„Ich bin gekommen, um zuzuhören.“
Wie schreibt man über einen Film, der derart überwältigt, dass man am liebsten nicht einmal darüber sprechen würde. Ich weiß es nicht, und ich sträube mich auch immer noch, doch gleichzeitig kann ich nicht ohne irgendwo festzuhalten, und ohne irgendwie weiterzugeben. Denn mit diesem Film kann man bekehren und erleuchten, dieser Film trifft jeden, er überzeugt.
Daniel Dareus hatte eine schwere Kindheit in einem kleinen schwedischen Dorf. Schon als kleiner Junge träumte er davon, mit seiner Musik die Herzen aller Menschen öffnen zu können. Wegen seines Andersseins wurde er nur gehänselt, seine Eltern starben beide während seiner Jugend. Bereits mit 15 hatte er einen Künstlernamen und ging in die weite Welt hinaus, um ein berühmter Dirigent zu werden. Doch als er einen Herzinfarkt erleidet, kann er diesen Beruf nicht weiter ausüben. Er kehrt in sein Heimatdorf zurück, um Ruhe zu finden, einfach zu hören.
Ziemlich schnell kommt es so dazu, dass er den kleinen Kirchenchor hört. Und von dem, was er hört „klingt vieles ziemlich schön“. Er ergreift die freie Stelle des örtlichen Kantors und hat zuerst bloß mit dem Misstrauen der Sänger und der Unruhe während der Proben zu kämpfen – sehr bald wird jedoch klar, dass hier jeder eine eigene Geschichte mit ganz persönlichen Problemen hat. Da wäre zum Beispiel die zweifache Mutter und begabte Sängerin Gabriella, die von ihrem trinkenden Mann geschlagen wird. Inger, die Frau des Pastors, die ein Problem mit der Beziehung zu ihrem Mann hat, welcher wiederum den neuen Kantor nicht leiden kann. Oder die wunderschöne, herzliche Lena, die tief in sich drin eine große Traurigkeit verbirgt.
All diese und noch viel mehr verschrobene, liebenswerte schwedische Charaktere, die unterschiedlicher nicht sein könnten, sind hier versammelt und sorgen immer wieder für überraschende, schöne oder verschreckende Momente. Gleichzeitig wachsen alle zusammen, mit jedem Ereignis, aber auch mit jeder kleinen Geste und all den Feinheiten, die so wunderbar in Szene gesetzt und genau beobachtet sind. Es ist ein typisch skandinavischer Film, denn skandinavische Filme haben eine besondere Eigenschaft: Sie sind ehrlich, grundehrlich. Sie zeigen das wahre Leben, die Menschen, wie sie sind. Sie beschönigen nichts, sondern sind der Realität hautnah. Das muss man nicht wissen, nicht kennen. Das fühlt man.
Selten habe ich in Filmen so menschliche Dialoge verfolgen dürfen, selten so charakterisierend-gute Kostüme oder eine so schöne Ausstattung gesehen. Jede einzelne Rolle wächst einem ans Herz, noch dazu, weil jede auf ihre Art einfach unglaublich gut gespielt ist. Man möchte rein in dieses Dorf mit seiner Gemütlichkeit, wo sich jeder duzt und alle Türen offen stehen, rein in diesen Chor, der wild tanzt und spielt und sich findet im eigenen Ton, laut und impulsiv und von ganz tief innen drin.
Dieser Chor, der sich in seinen Dirigenten verliebt, während der auch noch mit sich selbst fertig werden muss, um endlich sein Herz verschenken zu können. Während er Radfahren lernt. Während er andere rettet und umwirft und alles verändert. Es ist ein kleiner Film, wie ein Geheimnis. Man kann ihn in den Händen halten und sie so wärmen. Und das macht ihn riesig groß.
Trotz der vielen Facetten dieses Films, trotz der vielen Geschichten, die er erzählt, trotz der zahlreichen Lehren und Weisheiten, die er enthält, wirkt er doch niemals überladen, sondern vielmehr reich. Er ist eine unglaubliche Bereicherung. Ein Film über Musik, über Religion, über Toleranz. Über das eigene Paradies und die Liebe und das Miteinander. Ein Film, der genau das ist, wonach er benannt ist. Wie im Himmel.



Kommentiert
Yannic: Herzlichen Glückwunsch! Hat sich in meinen Augen schon auf den JMT 2009 abgezeichnet. War – wie hier schon treffend gesagt – nur eine...
Marco: Ich wusste anfangs garnicht, dass der Film auf einem Buch basiert! Ich fand oder finde den Film wunderschön, er hat alles was ein Hollywood-Drama...
lisa: Eva, das ist ja Wahnsinn. So ein – Glück. Vor allem auch für die Macher, dich gefunden zu haben. Ich wünsche viel Erfolg und bin gespannt! (Du...
Anne: Sehr sehr fein! Freu mich schon auf mehr! Liebe Grüße und noch ein feines Wochenende! Anne