“Tief in dir drin bist du ein Freak. Du lässt ihn bloß nicht raus.”
Dass es im Kreis der Familie hoch hergehen kann, und das vor allem zu Weihnachten, das weiß man und darüber sind inzwischen unzählige Filme gemacht worden. Einer der schönsten ist „Die Familie Stone“, trotz des grausamen Untertitels der deutschen Version. Und trotz Sarah Jessica Parker! Von und mit der hätte man ja eher einen Quatschfilm erwartet, und manchmal neigen auch die Stones dazu, einer zu werden – aber am Schluss überwiegt doch das Positive.
Es geht um Everett (Dermot Mulroney, den man wegen seiner amerikanischen Oberlippe und Charakterlosigkeit einfach nicht richtig ernst nehmen kann), welcher zum Weihnachtsfest mit der Familie seine Freundin Meredith (Sarah Jessica Parker, die auf gute Weise eine unsympathische Rolle spielt) mitbringt. Sie hat sogleich sämtliche Geschwister, Nichten und Elternteile ihres vermeintlich Zukünftigen gegen sich, weil sie furchtbar steif, prüde und unnatürlich ist.
Während zuerst bloß hinter dem Rücken des Paares gelästert wird, tun sich schnell weitere Probleme im Familienleben auf: Die sterbenskranke Mutter (Diane Keaton! Wie in „Was das Herz begehrt“, nur bissiger), die unglückliche Liebe der jüngsten Tochter, der schwule und noch dazu taube Bruder Thad. Vor allem Letzterer mag ziemlich überzogen klingen, bringt mit der Zeichensprache, in der sich die gesamte Familie unterhält, jedoch ein wunderbares gestalterisches Element ein. Außerdem hakt er mit seinem schwarzen Freund nicht nur sämtliche Integrationsthemen ab, mit denen die Amis sonst Probleme haben, sondern zeichnet auch noch das Bild einer starken Liebe, die stets bloß am Rande der eigentlichen Handlung in Erscheinung tritt.
Es dauert nicht lang bis Meredith zu viel bekommt von den ewigen Sticheleien der Familie. Sie zieht in eine Pension und ruft ihre Schwester Julie (Claire Danes, erinnert ein bisschen an Lena aus „Wie im Himmel“ oder Nina aus „Everwood“) an, die ihr zur Hilfe eilt. Jetzt ist das Durcheinander perfekt und es kommt zu ein paar mehr oder weniger überraschenden Wendungen.
Was den Film so besonders macht, sind zum Einen die tollen Dialoge: Hier wird geflucht, geweint, geschrien und – nicht zuletzt auf Seiten des Zuschauers – viel gelacht. Zum Anderen wären da aber auch die herrlichen Kulissen. Ein typisch amerikanisches, großes Haus, vollgestellt mit Möbeln und allerlei Kram, der den Machern trotz des kurzen Handlungsspielraums von nur drei Tagen die Möglichkeit bot, sämtliche Figuren ausgiebig zu charakterisieren. Diese Möglichkeit wurde genutzt, und das mit viel Liebe zum Detail. Das Haus wird zu einem, in dem man selbst unbedingt wohnen möchte und in das man sich so natürlich besonders gern hineindenkt. Dann steht man inmitten des tollen Ensembles, das so bunt gemischt ist wie eine Wundertüte, und aus dem sich (überraschend) Luke Wilson und (natürlich) Diane Keaton, aber auch Claire Danes und Tyrone Giordano hervortun.
Ein weihnachtlich-gemütlicher Film, den man unbedingt in die Adventszeit einplanen sollte. Er bringt in Stimmung, ohne das Fest an sich in den Mittelpunkt zu stellen. Vielmehr dürfen beinahe alle Schauspieler einen gleich großen Teil der Handlung tragen – bei so vielen Geschichten müsste für jeden etwas dabei sein.




Kommentar schreiben
Schenk mir deine Worte.