Ein verschwommener Besucher aus dem Ideenreich

Meine allererste Kamera – ich weiß nicht, wie alt ich war. Vielleicht war ich elf. Ich erbte sie von Oma, wenn es denn überhaupt noch erben ist. Denn sie war nicht vorsätzlich für mich bestimmt, sondern fiel mir einfach irgendwann zu, als ich sie wollte und Papa sie hatte. Sie ist schwarz, ganz schwarz. Minolta. Minolta Lens, f=35mm, 1:3.4, AUTO FLASH. Aber nicht einmal ein Zoom. Sie hat einen silbernen Knopf und eine Klappe, die man manuell zurückschieben muss, bevor man durch den Sucher schaut. Ein Sucher! Ein Sucher durch den man schauen kann, ohne gleich einen Bildschirm mit der Nase zu beschmutzen. Man drückt Letztere lediglich gegen eine Klappe, hinter der sich ein echter Fotofilm verbirgt.

Die Kamera liegt neben mir. Ohne Batterien, die sind kaputtgegangen über all die Zeit, aber mit Film. Und der Film, liegt da mindestens seit zwei Jahren drin. Erfahrungsgemäß gibt das Bilder mit rot-gelb-goldenem Rand oder anderen tollen Effekten. Die Kamera neben mir ist, über die Jahre, zu einer Wundertüte geworden. Obwohl der Film noch leer ist. Aber das soll sich jetzt ändern.

Die Idee ist, jeden Tag ein Bild zu machen. 24 Tage lang. Und zu jedem Bild ein Text. Ob noch am gleichen Tag, oder erst wenn die Bilder entwickelt sind, das kann ich noch nicht entscheiden. Ich kann auch noch nicht entscheiden, was die Bilder zeigen sollen. Immer etwas, das den Tag lenkt, beeinflusst, immer etwas, das Gefühle auslöst oder festhaltenswert erscheint? Oder soll es jeden Tag ein Gesicht sein, oder immer ein Gegenstand? Soll es jeden Tag der gleiche Mülleimer aus der Vogelperspektive sein oder jeden Tag die sterbende Pflanze auf meiner Fensterbank?

Es würde wohl die letzte Reise dieser Kamera. Und wenn ich ganz bald anfinge, würde es zudem mit vielen Reisen meinerseits verbunden und allem sicher einen weiteren bunten Schwung geben. Noch diesen Monat besuche ich nämlich sowohl Berlin als auch München. Und bestimmt einige weitere, spannende Orte. Ich werde Bilder machen. Helft ihr mir zu entscheiden, welche. Und denkt immer an das Risiko: Dass der Film vielleicht schon längst kaputt ist.

7 Kommentare

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  1. Olaf sagt:

    Hmm. Das, was dir als erstes einfällt, wenn du am Ende des Tages an selbigen denkst. Wobei das mit dem fotografieren dann schwierig werden könnten.

    Berlin, Berlin. Wir sprechen uns sicher vorher noch.

  2. -thh sagt:

    Hui, was verschlägt Dich denn nach Berlin und München?

  3. Eva sagt:

    In Berlin finden zwei Workshops statt, Nachwirkungen dieses Wettbewerbs. Und nach München gehts auf Klassenfahrt! Besser gesagt: In ein kleines Dorf, dass eine halbe Autostunde entfernt von München liegt. Wir fahren aber jeden Tag rein.

  4. Toujours-Moi sagt:

    Die Idee finde ich unheimlich spannend!
    Und spannender wird es meiner Meinung nach, wenn es nicht jeden Tag das gleiche Motiv ist, sondern eine bunte Mischung. Das lässt auch mehr Spielraum für die Texte.
    Wenn ich was wünschen dürfte, dannbitte keine Fotos von den Sehenswürdigkeiten im klassischen Sinne.

  5. Kathi sagt:

    Auch sicher toll: Zu ausgewähltem Bildmaterial verschiedenste Wesen schreiben lassen und schauen was passiert. Kabumm.

  6. Eva sagt:

    Hej, die Idee finde ich auch gut! So in der Art sollte man das auch noch mal machen. Heute noch ein erstes Bild, ich bin gespannt – weil ich selbst noch nicht weiß, von was oder wem.

  7. Kathi sagt:

    Vielleicht lässt sich da ja etwas schönes Planen (kleine Einträgereihe bis riesiges Blogprojekt).

    Ich schreib dir mal ein Fax (Mail :p)

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