Archiv für September, 2006

Ich habe Angst vor Beerdigungen

Neulich, als jemand gestorben war, bat meine Mutter mich mehrmals, sie zu der Beerdigung zu begleiten. Aber ich weigerte mich, ohne Angabe bestimmter Gründe. Mein Bauch wollte nicht. Ich mochte diese verstorbene Person und es tat mir wirklich Leid, dass sie tot war. Aber niemals würde ich zu dieser, zu einer Beerdigung gehen.

Ich mag die Idee nicht von diesem programmierten Traurigsein um 10.30 oder 11.00 oder 14.00 oder wann auch immer so etwas stattfindet. Wenn alle sich treffen um gemeinsam einer Person zu gedenken, dann klingt das noch ganz schön, keine Frage. Aber wenn zuvor überlegt werden muss, was man anzieht, wenn der Besuch der Messe nebenbei als gesellschaftlich wichtig angesehen wird und es eine Zeremonie ist wie bei jedem anderen Verstorbenen, dann stößt mich das ab. Das Schlimmste ist dieses Kaffeetrinken im Anschluss. Eben noch waren alle schrecklich traurig, aber jetzt wird geschwatzt, werden Schnittchen gegessen. Schnittchen! Allein dieses Wort! Es klingt so alt und schlapp und farblos.

Warum muss man im Falle eines Todes in Gesellschaft erinnern und fühlen, ist das nicht viel besser, wenn man es allein tut? Auf eigene Weise und ohne vorgegebenen Zeitraum, ohne dass jemand dazwischenpredigt und ohne denken zu müssen, “ist es schlimm, wenn ich jetzt weine?” Oder eben auch: “Ist es schlimm, wenn ich jetzt nicht weine?”

Mag sein, dass ich irgendwann mal jemanden feiere, nachdem er gestorben ist. Aber sicher nicht in der Kirche, sicher nicht in schwarz. Und sicher nicht mit Schnittchen.

The Subways

You are so Rock and Roll!

“You are so Rock and Roll!”

Wenn diese Band die Bühne betritt, ist der allererste Eindruck: “Mensch, sind die jung!” Und gleich darauf der zweite: „Mensch, ist die wild!“ Denn die Sängerin, Freundin, Fast-Schwägerin der Band, Charlotte, wirbelt über die Bühne in großen Sprüngen und zu schnell für meine Augen. Sie schmeißt ihre Haare durch die Luft und ihre Füße hinterher, und irgendwie schafft sie es zwischendurch, den größten Rock in ihren Bass zu hämmern – während ihr eigener ziemlich kurz ist.

Wenn sie da herstürmt, bekommt man kaum noch mit, dass der Schlagzeuger, Bruder, Fast-Schwager der Band, Josh, sich auszieht. Oder dass Gitarrist, Freund und Bruder der Band, Billy, eine andere, neuere, bessere Stimme hat und seine Instrumente gern mal blind nach hinten in die Arme seines Roadies wirft. Was den Raum beherrscht sind laute, raue Klänge, zu denen man unbedingt und hoch springen wollte, wären sie nur langsamer. So wird der Fuß nach einigem Wippen müde, Augen und Ohren aber bleiben hellwach und verfolgen, genießen, erfreuen sich.

Der schönste Moment ist der des Sängers, wenn er seine Freundin wenige Sekunden in den Schatten stellt und an der Spitze der Bühne eine Ekstase, eine Passion zu spüren scheint, die ihn dazu bestimmt, das ewig weiterzumachen. Im nächsten Moment springt er.

Kultcast #36

5 Milliarden brauchen Energie. Oder? 5,3 MB

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fluter

Schüler und Chef

“Der roch aber ganz schön.”
“Nach Alk?”
“Nach Alt.”

Jahreszeitliche Wortwechselei

Noch wehrt sich die Welt gegen den Winter, mit aller Kraft

sammeln wir die Blätter ein, die schon fielen, die die Welt bunter machen, aber das traurige Ende eines Sommers einleiten.

Und bald werden wir morgens die Nase in die kalte Novemberluft strecken. Wir werden mutig der Zeit ins Gesicht blicken, während die Sonne sich kaum traut uns wenigstens einmal für ein paar Sekunden entgegenzublinzeln.

Dann blinzeln wir, entdecken in den Atemwolken die Wintergesichter unserer Menschen, die jetzt so viel ernster und ehrlicher sind. Die jetzt glauben und zuhören,

und jeder Minute eine fast verhöhnende Wichtigkeit beimessen. Und in unserem Gegenüber entdecken wir seltsamer Weise nur,

was man früher oder später im jedem erkennt: Eine Art und Weise von Freundlichkeit, die dann doch sympathisch ist. Aber dieses Gefühl verfliegt so schnell wie unser Atem, mit dem nächsten Moment, dem nächsten Tag, dem nächsten Sommer. Dann

ist er wieder da: der Winter zwischen uns.

Im Wechsel mit Kathi, die wunderbar begann und noch toller endete.