Musikschule

Ein neues Lied liegt vor dir wie ein schwieriges Gedicht im Deutschunterricht, das analysiert werden soll. Oft kommt es dir dann vor, als wären die Noten in einer ganz fremden Sprache geschrieben, oder zumindest in einer, die du keinesfalls fließend sprichst. Hilfreich ist es dann, jemand zu haben, der alles einfach einmal vorliest. Oder spielt. Denn wenn man sich nicht mehr mit den Augen, sondern einfach mal nur mit den Ohren darauf konzentriert, nimmt alles ganz andere Dimensionen an. Aus Widerwillen und Ablehnung wegen der anstehenden Entschlüsselungsarbeit wird ein Könnenwollen. Du hörst es und willst es auch so darbieten können. Du willst dich und andere selbst auch so verzaubern können, wie man es gerade mit dir macht. Das Lied begleitet dich von nun an eine gewisse Zeit lang. Sie kann Tage dauern oder Wochen, Stunden oder Monate. In was für einem Abstand auch immer, du setzt dich wieder hin und spielst es, wieder und wieder. Jedes Mal entdeckst du neue Feinheiten, triffst du einen anderen Ton besser oder weckt die Melodie ein neues Bild in dir. Das Lied wird zu deinem Lied und es entwickelt sich mit dir zusammen. Erst kannst du die Töne fehlerfrei spielen und hältst auch die Pausen genau ein. Dann machst du dich an die Fein- und gleichzeitig Schwerstarbeit: Du hast diese bunte Palette von Klangfarben zur Hand, die ganz individuell ist für jedes Instrument, und bedienst dich ihrer ganz nach Gefühl, nach Gehör, nach deinem Sinn. Am Ende entsteht ein Gemälde aus Tönen und Klängen, das ganz anders aussieht als das, das du vor einiger Zeit gehört hast, und in dem jeder deiner Zuhörer etwas anderes erkennt. Du machst Kunst.

1 Kommentar

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  1. frauke sagt:

    wenn ich dieses gefühl doch einmal nachempfinden könnte. aber ich schaff es nicht richtig konsequent und ehrgeizig zu üben..

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