Einwegbrief

Ich wünschte, ich hätte die Worte. Die, die sich in meinem Kopf jagen und um den Verstand bringen. Oder welche, die sich wie Pflaster auf deine Wunden legen. Aber sie fehlen. Zum ersten Mal seit langer Zeit.

Du warst so oft krank, irgend etwas war in deinem Kopf oder deinem Bauch, und während dein Stuhl neben mir leer war, war mein Bauch voller Sorge. Den Stuhl konnte ich notdürftig füllen mit einem Rucksack, ein paar Büchern, aber der Bauch blieb leer wegen all der fehlenden Antworten. Natürlich musstest du sie nicht geben, und das musst du noch immer nicht und nie. Ich war wohl oft zu scheu zu fragen, war das ein Fehler?

Vielleicht willst du nicht reden und nicht denken. Vielleicht willst du Zerstreuung und Ablenkung. Vielleicht doch andersrum.

Zugegeben, ich kann mich kaum hineinversetzen in dich in dieser Lage. Aber ich wünschte, ich könnte irgendwas für dich tun und dafür, dass es dir gut geht. Du sollst wissen, dass du mir ein wertvoller Freund bist. Als neulich die Kurslisten herauskamen und ich unsere beiden verglich, freute ich mich schon darauf, in Erdkunde und Musik vielleicht neben dir zu sitzen und das letzte Jahr weiterzuleben mit dir. Du sollst wissen, dass ich immer für dich da war und bin.

Wenn ich irgend etwas tun kann für dich, gib mir ein Zeichen.

Eva

Lass dich fallen, wir fangen dich auf.
Gib uns nur die Chance dazu.

Neulich diesem Projekt beigesteuert, weil es doch noch raus musste, irgendwie.

3 Kommentare

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  1. Robert Alms sagt:

    Irgendwie haben Briefe etwas ansich, was elektronische Post nicht hat. Man nimmt sich immer so viel Zeit für einen Brief, aber für eine E-Mail nicht. Einen schönen Brief holt man immer wieder hervor um ihn immer und immer wieder zu lesen, man findet vielleicht noch ein paar Spuren von Tränen und man erinnert sich an den moment und fängt irgendwie wieder an…

    Du hast einen sehr schönen Schreibstil, dies musste mal gesagt werden ;)

  2. roman sagt:

    (undwiderruflich krallt sich die tinte in dein papier und bestimmt, was du mit deinem leser machst.)

  3. Herr John sagt:

    … meinereiner muss schauen welch Kopf sich da dem Projekt hinzugefügt hat. Und ich habe auch etwas gefunden: [Wenn ich im Dunkeln fahr, sprüht mein Fahrrad Funken. ] – dieser Satz weckt aber Prosa in meinem Kopf, absolut wunderbar.

    Lieben gruss vom Wollweber
    Herr John

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