Ich bin jetzt gedruckt in der Neon. Meine Karriere geht steil bergauf.
- Vonwegen.
Vom 22. Januar bis 2. Februar 2007 werde ich ein Praktikum machen. Die Schule schreibt das vor. Es darf nicht im väterlichen oder mütterlichen Betrieb sein, Fahrtkosten für einen Platz im Umkreis von 25 km werden übernommen. Für einen Nahrungsmittelbetrieb muss man sich zuvor einer gesundheitsärztlichen Belehrung unterziehen. Ein Auslandspraktikum ist im Einzelfall möglich.
Ich gehe nicht zu Papa, ich gehe weit weg. Aber nicht ins Ausland, denn ich brauche meine Sprache. Und mit Essen werde ich höchstens in einer Kantine in Berührung kommen, oder aber an einer Kaffeemaschine (ich bete, dass nicht). Ich will in eine Redaktion. Darum muss man sich sehr früh kümmern, weil: Alle wollen in eine Redaktion. Alle beschweren sich über die bösen Journalisten, trotzdem glauben alle, was in der Zeitung steht. (Das ist, nebenbei, eines der größten Rätsel des Journalismus. Sagt Jan-Martin Wiarda.) Und trotzdem strömen alle in diesen Beruf.
Für die Anrufe öffne ich ein Word-Dokument und schreibe die tollsten Redaktionen auf. Dann sammle ich die Telefonnummern. Neon steht ganz oben in der Praktikumswunschliste. Aber Neon sagt, das ist doch langweilig hier, so langsam. Man würde in zwei Wochen ja nicht einmal eine ganze Produktion mitbekommen. Praktika nur ab drei Monaten. Jan-Martin Wiarda sagt, alles, was länger ist als zwei Monate, hat gleich diesen Ausbeutungs-Geruch. Den Kaffee-Geruch. In der Medienbranche dauern Praktika fast durchschnittlich drei Monate. Die Medienbranche hat den Begriff „Generation Praktikum“ geprägt. Weil sie die Studenten herumreicht. Aber auch nur die.
Als Schüler bei einer großen Zeitung oder Zeitschrift unterzukommen, scheint fast unmöglich. Aus Glauben an die gute Sache rufe ich trotzdem bei allen an. Welt, FAZ, Süddeutsche, Bild. Man macht das grundsätzlich nicht mehr. Spiegel, Focus, Stern. Das Gleiche. „Bei Schöner Wohnen kann man allerdings eins machen.“ Da habe ich schon längst bei Frau Kuttner in der Redaktion angerufen. Sie sind sehr nett dort. Wissen nicht genau bescheid, rufen aber noch am gleichen Abend zurück: Nein, sorry. Ich drücke Strg+A und färbe alles rot.
Dann: Die V.i.s.d.P., da geht was. „Was, so früh meldest du dich?“ Und die Musikmagazine sind grundsätzlich offen. Céline war bei der Spex, unclesally*s empfängt auch mit offenen Armen, und der Visions sollte man einfach mal eine Mail schreiben. Morgen noch ein Anruf beim WDR. Da wird grundsätzlich nur für Eins Live oder die Sendung mit der Maus vergeben. Mit Sonderwünschen wie „Zimmer frei!“ oder „Wissen macht Ah!“ soll man sich ab Dienstag an Frau K. wenden. Ich habe ihre Nummer und färbe sie blau. Die Online-Redaktionen, jetzt.de und zuender, die sagen übrigens erst „hmm, dann versuch es einfach mal“, wenn man erwähnt, dass man schon ein Praktikum in der Online-Redaktion des Handelsblattes gemacht haben wird. Das wirkt bei Neon aber auch nicht, beim zweiten Versuch.
Irgendwann schaue ich da trotzdem mal vorbei. Das habe ich mir fest vorgenommen.
P.S.: Sollte jetzt tatsächlich jemand unter meinen geschätzt-geliebten Lesern einen Überschuss an Vitamin B haben – meine E-Mailadresse lautet post@hurra-blog.de. Ich verschenke Buttons und Schokokekse. (Und Paniniaufkleber!)


Ich weiß, dass die Regionalausgaben der Bild immer mal wider Schülerpraktikanten nehmen (in Hamburg hab ichs zum Beispiel erlebt). Man muss halt mögen was die tun… ich war mal da für ein paar Monate und ein guter Einblick ist es allemal.
es ist auch mit gutem Abi als “nicht Student” so gut wie unmöglich ein Praktikum (Zeitraum irrelevant) zu erhaschen bei dem man 1. nicht ausbeutet und 2. nicht zu tode gelangweilt wird….
“Wissen macht Ah!” ist toll…
die Bestechunsversuche klingen doch sehr vielversprechend…
Hej, Sebastian, danke für den Tipp, dann werde ich da nochmal nach Nummern suchen..
hmm aber willst du wirklich zur bild zeitung? hmm…
Die Neon liegt auf meinem schreibtisch…hab sie eben gekauft und erst aufgeschlagen als ich das hier gelesen hab ^^ ich könnte dich also in gewisser weise an meine wand hängen ;)
Du musst bloß hartnäckig sein, immer nerven. Ich hätte nie gedacht, dass ich selbst mit Nerven und Telefonterror ein Praktikum in einem großen Unternehmen bekomme – und habe letztendlich bei meteomedia eine ganz tolle Zeit gehabt.
Alles Gute dafür!
Gerade die Bildzeitung ist doch interessant! Da sitzen sehr schlaue Menschen dahinter, und sie machen eine bestimmte Form von Journalismus auf groß, ausgefeilte Weise. Bei aller Kritik – das muss man ihnen lassen. Und dort hinter die Kulissen zu schauen – das wäre schon was.
na gut jaa…was soll ich da noch sagen ;)
Bild der Titel: ‘TODESSCHUß FÜR DEN BRAUNBÄREN!’
Einslive der Dietz: Stäube(ä)r sieht Braunbär als Problembär.
Ich hab vor 2 Jahren auch ein Schulpraktikum machen müssen, rund 20 Bewerbungen an Zeitungen, Verlage etc. abgeschickt und von ca. 6 Antworten war eine positiv (das ist doch schonmal was^^) – hab dann ein Praktikum bei der Netzeitung GmbH gemacht, das war echt super :D
Ich wünsch’ Dir noch viel Erfolg bei deinen Gesprächen!
VIele Grüße, Florian
P.S: BILD hatte ich damals auch geschrieben, kam aber gar nicht erst ‘ne Antwort…
Mich würde ja die SPEX oder die Kutter-Redaktion reizen. BILD auch, eigentlich, is schon interessant. Oder aber der Spiegel, das wär auch was.
Hab noch ein Jahr bis zu nem Praktikum. Du bist in der 9ten, oder? 10te?
Wie wär’s als Regionalkorrespondentin für ein namenhaftes Onlinemagazin aus dem Herzen des Sauerlandes ;-)
Ach ja, und: die nette Dame aus Augsburg, deren text rechts neben deinem steht, die kenn ich! :)
Nun kann ja eigentlich gar nichts mehr schiefgehen mit deiner Karriere!
Schon mal an Tagezeitungen gedacht… da kann man ne Menge lernen und kommt mit relativ wenig Aufwand ran. Klingt vielleicht langweilig – is aber nicht für die Ewigkeit – deine Basiskenntisse dafür aber schon.
http://www.AZet.de
Liebste Eva,
du weißt ja nicht, welche Absagen meiner Bewerbung bei der SPEX vorrausgegangen waren: TAZ, Zeit, NEON, dpa, diverse Journalistenschulen und Lokalzeitungen. Welch wunderbare Entscheidung doch auch die zweite sein kann! Ich wünsche (ein) GLÜCK(liches Händchen) bei Suche und Wahl.
(welch glück über euch weilet, ihr eine zweite auch zu nehmen seit im stande. nicht einmal die erste woltte sich mir bereiten. so nehmet doch und gebet.)
NEON… der Deef von der Gefühlskonserve hat sich schon mal dazu geäußert. Deef über Neon”
Auf meine Frage bekam ich folgende Antwort:
“”Nicht schlecht” ist eine der besten Beschreibungen, die man der NEON geben kann. Sie ist inhaltlich nett und eben nicht so cool und hip wie das Layout glauben machen möchte. Sie setzt keine Trends, ist kein Vorreiter, geht kein Risiko ein…
Aber wollen wir nicht Dinge die Leidenschaft haben, die mehr als nur irgendwie “nett” sind? ”
Mittlweile geb ich ihm recht.
Hallo Eva, ein kleiner Tip für Dein Praktikum … http://www.brandeins.de !
Lass Dich nicht vom Titel “Wirtschaftsmagazin” ablenken,das ist es eben nicht, nicht in diesem Sinne. Lies Dir doch mal die Texte durch, Du wirst in Sachen intelligenter Sprache auf Deine Kosten kommen. Dort ein Praktikum zu machen stelle ich mir sehr interessant vor.
Viele Grüße, Heiko :)
Da siehst du es. Ha! Vom Layout her, eines der besten Magazine. Vom Text her eben auch. Hah!
Also mir gefällt NEON sehr. Ich mag das Layout, ich mag den Schreibstil, die Bilder, die Themen, die mich oft länger beschäftigen oder aus denen ich lerne. Insofern: Davon bringt mich so schnell keiner ab, das Abo geht erstmal bis Dezember – danke Opa.
Und Heiko, hallo, und danke für den Tipp. Dann werde ich doch nochmal anrufen bei brandeins. Roman schärmt schließlich auch schon immer.. Neues dann vielleicht nächste Woche.
:-) Hey Eva, ich persönlich habe nur zwei Zeitungen aboniert, jene, von welchen ich in der heutigen (Presse)Welt sehr viel halte, es gibt ja eine Unmenge an Müll, die brandeins sowie die Visions http://www.visions.de für Freunde guter Musik. Wäre ja ebenfalls eine Möglichkeit, einmal in den “anderen” Redaktionsalltag hineinzuschaun. Ach ja, es gibt soweit ich weiss, Schülerpraktika im Radiosender Fritz. http://www.fritz.de , nachem Dich ja Berlin so begeistert hat. Ich freu mich schon auf Deine neue Folge! schöne Grüße, Heiko
Aus dem Neon-Alter kommt man erst später raus, also hast du noch Zeit ;P
Wer redet hier von abbringen? Muss nicht sein, will ja auch niemand.
Schließlich sind wir ja nicht umsonst stolz auf die Pressefreiheit in diesem Land. Man darf schreiben was man will – lesen aber auch.
In diesem Sinne: Auch das kleingedruckte beachten.
Nachtrag: Ich war als Schülerpraktikantin bei Spiegel Online (mit denen hattets du ja auch kürzlich zu tun). Da geht sowas, fürs nächste Mal.