Archiv für März, 2006

“Es ist mir scheißegal, ob wir zusammen sind!!” – “Gut, dann sind wir’s.”

1. Tiefschwarz & Chikinki – Wait & See
Ähh, ja, super. Also, das Lied habe ich geschenkt bekommen von der NEON. Die hatte in ihrer letzten Ausgabe die wunderbare Idee eines „Soundtracks für den Frühling“ umgesetzt, indem sie nicht nur eine komplette Tracklist mit Songbeschreibungen druckte, sondern gleich auch ein vorgedrucktes Cover sowie CD-Aufkleber beilegte. Und: Die ersten vier Songs als Geschenkdownload bei iTunes. Habe ich mir natürlich schenken lassen. Am meisten erfreut war ich dabei über „I Need Some Fine Wine And You, You Need to Be Nicer“ von den Cardigans, ich meine – allein der Titel! Mit Wait & See kann ich allerdings nicht so viel anfangen. Beginnt mit gutem Schlagzeug, aber der Rest ist Elektronik, klingt nach Sirene und einoktavigem Kinderkeyboard. Verstaubt ab jetzt in der neuen „Einkäufe“-Wiedergabeliste.

2. Die Ärzte – Schrei nach Liebe (unplugged)
Hatte ich nicht schon mal ein Lied vom Unpluggedalbum in der Randomaktion? Hatte ich nicht schon mal gesagt, wie wunderbar die Idee für dieses Konzert war, wie grandios es selbst im Fernsehen herüberkam und wie toll es auf der Platte abgemischt ist? So, als spielten sie nur einen Meter vor einem. Aber so breit. Und wusstet ihr, dass das Konzert sechs Stunden gedauert hat? Sie haben wohl ihr halbes Repertoire gespielt. Die Ärzte. Ich erinnere mich an wilde Zeiten.

3. Pinback – Fortress
Eingängiges, typisches Fernsehserienlied. „Die Kamera begleitet ihren jugendlichen Protagonisten eine bestimmte Strecke lang, ohne sonstige Geräusche. Vielleicht knallt er zwischendurch noch mit irgendwem zusammen, geht aber weiter, oder muss etwas umrunden.“ Ihr wisst schon. Aber streicht das jugendlich, mir kommt, wenn ich das durchlese, nur Hugh Grant in „Notting Hill“ in den Sinn, auf dem Weg zu seiner blauen Tür. Tzz. Verwendet wurde Fortress nämlich in O.C. California, glaube ich.

4. Emiliana Torrini – Heartstopper
Ganz wunderbares Lied, die Dame gefunden bei Kathi. Deshalb muss ich mir wohl auch immer das von ihr so gerühmte Café Chaos vorstellen, wenn ich es höre. Dieses Lied ist für mich braun und gold und ocker und beige und komisch terrakottafarben. (Noch toller ist aber „I Hope That I Don’t Fall in Love with You“.)

5. Dean Martin – Volare
Hach. Wir bleiben gleich bei der Kaffeehausatmosphäre. (Kaffeehaus ist ein tolles Wort.) Bei Dean Martin muss man an die alten, schlecht synchronisierten Filme denken, mit Frauen in schwingenden Röcken, die immer an irgendwelchen Seen spielten und in denen oft irgendjemand auf Autodächern tanzte. Singt Mr. Martin die italienischen Teile, kommt noch dazu die wunderbare Stadt Bozen in den Sinn. Hier sind zwischendurch immer diese Feen-Töne drin, wer nicht weiß, was ich meine, vergleicht mit „Singing in The Rain“. Übrigens: Volare heißt Fliegen.

Ein paar schnelle Gedanken über das Beobachten

Der Asiate hinter dem Fenster der Bank, der sich die Hände an der Heizung wärmt. Das kleine Mädchen, gekauert, hinter unter einem Busch. Der Mitschüler am Tisch gegenüber, mitten in der Stunde. Der Mann mit Hut hinter der Zeitung, der gelangweilte Eisverkäufer, der Polizist. Sie haben alle große Augen.

(Auch, wenn du davon ausgehst, dass niemand dich beobachtet) gehe immer davon aus, dass dich jemand beobachtet. Hast du etwa noch nie jemandem zugesehen, der sich unbeobachtet fühlte? Oder jemanden, der heimlich beobachtete? Ist dir noch nie im Nachhinein aufgefallen, dass du beobachtet wurdest? Siehst du.

Deshalb gehe immer davon aus, dass dich jemand beobachtet. Wir haben alle große Augen.

Kultkatze #3

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   Kultkatze #3
(8,28 Minuten | 7,8 MB)

Also, hej, ein wenig mehr Zitate hätte ich dann ja doch erwartet. Nichtmal von Franzi ist bisher eins gekommen! Ich glaube, in Zukunft lasse ich das besser mit den Aktionen, auch wenn schon ein paar sehr Schöne eingegangen sind. Die gibt es sehr bald an dieser Stelle zu hören. Bis dahin viel Spaß mit einer neuen Kultkatze, die vielleicht noch mal beweist, dass man beim Podcasten nicht essen sollte… Andere Hälfte wie immer der wunderbare Herr Roman.
(Komischer podster-Link)

Top 5 der Gründe dafür, dass der Sommer tatsächlich kommt II

Der kalendarische Frühlingsanfang
Dieses Datum und seine Bedeutung zaubert den Menschen ein Lächeln auf die Lippen. Wie oft stand man am Montag so rum, als auf einmal jemand mit heller Stimme rief „Heute ist Frühlingsanfang!“, um dann womöglich noch kleinschrittige Freudentänze aufzuführen? Herrlisch.

Der Regen riecht wieder
Gestern, als wir nachmittags aus der Schule traten, regnete es ein kleines bisschen. So, dass über den ganzen Teerboden gesät überall kleine dunkle Wasserpunkte zu sehen waren. Ich ertappte mich bei dem Satz „Hej, heute Morgen war es doch noch so warm, und jetzt regnet es!“ Minuten später merkte ich aber: Das ist riechender Regen! Dieser typische Regengeruch, zum ersten Mal wieder in der Nase. Wenn Regen riecht, wird Sommer.

Die Bänke wurden herausgeholt
Auf dem Schulhof. Es sind jetzt sechs, grün gestrichen, teilweise blättert die Farbe stark ab, teilweise ist sie erst zwei Jahre alt. Am Donnerstag schafften wir es, gleich vier Bänke gleichzeitig zu besetzen. Eng gequetscht mit den Füßen auf fremden Schößen und Beinen, so sitzt man sich dann gegenüber, bewirft sich mit Apfelstückchen und dreht an Dreadlocks. Wenn man keine eigenen hat, dann auch an fremden. Aber so eine Bank zu bekommen, ist gar nicht so leicht im Sommer, daher -

Erste sitzen auf dem Hof
- setzt man sich eh meistens in Kreisen oder Haufen auf den Hof, Vorteil im Gegensatz zu grünen Bänken: Hier kann man sich auch hinlegen, mit dem Gesicht zu hundert Prozent in der Sonne und auf irgendeinem Bauch. Nur das Frühstück wird dann schwierig – und somit eh zur Nebensache.

Frühlingsgefühle
Um die ging es tatsächlich gestern im Gottesdienst, nachdem Pater Felix bei der Kommunion ein Herz entdeckt hatte. Auf der Fingerspitze eines Mädchens. Er rief dazu auf, sich auch ein Herz zu malen und es jedem zu zeigen. Ich sage: Malt den anderen Herzen. Auf Fingerspitzen, Pulsschlagadern, Nasen, hinter Ohren, wo immer ihr sie euch vorstellen könnt. Zeigt Herz, malt kleine Herzen.

(Die anderen Top 5 sind hier.)

Liebe mich, wenn du dich traust

Liebe mich, wenn du dich traust

“Erwachsen zu sein bedeutet, einen Tacho zu haben, der bis 210 geht, aber nie schneller als 60 zu fahren.”

Es gibt einen Film, der auf meiner Liste steht, seit ich ein bestimmtes Bild gesehen habe. Auf diesem Bild ist ein Paar abgebildet, ein sehr schönes Paar, dem man ansieht, dass es sich noch nicht hat. Aber vielleicht nur noch einen Augenblick braucht. Das Bild hat eine gemütliche Kulisse mit alten Autos, es hat gute Muster und Buetons an einer schönen Frau, eine Spieldose und einen Mann in Cord. So ein Bild bewegt mich dazu, den zugehörigen Film unbedingt sehen zu wollen. Er steht also recht weit oben auf der Liste.

Und dann verpasse ich die ersten zehn Minuten. Und das hasse ich. Den Vorspann nicht mitzubekommen. Die ersten Takte, die ersten Worte, entscheidende Momente, einfach das Gefühl nicht mitgegeben zu bekommen, das die Filmemacher mir doch ganz am Anfang einpacken möchten. Hrgh. Auch diese Leute, die wegen zwei drei Einspielern des Verleihs und der Produktionsfirmen ganz am Anfang gleich bis zur zweiten Szene vorspielen, die gehen mir einfach furchtbar auf den Geist. Zum Glück war so jemand nicht dabei, als ich mir „Liebe mich, wenn du dich traust“ anschaute.

Am Anfang eines Textes über einen Film fasst man immer kurz den Inhalt zusammen. Ich bin nicht mehr am Anfang, aber: Lieber spät als nie. Also jetzt schnell: Es geht um Sophie und Julien, die schon als Kinder dickste Freunde waren und im zarten Alter von vielleicht zehn Jahren ein Spiel einführten. Top oder Flop. Der Eine verlangt vom anderen, etwas zu tun, etwas verrücktes, durchgeknalltes. Top, und die Wette gilt. Wird sie eingehalten, bekommt der Gewinner die Spieldose, die im Laufe des Films unzählige Male den Besitzer wechselt. Denn auch, als die beiden Hauptdarsteller längst erwachsen – jedoch kaum weniger hübsch, dafür aber vielleicht ein wenig unsympathischer – sind, wetten sie weiter. Und zwar um richtig harte Sachen. Da muss Sophie mit BH über dem Shirt zur mündlichen Prüfung und Julien soll „nein“ sagen vor dem Traualtar. Und, natürlich, aus der alten Kinderfreundschaft wird eine verrückte, zermürbende Liebe, die sich beide nicht eingestehen wollen. Können. Dürfen. Wer am Ende die Spieldose behält, das verrate ich nicht.

Dieser Film kommt aus Frankreich, eine Tatsache, die sich französische Filmemacher gern anmerken lassen. Finde ich gut. Hier zieht sich zum Beispiel das fabelhafte Lied „La Vie en Rose“ wie ein roter Faden durch die eineinhalb Stunden, und das ist ja wohl ein unglaublich gutes Lied, eines, das man scheinbar über jede zweite Szene legen kann, die überhaupt je auf Zelluloid gedingst wurde. Vor allem die ersten Takte, die allzu gut zu einem Ende oder einer Veränderung passen, einer überraschenden Veränderung, deren Überraschung verflogen ist. „Jeux d’enfants“ ist voll davon.

Außerdem ist er voll von kleinen Details, kleinen Bildern, Hinweisen oder einfach bloß Zierstücken. Und ja, immer wieder kommt einem „Die fabelhafte Welt der Amelie“ in den Kopf und die Idee, dass man hier vielleicht hat aufspringen wollen auf den Erfolgszugs dieses Films – doch das schafft „Jeux d’enfants“ nicht. Dafür ist alles dann doch etwas zu unrealistisch. Kurz vor dem Ende gibt es eine Stelle, da glaubt man, die Regeln dieses Spiels, des Films, endlich verstanden, die Strategie erkannt zu haben – und wird eines Besseren belehrt.

Das Ende ist ein überzogenes, das anscheinend gleich mit noch einer – irgendwie überflüssigen – Szene gut gemacht werden muss, und stiftet so bloß Verwirrung. Mit einem tragischen oder vielleicht auch extrem glücklichen Ende, das vielleicht am Schluss doch noch alles zum Normalen kehrt, wäre der Film sicherlich glaubhafter und kleiner dahergekommen. Doch so bleibt er ein Stück Kino, dem man „Amelie“ jederzeit vorziehen würde.