Liebe mich, wenn du dich traust

Liebe mich, wenn du dich traust

“Erwachsen zu sein bedeutet, einen Tacho zu haben, der bis 210 geht, aber nie schneller als 60 zu fahren.”

Es gibt einen Film, der auf meiner Liste steht, seit ich ein bestimmtes Bild gesehen habe. Auf diesem Bild ist ein Paar abgebildet, ein sehr schönes Paar, dem man ansieht, dass es sich noch nicht hat. Aber vielleicht nur noch einen Augenblick braucht. Das Bild hat eine gemütliche Kulisse mit alten Autos, es hat gute Muster und Buetons an einer schönen Frau, eine Spieldose und einen Mann in Cord. So ein Bild bewegt mich dazu, den zugehörigen Film unbedingt sehen zu wollen. Er steht also recht weit oben auf der Liste.

Und dann verpasse ich die ersten zehn Minuten. Und das hasse ich. Den Vorspann nicht mitzubekommen. Die ersten Takte, die ersten Worte, entscheidende Momente, einfach das Gefühl nicht mitgegeben zu bekommen, das die Filmemacher mir doch ganz am Anfang einpacken möchten. Hrgh. Auch diese Leute, die wegen zwei drei Einspielern des Verleihs und der Produktionsfirmen ganz am Anfang gleich bis zur zweiten Szene vorspielen, die gehen mir einfach furchtbar auf den Geist. Zum Glück war so jemand nicht dabei, als ich mir „Liebe mich, wenn du dich traust“ anschaute.

Am Anfang eines Textes über einen Film fasst man immer kurz den Inhalt zusammen. Ich bin nicht mehr am Anfang, aber: Lieber spät als nie. Also jetzt schnell: Es geht um Sophie und Julien, die schon als Kinder dickste Freunde waren und im zarten Alter von vielleicht zehn Jahren ein Spiel einführten. Top oder Flop. Der Eine verlangt vom anderen, etwas zu tun, etwas verrücktes, durchgeknalltes. Top, und die Wette gilt. Wird sie eingehalten, bekommt der Gewinner die Spieldose, die im Laufe des Films unzählige Male den Besitzer wechselt. Denn auch, als die beiden Hauptdarsteller längst erwachsen – jedoch kaum weniger hübsch, dafür aber vielleicht ein wenig unsympathischer – sind, wetten sie weiter. Und zwar um richtig harte Sachen. Da muss Sophie mit BH über dem Shirt zur mündlichen Prüfung und Julien soll „nein“ sagen vor dem Traualtar. Und, natürlich, aus der alten Kinderfreundschaft wird eine verrückte, zermürbende Liebe, die sich beide nicht eingestehen wollen. Können. Dürfen. Wer am Ende die Spieldose behält, das verrate ich nicht.

Dieser Film kommt aus Frankreich, eine Tatsache, die sich französische Filmemacher gern anmerken lassen. Finde ich gut. Hier zieht sich zum Beispiel das fabelhafte Lied „La Vie en Rose“ wie ein roter Faden durch die eineinhalb Stunden, und das ist ja wohl ein unglaublich gutes Lied, eines, das man scheinbar über jede zweite Szene legen kann, die überhaupt je auf Zelluloid gedingst wurde. Vor allem die ersten Takte, die allzu gut zu einem Ende oder einer Veränderung passen, einer überraschenden Veränderung, deren Überraschung verflogen ist. „Jeux d’enfants“ ist voll davon.

Außerdem ist er voll von kleinen Details, kleinen Bildern, Hinweisen oder einfach bloß Zierstücken. Und ja, immer wieder kommt einem „Die fabelhafte Welt der Amelie“ in den Kopf und die Idee, dass man hier vielleicht hat aufspringen wollen auf den Erfolgszugs dieses Films – doch das schafft „Jeux d’enfants“ nicht. Dafür ist alles dann doch etwas zu unrealistisch. Kurz vor dem Ende gibt es eine Stelle, da glaubt man, die Regeln dieses Spiels, des Films, endlich verstanden, die Strategie erkannt zu haben – und wird eines Besseren belehrt.

Das Ende ist ein überzogenes, das anscheinend gleich mit noch einer – irgendwie überflüssigen – Szene gut gemacht werden muss, und stiftet so bloß Verwirrung. Mit einem tragischen oder vielleicht auch extrem glücklichen Ende, das vielleicht am Schluss doch noch alles zum Normalen kehrt, wäre der Film sicherlich glaubhafter und kleiner dahergekommen. Doch so bleibt er ein Stück Kino, dem man „Amelie“ jederzeit vorziehen würde.

11 Kommentare

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  1. roman sagt:

    Bilder in deinem Blog gefallen. Mehr, wenn du dich traust. Und den Film, den traue ich mich auch mal.

  2. David sagt:

    irgendwie hab ich schon am bild erkannt das der film fanzösisch ist… ich weiß auch nicht warum

  3. Kristof sagt:

    An den Frisuren vielleicht?

  4. roman sagt:

    an den häusern? an dem nummernschild des autos? ich fand, man konnte es nicht sofort erkennen. hätte auch ein deutscher film sein können. aber auf jeden fall einer aus unserer nähe. amerikaner haben nicht solche schauspieler. zumindest nicht in größeren filmen.

  5. Arne sagt:

    Ich finde auch, man erkennt Frankreich irgendwie sofort. Warum ist mir aber auch nicht ganz klar. Ist es die Frau? Das Photo wirkt auf jeden Fall gut. Ich habe den Film auch gleich auf meine Liste gesetzt:-)

    Arne

  6. Kathi sagt:

    Jajaja, den Film kenne ich auch. Ich habe ihn mal auf einer Daten-Sammel-DVD bekommen, leider in ganz fürchterlicher Bildqualität und trotzdem ganz viele MB gross. Deswegen wohnt er nicht mehr auf meiner Festplatte. Aber ich glaube, diesen Film werde ich mir irgendwie auf DVD aneignen.

  7. Eva sagt:

    Mehr über Filme bei hurra!?

  8. roman sagt:

    Nichts gegen eine Filmkritik ab un zu.

  9. Arne sagt:

    Ja, bitte: Filmkritik ab und zu.

  10. Eine Meinung zu “Closer” wäre ganz interessant. ;)

  11. Anne sagt:

    Ganz schön überzogen die Kritik. Wahrscheinlich hat da jemand den Sinn französischer Filme nicht ganz verstanden!?!?

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