4. Preis beim Wettbewerb klarer kopf, zusammen mit Roman
Das Making of zum Spot gibt es hier!
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Ich esse Chinesisch zu Audrey Hepburn und halte mir die Augen zu, wenn die Mafia kommt. 6,6 MB
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Christowski über “Mathilde” – auch mit einer Audrey! Diese Parallelen!!
Eine Beobachtung, die ich schon vor langer Zeit machen durfte, hat sich in den letzten Wochen immer wieder bestätigt. Sie lautet: In vermeintlich negativen Extremsituationen, Situationen kollektiven Leidens, macht man am leichtesten Bekanntschaften.
Das war zum Beispiel so auf einer meiner Fahrten zwischen München und Essen: Die eine Hälfte des Zuges fehlte einfach, sodass ein großer Haufen Menschen in der anderen Hälfte stehen musste. Ich stand gequetscht mit einem Backpacker-Paar, zwei älteren Männern, einem jungen iPod-Mann und bestimmt noch einer Frau direkt am Eingang und vor der automatischen Tür zum Raucherabteil. Weil wir so viele waren und uns nicht nicht bewegen konnten, ging die gar nicht erst zu. Wir standen da und wussten, wir würden noch lange stehen, wir standen im dumpf-grauen Zigarettenrauch, wir husteten uns die Seele aus dem Leib, wir wussten nicht, wo wir unsere Füße lassen sollten, geschweige denn unser Gepäck. Irgendwann hatte sich das alles arrangiert und einer von den älteren Männern, dessen Kopf bis auf einen grauen Haarkranz ganz kahl war, setzte sich auf die Stufen und begann, eine englische Zeitung zu lesen. Erst versuchte ich auch zu sitzen und er rückte und machte sich ganz schmal, aber da unten zog es sehr und husten musste ich trotzdem. Also stellte ich mich hin, dem anderen Mann gegenüber, und so vergingen keine fünf Minuten bis zu der Frage: „Bis wo müssen Sie denn noch?“ (das „..stehen..“ vor dem Fragezeichen blieb beiderseits gedacht und unausgesprochen). So lernte ich einen netten Mann kennen, der für eine Telefongesellschaft zwischen Nürnberg und München pendelte und mit mir gemeinsam einen Artikel über Pippi Langstrumpf las in einer fremden Zeitung, die wir von oben einsehen konnten. Als er in Nürnberg ausstieg, stiegen mit ihm auch all die aus, die nach Mainz oder Frankfurt mussten. Für sie fuhr ein Ersatzzug, und so bekamen alle übrigen einen Platz. Von da an sprach ich mit niemandem mehr, auch nicht mit meinem Sitznachbarn. Denn bloß, weil man nebeneinander sitzt, muss man sich noch lang nicht unterhalten.
Es gibt viele weitere dieser Situationen: Wenn an einem verregneten Morgen der Bus nicht kommen will und der bisher unbekannte Mitschüler einem einen Platz unter seinem Schirm anbietet. Wenn jemand in der elendig langen Schlange an der Supermarktkasse mit Kreditkarte bezahlen möchte, und die nicht gelesen werden kann – auch nicht beim vierten Versuch. Wenn der Strom ausfällt und der Nachbar keine Streichhölzer mehr hat. Ich mag diese Momente, denn man vergisst das Schlimme über etwas Gutes, Überraschendes, Ungewöhnliches, das einem nun mal nur dann passiert. Andererseits: Am schönsten wäre doch, wenn das auch ohne Strom- und Zugausfälle möglich wäre.
Angestrichen:
“In einem brandneuen Einkaufszentrum aus Glas, Stahl und buntem Kunststoff in Magdeburg musste ich feststellen, dass die Deutschen keine Vorstellung davon haben, wer sie eigentlich sind.”
Wo steht das denn:
Im Vorwort von Eric T. Hansens neuem Buch “Planet Germany”, in dem der gebürtige Hawaiianer die typischsten, klischeehaftesten und verrücktesten Eigenschaften der Deutschen unter die Lupe nimmt. So heißen seine Kapitel zum Beispiel “Die Deutschen können zwar den VW-Käfer erfinden, aber keine lustigen Filme über ihn drehen” oder “Die Deutschen sind Patrioten – und wissen es nicht”.
Um diese Aussagen dingfest zu machen, hat er nicht nur umfassend recherchiert, sondern auch unzählige Beispiele gefunden, anhand derer sich der Deutsche schnell wiedererkennt. Warum zum Beispiel kann ein Amerikaner einen VW kaufen und sich immer noch als Amerikaner fühlen, während ein Deutscher sich für einen Verräter hält, kaum dass er in einen Cheeseburger beißt? Nicht zuletzt die ständigen Vergleiche mit den USA sorgen beim Lesen immer wieder für Überraschungen.
Der Autor feuert eine verblüffende Tatsache nach der anderen ab, schlägt wild mit Zahlen um sich und behandelt ganz nebenbei einen Großteil der deutschen Geschichte – ohne, dass es je langweilig wird. Schuld daran sind der feine Humor und das Gespür für jene Dinge, die die Deutschen tatsächlich ausmachen. Letzteres eignete sich Hansen während der zwanzig Jahre an, die er hier inzwischen lebt. Als Mormonenmissionar schickte man ihn einst nach Deutschland. Trotz seines baldigen Austritts aus dieser Gemeinschaft blieb er. Lernte die Sprache, Winnetou und den Feierabend kennen (und lieben), und noch viele andere Dinge, derer sich die Deutschen bis heute gar nicht bewusst sind. Ein weiterer Grund dieses erfrischende Buch zu lesen! Da darf das ein oder andere Argument ruhig weit hergeholt und – ausgerechnet – das Nörgel-Kapitel irgendwie überflüssig sein.
Dafür können wir in der nächsten Diskussion über Amerikanisierung und den Verlust der deutschen Seele zurückschlagen. Unseren Gegnern geben wir dieses Buch über ein Volk, das man nach dem Lesen endlich und völlig überzeugt sein eigenes nennen wird.
Steht im Bücherregal zwischen:
“My dear Krauts” von Roger Boyes und “Wie wir Amerikaner wurden” von Michael Rutschky – denn das hat Hansen immerhin dazu gebracht, dieses Buch zu schreiben.
Planet Germany – Eine Expedition in die Heimat des Hawaii-Toasts von Eric T. Hansen, 286 Seiten, 12,95 Euro ist im Fischer Taschenbuch Verlag erschienen.
jetzt.de, 19. Februar 2007
| Wir gehen auf ein Konzert. | Wir gehen in ein Konzert. |
| Laut. | Leise. |
| Dunkel. | Hell. |
| Die Band hat drei bis sieben Mitglieder. | Die Band hat mindestens 20 Mitglieder und alles doppelt. |
| Man kommt im Fan-T-Shirt. | Man kommt schick. |
| Wir schreien, jubeln und singen mit. | Wehe, wir husten! |
| Ein Stück dauert 5 Minuten. | Ein Stück dauert 15 Minuten. Mindestens. |
| Wir gehen in die Köln Arena. | Wir gehen in die Kölner Philharmonie. |
| Die Band spielt auswendig. | Die Band spielt vom Blatt. |
| Am Schluss ruft die Band „Dankeschön“ und das Publikum bekommt zig Zugaben. | Am Schluss verbeugen sich alle und das Publikum applaudiert ewig und bekommt eine kleine Zugabe. |
Wir waren in der Philharmonie um ein russisches Orchester zu hören, das Mendelssohn Bartholdy spielte. Es war ganz toll. Und überraschend. Von der Musik, die wir im Unterricht gehört hatten oder die manchmal zu Hause ertönt, war ich es gewöhnt, dass klassische Musik mich völlig umwummert, das sie überall ist, so laut, betörend, durch meine Ohren bis tief in mich rein. Aber dann war es ganz leise, zierlich leise, auch an den lautesten Stellen.
In der Mitte standen zwei Flügel, so ineinander geschoben, wie es ihre Form geradezu verlangt, und zum zweiten Stück betraten eine Pianistin und ein Pianist die Bühne, um ein großes Klavierkonzert zu spielen. Wir saßen der Pianistin gegenüber und konnten genau ihre herrliche Gestik und Mimik beobachten. Ich mag, wenn jemand so musiziert, weil man dann merkt, dass er das Stück sehr für sich interpretiert hat. Der Höhepunkt waren die Zugaben, die die beiden gaben. So viel wurde applaudiert, dass sie noch drei Mal wieder kamen und kleine Stücke spielten. So unerwartet fröhlich und leichtfüßig, dass es mich umwarf. Sie hörten genau in dem Moment auf, in dem die Gefühle womöglich mit mir durchgegangen wären, und so blieben die Erfüllung und der Abdruck meiner Zähne in den rechten Fingern und das Bild meines Lehrers, der auf der anderen Seite saß und mit glänzenden Augen grinsend dem Pianisten ins Gesicht schaute.
Ich mochte, wie die Bläser zwischendurch ihre Hörner leerten und wie in den kurzen Pausen tausend Menschen gleichzeitig husteten (die anderen tausend räusperten sich nur). Es war lustig, dass hinter den drei Männern mit den Kontrabässen drei Chinesen saßen. Und es war schön, als alle anderen mitten in der Nacht noch zu dieser schrecklichen Fast Food-Kette pilgerten und wir uns heimlich einen Burrito kauften, um uns dann vor den Burgerscheiben glücklich damit in der Nacht zu wiegen.
Kommentiert
Yannic: Herzlichen Glückwunsch! Hat sich in meinen Augen schon auf den JMT 2009 abgezeichnet. War – wie hier schon treffend gesagt – nur eine...
Marco: Ich wusste anfangs garnicht, dass der Film auf einem Buch basiert! Ich fand oder finde den Film wunderschön, er hat alles was ein Hollywood-Drama...
lisa: Eva, das ist ja Wahnsinn. So ein – Glück. Vor allem auch für die Macher, dich gefunden zu haben. Ich wünsche viel Erfolg und bin gespannt! (Du...
Anne: Sehr sehr fein! Freu mich schon auf mehr! Liebe Grüße und noch ein feines Wochenende! Anne