U-Bahn

Eine Treppe gibt es immer. Da herunter und durch den komplett gefliesten Gang in 70er-Jahre-Farbkombinationen. Gruselig ist es, leer und leise und jeder Schritt mit dumpfen Echo. Aber auch schön, denn es ist ein großer und leerer Ort, den man gut besingen kann. Nach zwei Ecken der Bahnsteig. Auf einmal sind da so viele Menschen, aber es bleibt leise, denn sie rauchen nur oder beobachten. Es ist trotzdem noch gruselig, denn die Schienen kommen aus der tiefen Schwärze und führen in sie zurück. Die U-Bahnstation ist wie eine beleuchtete Insel in der Dunkelheit. Es gibt keinen Tag und keine Nacht, kein Drumrum, nur ein Hier. Wenn die Bahn kommt, verschreckt sie mit zwei strahlenden runden Augenlampen und passt sich mit ihren Geräuschen doch auf eine Weise der Unterweltstille an. Sie hat Fenster, ohne die man sich unsicher fühlen würde, aus denen heraus man aber nur graue Wände sieht. Was ist das für ein Job, so eine Bahn zu fahren. Immer ins Ungewisse und stets ohne Tageslicht, denn am Ende der Schicht ist außerhalb der U-Bahnwelt bereits Nacht.

5 Kommentare

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  1. Christoph sagt:

    Es sind schon einige Leute dran gestorben, die das ganze eher interessant als gruselig fanden. Wegen ‘Durch U-Bahn-Tunnel-Rennen’ und so..
    Bei uns im Kaff gibts jedenfalls / leider keine U-Bahn. Schade, weil ich das Fahren recht angenehm finde. Irgendwie.

  2. Kathi sagt:

    Ich kenn eine Ubahnfahrerin.
    Sabrina, junge Jurastudentin, wir reiten öfter zusammen aus. Gibt eine Menge Geld für einen Studenten. Sie gibt den Job aber auf, sagt sie. Immer unten herum fahren, unfreundliche Fahrgäste und schreckliche Uniformen. Jetzt gibt sie Reitstunden, für ein Drittel des bisherigen Stundenlohns.

  3. Flo sagt:

    Kleine Anmerkung am Rande:
    hier in Berlin ist das Rauchen auf dem Bahnsteig vor Kurzem untersagt und unter Strafe (naja… 15 €uro) gestellt worden. Erst jetzt kann ich U-Bahn-fahren richtig ‘genießen’ :-)

  4. Olaf sagt:

    Graue Wände? Unterschätzte nicht die Grafitti-”Künstler”.
    Aber es gibt natürlich auch U-Bahnlinien (und die mag ich) die sind nicht ganz so untergründig, deshalb wurden ihnen sogar schon Lieder gewidmet:

    Alle vier Minuten kommt die U-Bahn hier vorbei
    und alle dreieinhalb Minuten kommt ein neues Bier
    und ich sage dir das ist ungesund
    Weil es nämlich irreführend und gefährlich ist
    wenn etwas U-Bahn heisst das über unsren Köpfen rattert schließlich steht das U für
    Untergrund
    [...]
    Andrerseits sagst du zurecht dass die Bezeichnung
    Hochbahn auch ganz schlecht ist wenn man erst mal klärt dass dieser Zug kurz nach
    Schöneberg
    in den Abgrund fährt
    Abgrund ist ein gutes Wort für die Beschreibung jenes fortgeschrittenen Verfalls der
    guten Sitten im Bereich des öffentlichen Nahverkehrs
    [...]
    Soll man nun der Sprache wegen diesen Teil der U-Bahn unter Schmerzen in die Erde
    legen
    oder reicht es wenn man kurz vor Schöneberg
    die Linie einfach sperrt
    Sicher gibt das böses Blut doch Sprache ist das wissen wir, dass allerhöchste Gut und
    ohne Klarheit in der Sprache ist der Mensch nur ein Gartenzwerg
    [...]
    Element of Crime – Alle vier Minuten

  5. Toujours-Moi sagt:

    Schöne Sätze. Nachdenkliche Sätze. Dunkle Sätze. U-Bahn-Sätze…

    Ich fand’s toll zu Lesen!

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