Zu einer anderen Zeit war eine Reise in die Ewigkeit.

Albert Einstein hat gesagt, „Zeit ist, was die Uhr anzeigt.“ Seit ein paar Tagen habe ich keine Uhr mehr, keine Zeit. Sie ist abgelegt im Badezimmer und wartet vielleicht darauf, wieder getragen zu werden. Sie muss sich umgewöhnen, war sie doch bis vor kurzem noch mein ständiger Begleiter. Jetzt ist am linken Handgelenk dieser helle, ungebräunte Streifen, ein Sommerüberbleibsel, und in meinem Kopf tickt leise und kaum hörbar eine innere Uhr. Die mich höchstens noch morgens aufwachen und nachts gähnen lässt. Alles andere liegt auf einmal locker in der eigenen Hand, wird viel mehr Bauch. Erst jetzt fällt auf, wie oft der Sitznachbar nach der Zeit fragt oder wie häufig der Blick für gewöhnlich auf die Uhr wanderte, ob genervt, gehetzt oder ungeduldig, gespannt. Die Wanduhr bekommt mehr Aufmerksamkeit, ein kleines Quäntchen, das für sie schon viel wiegt. Welche Stunde ist es überhaupt, und was für ein Zeitraum bleibt. Alles andere wird gefühlt. Aus zehn Minuten Warten werden zwanzig, im Kopf. Aber es fühlt sich trotzdem nicht unangenehm lang, sondern luftig und frei an. Die Uhr liegt derweil oben und ihr gehört die Zeit. Aber mir gehört der Rest.

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  1. Olaf sagt:

    Ich habe mir Armbanduhren vor einiger Zeit abgewöhnt.

  2. Lutz sagt:

    In meinen beiden Armbanduhren versagten Anfang des Sommers die Batterien. Ich war zu faul – ich gebe es zu – um sie zu wechseln oder wechseln zu lassen. Seitdem lebe ich zeitlos. Und das obwohl in meinem Job der äußerst gewissenhafte Umgang mit der Zeit eigentlich eines der wichtigsten Prinzipien ist – das inhaltliche Gestalten und Füllen von Zeit.
    Aber das geht auch ohne den Zeitmesser am Arm – und überhaupt geht es sehr gut.
    Ich habe aber schon länger die angenehme Möglichkeit , meine Arbeitszeit frei einteilen zu können – wovon ich inzwischen auch noch stärker Gebrauch mache.
    Ich habe mich an meine “Zeitlosigkeit” gewöhnt, und der helle Streifen am Handgelenk ist inzwischen verschwunden.
    Ich muss aber sagen, dass ich dennoch nicht ohne eine kleine “Krücke” auskomme. Denn wenn manchmal der Drang, die genaue Zeit wissen zu wollen, unerträglich wird, werfe ich einen Blick auf mein stumm geschaltetes Händie. Und schon weiss ich, was die Stunde geschlagen hat.

  3. Der Korrektor sagt:

    Tach Herr Lutz,

    das Handy bleibt Handy und wird auch heutzutage nicht zum Händie oder zum Händy. Und Du weisst, was die Stunde geschlagen hat? Naja, das stelle ich mir schwierig vor, aber man kann es sicherlich versuchen, auch wenn ich dann blau bevorzugen würde.

    Auch die “neuen” Rechtschreibregeln geben keinen Freifahrtschein zum falsch Schreiben.

    Besten Dank
    Dr. Korrektor, dem die zunehmende Gleichgültigkeit der Rechtschreibung gegenüber gehörig auf den Wecker fällt

  4. Lutz sagt:

    Werter Dr. Korrektor,

    sollten sich in der Eile einige Tippfehler in meinen Beitrag eingeschiclhen haben, dann bitte ich vielmals um Entschuldigung. Ich wollte damit keinesfalls meine Gleichgültigkeit gegenüber der Rechtschreibung demonstrieren – eher das Gegenteil ist der Fall, aber auch ich bin nur ein Mensch.
    Dass Sie sich aber über die Schreibung des Wortes “Händie” derart ärgern, verwundert mich etwas. Schließlich sollte doch inzwischen bekannt sein, dass dieser Begriff keinesfalls aus dem Englischen kommt – wie leider auch der Duden annimmt – sondern aus dem Schwäbischen. “Händie” stellt hier nämlich tatsächlich die Abkürzung der Frage “Hän’ die koi Kaabel?” (im Hochdeutschen soviel wie “Haben diese (Telefone oder Geräte) kein Kabel?”) dar. Zudem ist die von mir gebrauchte Schreibung in meinem Bekannten- und Kollegenkreis durchaus verbreitet.
    Da meine – wie ich finde doch recht kreative – Schreibweise Sie aber doch zu Ärgern scheint, werde ich in Zukunft als Bezeichnung für diese Geräte den Begriff “Mobiltelefone” verwenden.
    Ich hoffe, dass ihnen dieser Kompromiss zusagt.

    Hochachtungsvoll und mit freundlichen Grüßen,
    Lutz

  5. Der Korrektor sagt:

    Hoch geschätzter Lutz,

    dass sich im Eifer des Gefechts ein paar Rechtschreibfehler einschleichen, ist durchaus verständlich. Dennoch gebietet die “Netiquette” (auf http://de.wikipedia.org/wiki/Netiquette angerissen), den geschriebenen Artikel _vor_ dem Absenden erneut durch zu lesen und auf Fehler zu prüfen. Dennoch begrüße ich die Einstellung der Rechtschreibung gegenüber, nur an der konkreten Umsetzung könnte noch etwas gearbeitet werden.

    Naja, beim Ursprung des Wortes “Handy” handelt es sich meiner Kenntnis nach einfach um einen Anglizismus, zu deren Entstehung eher die Angelsachsen als die Sachsen Pate standen.

    Dass die Schreibweise des Wortes “Händie” recht verbreitet sein soll, spielt erst einmal keine große Rolle. Auch wenn viele einen Fehler begehen, bleibt es ein Fehler. Bei der Rechtschreibung wird allerdings in der Regel so verfahren, dass, wenn der Fehler überwiegend zu finden ist, das Wort als korrekt in den Duden aufgenommen wird. Und wie meine Deutschlehrerin zwar zu stark verallgemeinert, aber im Grunde dennoch korrekt, meinte: “Richtig ist, was im Duden steht”.

    Aber auf den Kompromiss lasse ich mich gerne ein. Ich bin zwar prinzipiell kein Gegner von Anglizismen, habe aber — solange es nicht unsagbare Formen annimmt — nichts gegen deutsche Synonyme.

    In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und mir noch viele weitere schöne Postings. Sowohl von Ihnen, als auch von der eigentlichen Protagonistin.

    Mit respektvollen Grüßen
    Ihr Dr. Korrektor

    P.S.: :-)

  6. Eva sagt:

    Ihr Lieben!
    Das ist ja sehr toll. Kein bisschen Kommentarspam, sondern das GENAUE GEGENTEIL. Ich bin begeistert und würde mich auch freuen, über viele neue Postings von euch. Ob mit oder ohne Rechtschreibfehler. Die Aussage zählt! :)
    Und Lutz: Komm schon – was machst du für einen Job?

  7. Lutz sagt:

    Höchst verehrter Dr. Korrektor,

    Natürlich habe Sie Recht, wenn Sie fordern, dass man geschriebene Beiträge stets noch einmal lesen und gegebenenfalls korrigieren soll. Leider tun dies viel zu wenige, und im Internet findet man nur allzu oft Beiträge, deren Sinngehalt aufgrund mangelnder Rechtschreibung kaum mehr zu auch nur zu erraten ist – das beginnt mit penetrant-durchgänginger Kleinschreibung und reicht bis hin zu “kreativen” Schreibungen, die mein “Händie” geradezu harmlos erscheinen lassen (zum Beispiel: “kannsde mia dess net ma meilen, wär echt net”).
    Dies soll nun keine Entschuldigung für meine eigenen Fehler sein. Ich weiß nur zu gut, dass ich hier durchaus nicht perfekt bin, aber ich gebe mir durchaus Mühe und versuche, meine Leser vor allzu groben Schnitzern zu bewahren.

    Dass “richtig ist, was im Duden steht”, möchte ich so nicht stehen lassen. Wie sie ja in Ihrem letzten Beitrag ausführen, werden veränderte Schreibweisen durchaus in den Duden aufgenommen, wenn sie sich bei einer Mehrheit der “Sprachnutzer” durchgesetzt hat. Über die Frage, wann und wie lange ein Schreibfehler ein solcher ist, kann man sicher trefflich diskutieren. Grundsätzlich bin ich aber der Überzeugung, dass Sprache etwas lebendiges ist, dass sich jederzeit verändert und umformt. Natürlich muss man, um einem unbändigen Wildwuchs vorzubeugen, gewisse Konventionen erlassen. Und der Duden ist sicher eine gute Grundlage dafür. Aber auch der Duden gibt nur einen Stand zu einem gewissen Zeitpunkt wieder. Als gedrucktes Werk kann er auch nichts anderes sein. Und zum Zeitpunkt seines Erscheinens ist er an manchen Stellen schon wieder veraltet.

    Über den Begriff “Händie” bzw. “Handy” – das im Englischen ja eigentlich “Mobil-” bzw. “Cellphone” heißt – und mit dem das hier ja überhaupt erst angefangen hat, möchte ich mich hier nicht weiter auslassen. Aber vielleicht verwende ich in Zukunft ja auch den – wie ich finde wunderschönen – Ausdruck “Telefonino”, wie man in Italien sagt.

    Auch Ihnen, verehrter Doktor, wünsche ich noch viele angenehme und unterhaltsame Beiträge.

    Bevor ich schließe, möchte ich noch die Frage unserer verehrten Gastgeberin Frau Eva beantworten:
    Ich arbeite als Programmgestalter für eine öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt. Ich stelle die Musikprogramme (allerdings klassische Musik) zusammen, die dann im Radio gesendet werden. Das Problem dabei ist – und hier kommt die Sache mit der Zeit ins Spiel – dass nicht nur die einzelnen Musikstücke klanglich in der Abfolge “passen” müssen und das Programm in sich interessant und abwechselungsreich sein soll, es muss sich auch innerhalb eines bestimmten zeitlichen Rahmens bewegen. 110 Minuten sind eben 110 Minuten, und wenn mein Programm 111 Minuten lang ist, kommen die Nachrichten zu spät oder die folgende Lesung passt nicht mehr in ihre Sendezeit. Aber das ist eine ganz eigene Welt mit eigenen und wohl auch eigenwilligen Regeln. Und auch mir haben sich bestimmte Dinge, die zunächst sinnlos oder übertrieben erschienen, erst nach und nach erschlossen.

    Einen angenehmen Tag wünscht,
    Lutz

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