MonsterMörderPunk

10. August 2006 · Kein Kommentar

Da das Lesen von Büchern zum Ende des letzten Schuljahres hin ziemlich kurz kam, nahm ich mir folgendes vor: Jeder Woche deiner Ferien, Eva, widmest du ein Buch. Und voila! Hier sind die ersten drei Wochen.

Ferienbücher, 1. Teil

Im achtzehnten Jahrhundert lebte in Frankreich ein Mann, der zu den genialsten und abscheulichsten Gestalten dieser an genialen und abscheulichen Gestalten nicht armen Epoche gehörte.
Für Patrick Süßkinds „Parfüm“ wurde es jetzt einfach mal Zeit, wo momentan jeder davon schwärmt und noch dazu bald die – allem Anschein nach hochkarätige – Verfilmung in die Kinos kommt. Auf diese bin ich nun auch sehr gespannt, da viele Szenen und Umstände als nur sehr kompliziert verfilmbar anmuten. Die Geschichte spielt im stinkenden Frankreich des 18. Jahrhunderts. Es geht um Grenouille, einen armen und hässlichen Jungen mit der besten Nase der Welt, der später zu einem grausamen Mörder wird. Den Inhalt umfassender zu beschreiben, würde den Platz sprengen, den ich mir hier vorgeschrieben habe. Stattdessen muss ich erwähnen, dass die Idee dieses Buches unglaublich ist und brillant, und dass sie von einem Mann umgesetzt wurde, der sein Handwerk wirklich versteht. Für dieses Buch wurde sehr gut recherchiert, sehr gut fantasiert und sehr, sehr gut formuliert. Statt einer Zuneigung für den Protagonisten werden Gefühle heraufbeschworen, die von Unverständnis und Staunen über Verzweiflung bis hin zu Angst reichen. Am Schluss bleibt diese merkwürdig-makabere Mischung aus Schadenfreude, Zufriedenheit und Grauen. Und eine Gänsehaut.

Das Monster war zurückgekehrt.
„Rückkehr nach River’s End“ von Nora Roberts lag etwa zwei Jahrelang irgendwo unten in dem Bücherstapel neben meinem Bett und ich konnte mich einfach nicht aufraffen es zu lesen. Es war ein Geburtstagsgeschenk meiner Tante, das mich aber so gar nicht ansprach. Als ich es jetzt herauskramte, wurde es zu einem Erlebnis, von dem ich mir wünschte, dass mich die Figuren und diese Welt noch viel länger als 470 Seiten begleiten würden. Es geht um Livyy, Tochter eines Schauspielerpaares, die im Alter von vier Jahren den Mord an ihrer Mutter beobachtet. Ihr Vater landet als der Mörder im Gefängnis, und nach mehreren Zeitsprüngen wird das, was als Psycho-Thriller angefangen hat, zu einer fast idyllischen Liebesgeschichte. Der Sohn des damals zuständigen Cops, Noah, verliebt sich in die inzwischen 24jährige Livyy. Sie ist wie unter einer Glasglocke bei ihren Großeltern aufgewachsen, die ein Gästehaus in einem Naturschutzgebiet betreiben. Als Noah ein Buch über den grausamen Mord schreiben will, begegnet sie ihm wieder – und nicht viel später auch ihrem grausamen Vater. Abwechselnd spannend und gemütlich, mit ausgeprägten Charakteren, wurde mir dieses Buch höchstens mal ein bisschen zu porno, im letzten Drittel. Ansonsten aber ziemlich gut und das vor allem ziemlich unerwartet, weil Nora Roberts mit inzwischen über 100 Romanen nun mal doch eine von diesen amerikanischen Fließbandautorinnen ist. Aber vielleicht ist meine Begeisterung auch einfach damit zu begründen, dass ich lange keine intensive Geschichte mehr gelesen hatte.

Es ist der beste Job in ganz England und ich werde ihn nicht kriegen.
„Ballroom Blitz“, benannt nach dem gleichnamigen Song von The Sweet, unterscheidet sich, grob gesehen, in lediglich drei Punkten von Nick Hornbys „High Fidelity“: Wir befinden uns noch zwanzig weitere Jahre vorher, gegen Ende der Siebziger, die Hauptperson ist weiblich, und sie arbeitet statt in einem Plattenladen in der Redaktion eines Musikmagazins. Auch sie hat einen Ex-Freund, der einfach nichts von Musik versteht und mit dem zu Beginn des Buches Schluss ist. Daraufhin zieht Linda nach London um dort als Musikjournalistin mit schrulligen Kollegen und in schrulligen Klamotten Kreuzworträtsel zu basteln und sich in einen beziehungsscheuen (und natürlich völlig durchgeknallten) Fotografen zu vergucken. Das alles und noch viel mehr auf gut 380 Seiten, diese natürlich durchzogen von Song- und Bandlisten, wie man es von Hornby kennt. Nur hat Autorin Jessica Adams bisher nicht den Fehler gemacht, ihre vielleicht beachtenswerte Bibliographie mit einem Buch namens „31 Songs“ anreichern zu wollen, das ausschließlich von Liedern handelt, die ihr Leben verändert haben. Verfilmen lassen könnte sie „Ballroom Blitz“ aber trotzdem gern. Damit ich mir endlich eine Vorstellung von diesen Frisuren machen kann.


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