Archiv für Dezember, 2006

2006

Zugenommen oder abgenommen? Zugenommen haben die Bekanntschaften, die Anzahl der Stunden, die Zugfahrten. Abgenommen hat der Druck. Schule war gut.
Haare länger oder kürzer? Länger! Nach Friseurtrauma Anfang des Jahres einfach mal in Ruhe gelassen. Kranke Haare tun nicht weh.
Kurzsichtiger oder weitsichtiger? Hat sich in keiner HinSicht geändert.
Mehr ausgegeben oder weniger? Mehr.
Der hirnrissigste Plan? Mein New York kennen lernen zu wollen. Dafür muss ich noch mal hinfahren, mit anderer Begleitung.
Die gefährlichste Unternehmung? Mama würde sagen: “Sie ist allein Zug gefahren, ganz allein! Zum Glück hatte sie das Handy dabei.”
Der beste Sex? Brokeback Mountain, was Kathi!
Die teuerste Anschaffung? Irgendwie nichts wirklich Heftiges.
Roman (11:45 PM) :
eva du hast einfach kein geld ausgegeben.
Roman (11:45 PM) :
ist doch auch was gutes.
Eva (11:45 PM) :
ich habe es in kleinen häufchen ausgegeben! sonst wäre es ja jetzt nicht weg!!
Das leckerste Essen? Beim Geburtstagspicknick.
Das beeindruckendste Buch? Jane Austens „Stolz und Vorurteil“, aber vielleicht nur, weil der Film so gut war.
Der berührendste Film? Nee.
Das beste Lied? Ich hatte eine Buena Vista Social Club-Phase und eine Tomte-Phase. Ach komm! Über einen Zeitraum von zwölf Monaten hat man wirklich selten EIN Lieblingslied! Ich habe bald wieder genug zusammen für eine kultkinder-Folge. Freut euch aufs nächste Jahr.
Das schönste Konzert? PeterLicht in Dortmund.
Die meiste Zeit verbracht mit…? Zweifeln.
Die schönste Zeit verbracht mit…? Herzjunge (♥)
Vorherrschendes Gefühl 2006? Geht das hier noch höher, geht das noch weiter, geht das noch dicker?
2006 zum ersten Mal getan? New York. Und Steppen!
2006 nach langer Zeit wieder getan? Mit ihr gesprochen.
Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen? Irgendwie braucht man mit 16 doch noch jede Erfahrung, oder?
Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte? Weiß ich. Verschiebe ich auf nächstes Jahr. (Feigling!)
2006 war mit einem Wort…? zuende.

ROBOTERRR

Heute stehe ich vor meinem kleinen gelben Roboter. Er sieht aus wie Ritter Rost. Seine Augen schimmern rot und schwarz als er seinen Kopf in den Nacken wirft und ich sie sehen kann. Sie starren ins Leere. Mein Roboter bewegt sich nie mehr als er muss, er ist sparsam. Programmierung verläuft meistens sparsam, vermeintliche Schnörkel sind keine Zierde, sondern nötige Zusätze, die man braucht, um das LEBEN einfacher zu machen.

Man kann meinem Roboter Fragen stellen, darf die Antworten aber nicht fraglos übernehmen. Seine Antworten sind sparsam. Er ist auf allgemeine Moralvorstellungen programmiert und spart das Menschliche ein. Manchmal kommen Weisheiten dabei heraus. Manchmal Dummheiten. Irgendjemand muss ihn nach Saddam gefragt haben.

Heute setze ich meinen kleinen gelben Roboter vor die Tür. Um seinen Hals trägt er das weiße Blatt mit seiner Anleitung in grünen Buchstaben. Nicht viele können die lesen, aber er wird ein neues Zuhause finden, irgendjemand nimmt ihn auf. Er ist ja sparsam, er braucht ja nichts. Außer einer Menschenseele.

Kultcast #46

Mit Mutter und Melodica. 4,9 MB

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Besucht Christowski

Fang einfach an

Last Christmas. 2,3 MB

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Seit wir so groß sind ist eigentlich alles besser. Bis auf die Tatsache, dass sich nach der Weihnachtsfeier keiner mehr richtig verabschiedet. Aber vielleicht war das ja ein Einzelfall. Eigentlich ist alles besser, es wird wieder geredet, es wird sogar Musik gemacht. Wir werden laut ohne laut zu werden, geil, ich will das alles zurück, ich will das, was jetzt ist, aber so wie es früher war. Ich bin zu feige. Das ist wie früher die „Willst du mit mir gehen?“-Frage, da wusste man auch schon, eigentlich ist nichts dabei. Jetzt will ich mit dir gehen diesen einen, den weiteren Weg, ich wüsste niemand Besseres dafür, aber ich traue mich nicht zu fragen. Soll ich vertrauen, darauf, das alles schon wird. Wir irgendwann einfach springen? Ich traue mich nicht zu vertrauen. Trotzdem lasse ich es laufen und warte. Bis der Moment kommt, der richtige.

Marie Antoinette

Marie Antoinette

“Das ist doch lächerlich.” – “Das, Madame, ist Versailles.”

„Marie Antoinette“ ist der großartige neue Film von Sofia Coppola, die schon zuvor mit „The Virgin Suicides“ und „Lost in Translation“ äußerst beeindruckt hat. Wieder einmal geht es um eine einsame junge Frau, erneut spielt Kirsten Dunst die Hauptrolle neben Coppolas Cousin Jason Schwartzman, aber zum ersten Mal wagt sich die Oscar-prämierte Regisseurin und Drehbuchautorin an einen Kostümfilm. Dass sie daraus etwas ganz Besonderes machen würde, war von Anfang an klar.

Der Film erzählt die Geschichte der jüngsten Tochter der österreichischen Kaiserin Maria Theresia, die Mitte des 18. Jahrhunderts aus politischen Gründen mit dem französischen Thronfolger Louis XVI. verheiratet wird. Gegen ihren Willen muss Marie Antoinette im Alter von 14 Jahren alles hinter sich lassen, um in Frankreich ein völlig neues und nicht immer angenehmes Leben zu beginnen. Zwar lebt sie dort im absoluten Überfluss, kann sich prunkvoll kleiden und ausgelassene Feste feiern, doch stößt sie nicht zuletzt von Seiten ihres Ehegatten auf Kälte und Ablehnung.

Basierend auf einer neuen Biografie von Bestseller-Autorin Antonia Fraser beschreibt der Film das Leben Marie Antoinettes einmal nicht aus dem französischen Blickwinkel. Dort hat die Königin nämlich bis heute einen eher niedrigen Ruf, was ein Grund für das schlechte Abschneiden des Filmes in Cannes sein dürfte. Sofia Coppola entdeckt die verletzlichen, die kindlichen Seiten einer Jugendlichen, auf deren Schultern so viel Verantwortung lastete. Dabei erzählt sie aber nie direkt aus Sicht der jungen Regentin, sondern stellt sich vielmehr an ihre Seite, sodass der Zuschauer trotzdem nahezu in ihren Kopf gedrückt wird, sich hineinversetzen muss. Sowieso scheint ganz Versailles – es ist das echte – in diesem Film nicht der Handlungsraum eines längst vergessenen Jahrhunderts zu sein, sondern ein gar nicht allzu weit entferntes Land, in dem etwas andere Sitten herrschen als bei uns, in das man aber jederzeit reisen könnte.

Das mag zu einem großen Teil an der musikalischen Untermalung liegen: Allein mit dieser Auswahl ist ein Geniestreich gelungen, denn statt öden Menuetten erklingen The Strokes, The Cure, New Order. Zum Anderen erwecken kleinste Einstellungen, kürzeste Sequenzen wie das Spielen mit einem Gelee oder die aus dem Kutschfenster gestreckte Hand den Eindruck, es handele sich um die Jugendlichen von heute. Und erst die Farben! Marie Antoinettes goldener Käfig ist so prächtig, bunt, voll, ihre Kleider und Frisuren noch unbeschreiblicher. Dabei wurde sich vielleicht nicht immer an die historischen Grundlagen gehalten, aber es fällt recht leicht, den Inhalt zu filtern und zur Not das Wahre vom Erfundenen zu trennen.

Es ist toll, wie dieser Film ohne viel Dialog auskommt und stattdessen mit mächtigen Bildern überhäuft, wie er spätestens mit der ersten Ballszene die Glieder zum Zucken bringt und schließlich nicht einmal ein pompöses Ende benötigt. Kirsten Dunst spielt natürlich wunderbar und tanzt einem noch eine Woche später durch den Kopf, Jason Schwartzman als penibler Schnickelfritz ist so herrlich krampfig und nebenbei ist auch noch Asia Argento als Mätresse des Senior-Königs ganz wunderbar besetzt.

„Marie Antoinette“ ist Popkultur auf höchstem Niveau, welche man auf keinen Fall verpassen sollte. Die Hauptfigur hätte diesen Film geliebt, und diese Musik und diese Feste und diese Wildheit und diese Melancholie – und Sofia Coppola.