Bald eins vierzig mal zwei Meter

14. Dezember 2006 · 6 Kommentare

Früher habe ich Schlafen nicht sonderlich geschätzt. Es war etwas, das ich nun mal täglich tat, das ich gar tun musste, weil meine Eltern mich ins Bett schickten. Aber es passierte nie etwas Besonderes im Schlaf und eine Nacht war wie die Andere und überhaupt war dieser Abschnitt zwischen 22 und sechs Uhr gar nicht – wirklich. Ich konnte nie verstehen, wenn Schulkameraden (vornehmlich Jungs) sich schon während der mittäglichen Busfahrt nach Hause auf ihr Bett oder Sofa freuten, um sich „erst mal eine halbe Stunde hinzuschmeißen“.

Im letzten Jahr hat sich das geändert. Ich mache noch immer keinen Mittagsschlaf, dafür bleibt keine Zeit, aber gerade deshalb habe ich gelernt, mich aufs Schlafengehen, oder vielmehr auf mein Bett zu freuen. Wenn ich mich abends unter die Decke kuschele und endlich nichts mehr in den Händen habe, sondern höchstens noch mein Löwenkissen in den Armen, dann kann ich zur Ruhe kommen und Gedanken ordnen oder mir welche über Themen machen, die tagsüber nicht zum Zuge kamen.

Früher kam es oft vor, dass irgendwelche kleinen Probleme oder dummen Geschehnisse, im Dunkeln dem Kopf ausgesetzt, riesig groß wurden. Jetzt freue ich mich über den Geruch der so weichen Kissen und Decken, über einfach mal liegen und endlich entspannen. Neben der Nachttischlampe liegt immer ein Stift und oft ein Zettel, weil mir kurz vor dem Einschlafen ständig Dinge einfallen, die ich Morgen erledigen muss, bedenken muss, durchdenken will. Oder weil ich Ideen habe. Mein Bett ist meine Kreativhöhle manchmal, dann komme ich nachts in eine wahre Schreibwut, und alle dreißig Sekunden geht das Licht an und ich halte einen neuen Stichpunkt fest. Oder ich sitze drauf mit dem ein Meter breiten runden Kissen im Rücken und schreibe male lausche lese.

Aber das Beste ist, den Kopf frei zu haben von solchen Gedanken und in die Ecke mit den drei Kissen legen zu können, mich zusammenzurollen und in die Nacht um mich herum fallen zu lassen. Oder Morgens (zu) früh aufzuwachen in genau der Ecke und sich sofort dieser wunderbaren Weichheit bewusst zu werden. Nicht aufstehen wollen. In diesen Momenten fällt einem kein einziger von den Gedanken ein, die man vor wenigen Stunden vergaß aufzuschreiben. Es fällt nur ein, wie schön dieses Bett ist und das Schlafen darin.


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    Bis jetzt 6 Kommentare

    • Spooky Cookie 14. Dezember 2006 um 18:40 Uhr

      Ich habe gerade das dringende Bedürfnis mich in mein Bett zu kuscheln =)

    • Björn 14. Dezember 2006 um 23:06 Uhr

      Kenn ich, geht mir genauso. Leider ist es oft auch so dass ich abends im Bett so viel anfange zu denken, dass ich kaum noch einschlafen kann, und im Bett dann wacher als tagsüber bin. Irgendwie fördert die Stille und die Dunkelheit, also die Abwesenheit ablenkender Dinge bzw. die “Lahmlegung” der meisten Sinne die Aktivität der Denkvorgänge.

    • K.llerteddy 15. Dezember 2006 um 16:07 Uhr

      hach, du sprichst mir aus der seele. ich kann tagsüber nicht schlafen, da hat man, sagte auch schon herr lehmann, immer so komische träume und kapiert dann nichts mehr, wenn man aufwacht. aber wenn ich im bett liege, kurz vor diesen schrecklichen momenten, zwischen dem schlaf und wach, dann fallen mir die tollsten dinge ein. der haken ist nur der, dass ich einschlafe.

    • Eva 15. Dezember 2006 um 16:19 Uhr

      Ja, sowieso, dieser Einschlaf-Moment (), ich würde ihn zu gern mal erinnern können. Ich meine, klar, vor dem Einschlafen ist Müdigkeit, aber gibt es ganz direkt davor so einen “Uuund jetzt schlafe ich”-Gedanken, oder pustet einem der Sandmann noch einmal feste ins Gesicht, oder was passiert? X Menschen berichten davon, wie sie fast gestorben wären und was sie sahen. So etwas muss es doch beim Einschlafen auch geben! Die Vorstellung jedenfalls gefällt mir.

    • roman 15. Dezember 2006 um 18:03 Uhr

      schon zwei jahre eins vierzig mal zwei meter.

    • K.llerteddy 15. Dezember 2006 um 19:53 Uhr

      hm, dieser moment ist, glaube ich, der klarste moment in meinem ganzen leben. in diesem zeitpunkt weiß man genau, was folgen wird und man hat es auch schon im kopf, dass man am nächsten morgen aufwachen wird und sich ärgert. die klarsten momente im leben verschlafen wir menschen nämlich.

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