. Weil wir so viele waren und uns nicht nicht bewegen konnten, ging die gar nicht erst zu. Wir standen da und wussten, wir würden noch lange stehen, wir standen im dumpf-grauen Zigarettenrauch, wir husteten uns die Seele aus dem Leib, wir wussten nicht, wo wir unsere Füße lassen sollten, geschweige denn unser Gepäck. Irgendwann hatte sich das alles arrangiert und einer von den älteren Männern, dessen Kopf bis auf einen grauen Haarkranz ganz kahl war, setzte sich auf die Stufen und begann, eine englische Zeitung zu lesen. Erst versuchte ich auch zu sitzen und er rückte und machte sich ganz schmal, aber da unten zog es sehr und husten musste ich trotzdem. Also stellte ich mich hin, dem anderen Mann gegenüber, und so vergingen keine fünf Minuten bis zu der Frage: „Bis wo müssen Sie denn noch?“ (das „..stehen..“ vor dem Fragezeichen blieb beiderseits gedacht und unausgesprochen). So lernte ich einen netten Mann kennen, der für eine Telefongesellschaft zwischen Nürnberg und München pendelte und mit mir gemeinsam einen Artikel über Pippi Langstrumpf las in einer fremden Zeitung, die wir von oben einsehen konnten. Als er in Nürnberg ausstieg, stiegen mit ihm auch all die aus, die nach Mainz oder Frankfurt mussten. Für sie fuhr ein Ersatzzug, und so bekamen alle übrigen einen Platz. Von da an sprach ich mit niemandem mehr, auch nicht mit meinem Sitznachbarn. Denn bloß, weil man nebeneinander sitzt, muss man sich noch lang nicht unterhalten.
Es gibt viele weitere dieser Situationen: Wenn an einem verregneten Morgen der Bus nicht kommen will und der bisher unbekannte Mitschüler einem einen Platz unter seinem Schirm anbietet. Wenn jemand in der elendig langen Schlange an der Supermarktkasse mit Kreditkarte bezahlen möchte, und die nicht gelesen werden kann – auch nicht beim vierten Versuch. Wenn der Strom ausfällt und der Nachbar keine Streichhölzer mehr hat. Ich mag diese Momente, denn man vergisst das Schlimme über etwas Gutes, Überraschendes, Ungewöhnliches, das einem nun mal nur dann passiert. Andererseits: Am schönsten wäre doch, wenn das auch ohne Strom- und Zugausfälle möglich wäre.


Ja.
ich lernte auch einen netten älteren mann kennen
dreimal darfst du raten wo? natürlich beim arzt . er hat das erste mal eine antiallergiespritze gekriegt und war entsetzt über die kühle des kühlkissens! da ich auch unter dem selben kühlkissensyndrom litt verstand man sich sehr gut!
die nächsten male traf man sich wieder und ein nettes lächeln oder ein paar schelmische(schönes wort) worte wurden getauscht……leider seh ich ihn nicht mehr hat wohl den termin gewechselt. schade……
Ich habe auf einer Zugreise eine Gruppe junger Leute kennengelernt. Da fehlte auch ein ganzer Waggon und wir mussten alle stehen, also habe ich mit ihnen das Vorräumchen zwischen zwei Wagen geteilt – zu neunt! Ich war auf dem Weg von Frankfurt nach Esbjjerg, sie wollten nach Köln-Bonn, um von dort aus nach Ibiza zu fliegen, dementsprechend waren sie auch drauf.