Flug 93

Flug 93

“Hi mom, its me… this really kind woman handed me the phone and told me to call you.”

Am Anfang von „Flug 93“ sieht man vier Terroristen betend in ihren Hotelzimmern. Dann, wie sie und vierzig weitere Passagiere in den Flug United Airlines 93 einchecken, der am 11. September eine halbe Stunde Verspätung hat. Aus diesem Grund werden die Passagiere des entführten Flugzeuges später, in der Luft, per Telefon erfahren, dass bereits zwei weitere Flieger ins World Trade Center geflogen sind. Deshalb werden sie sich zusammenschließen und rebellieren gegen die Männer, die einen Anschlag auf das Pentagon in Washington D.C. planen.

Doch im ersten Teil des Filmes spielt sich gar nicht allzu viel im Flugzeug ab. Vielmehr wird hin und her gesprungen zwischen den einzelnen Kontrollzentren am Boden: Zuerst lernt der Zuschauer die alltägliche Routine kennen, dann verfolgt er von dort die Anschläge auf das World Trade Center und wie fassungslos sämtliche Angestellten reagieren. Es wird hektisch herumtelefoniert, kein Zuständiger gefunden, ständig ein weiterer entführter Flug entdeckt.

Erst nach einer guten Stunde wird der Schwerpunkt des Films auf das Flugzeug selbst, auf Flug 93, verlagert. Durch zwischenzeitliche Schnitte sind neben den Terroristen auch die Passagiere bekannt, jetzt beginnen sie zu handeln: Nachdem die Entführer mehrere Menschen niedergestochen und das Cockpit übernommen haben, sitzen sie geschockt und verängstigt vor einem Terroristen, der sich eine Bombe um den Bauch geschnallt hat, den Finger immer am Drücker. Und doch trauen sie sich irgendwann miteinander zu reden, und zwischen Anrufen Zuhause und Gebeten zu Gott schmieden sie einen Plan.

Dieser Film über den einzigen entführten Flug, der am 11. September nicht sein Ziel erreichte, wurde von dem irischen Regisseur Paul Greengrass („Die Bourne Verschwörung“) bewusst nicht mit berühmten Schauspielern besetzt. Vielmehr achtete er beim Casting auf Ähnlichkeit zu den tatsächlichen Opfern, auf Flugerfahrung und Improvisationsfähigkeiten. Die Flugzeugcrew besteht aus echten Stewardessen und Piloten, und in den Kontrollzentren am Boden werden sogar Zeitzeugen eingesetzt, die sich selbst spielen. Ein Großteil der Dialoge in „Flug 93“ wurde von den Darstellern improvisiert, um die Handlung möglichst authentisch zu halten. Dazu trägt auch der durchgehende Handkamera-Stil bei, der dem Zuschauer nicht nur im Flugzeug, sondern auch in den Kontrollzentren das Gefühl vermittelt, mitten drin zu stehen.

Manch einer mag behaupten, es sei zu früh für eine Aufarbeitung des 11. Septembers, oder, dass hier das einzige Motiv Geldmacherei sei. Ganz widersprechen mag man diesen Argumenten nicht, auch wenn Greengrass bewusst nicht auf die Tränendrüse drückt, sondern einen perfekt komponiertes, erschütterndes Drama abliefert. Allerdings sprechen die ausgezeichnete Recherche und das viele Herzblut, dass offensichtlich in dieses Projekt gesteckt wurde, doch dagegen.

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