Irgendwer hatte es hinbekommen, dass das Weltjugendtagskreuz an meiner (klosterlichen) Schule vorbeikam, für einen Tag. Wahrscheinlich unser überaus engagierter Seelsorger. Jedenfalls kam es, und mit ihm 1500 Schüler aus den umliegenden Orten. Gemeinsam sollten wir das 32kg schwere und 20 Jahre alte Holzdingsbums (mit Eisenplatten drin, wir haben es doch alle gesehen! Neenee.) auf die zehn Kilometer entfernte Jugendburg tragen und das ganze Wallfahrt nennen. Das hat auch Spaß gemacht!
Eine Wanderung mit der ganzen Schule, endlich mal ein Ausflug mit den 11ern und dem Lieblingslehrer und den Jungs aus der Parallelklasse. Mit Volks- und Saufliedern, zwanzig bunten Flaggen vorneweg und einem netten Polizisten, der uns die Straßen abgesperrt hat. Bis zur letzten Station vor dem Ziel. Da stand Hendrik auf einmal vor mir, in den Händen ein dickes, blaues Buch mit OMI-Logo und der Aufschrift “Köln 05″.
“Eva”, sagte Hendrik, “schaumal, das haben sie mir in die Hand gedrückt. Willst du das nicht haben?” Nein. Keiner wollte das komische Buch haben. Kein Lehrer, kein Mitschüler, keine Nonne, kein Pater. Völlig verwirrt standen wir da und wussten nicht, wohin mit diesem Buch, das halbvoll war mit Unterschriften und handgeschriebenen Texten von all den Leuten, die das Kreuz schon durch die Welt getragen haben dieses Jahr. Dann plötzlich Aufbruchstimmung. Das Kappellchenglöckchen (das wird ein ewiger Running Gag, johl.) war das Zeichen zum Gehen, als es plötzlich anfing zu regnen.
“Eva!”, schrie Hendrik, “Das Buch! Es wird nass!” Zum Glück (harhar. Im Nachhinein eher “Leider”) hatte ich einen Schirm, unter den sowohl Hendrik und ich als auch das Buch gerade noch passten. Im strömenden Regen kramten wir eine Plastiktüte hervor um damit das Buch trocken zu halten, welches ja scheinbar doch von gewissem Wert war. Als wir damit fertig waren, standen wir aufeinmal allein da. Mitten im Wald. Und im Regen. Mit einem verdammt wichtigen Buch. Ich wurde hysterisch.
“Eva”, grinste Hendrik, “Ganz ruhig. Ich hab schon ganz andere Sachen geschafft. Immer kämpfen!” Klar. Hendrik ist ein Abenteurer, dem gefällt sowas, er braucht immer einen Kick, ein Großprojekt. Erfahrungsgemäß meistern wir zwei sowas aber auch immer sehr erfolgreich. Allerdings beschränkten sich unsere gemeinsamen Großprojekte bisher auf Homepage AG-Jobs. In der Informatik. Im Trockenen.
Wir flüchteten in eine Garage, wo plötzlich Hendriks Handy klingelte und die Stimme seiner Freundin ausspuckte, die wissen wollte, wo wir denn seien, und was los wäre. Es stellte sich heraus (und hier kürze ich. Egal.), dass sie in einem Auto saß und uns abholen konnte. Uns und “DAS WICHTIGSTE BUCH IN DER STADT, verdammt”.
Triumphierend trugen wir das Buch noch vor der Abschlussmesse zu unserem Seelsorger. Allerdings kam von ihm nur halb so viel Begeisterung, wie unserer Hysterie und Panik hätte gerecht werden können. Hendrik und ich sahen uns nur an, wissend, was für Ängste wir durchgestanden hatten. Wissend, dass wir den Weltjugendtag quasi gerettet hatten. Und wissend, dass wir wieder ein fucking Großprojekt geschafft hatten, gemeinsam.
In der Messe anschließend bin ich eingeschlafen an seiner Schulter, sagen die anderen, aber ich wette, es war nur ein Sekundenschlaf. Irgendwann trugen sie plötzlich das Kreuz an uns vorbei aus der Kirche, und die Wallfahrt war echt nicht so schlecht gewesen. Alles in allem.
Kommentiert
Yannic: Herzlichen Glückwunsch! Hat sich in meinen Augen schon auf den JMT 2009 abgezeichnet. War – wie hier schon treffend gesagt – nur eine...
Marco: Ich wusste anfangs garnicht, dass der Film auf einem Buch basiert! Ich fand oder finde den Film wunderschön, er hat alles was ein Hollywood-Drama...
lisa: Eva, das ist ja Wahnsinn. So ein – Glück. Vor allem auch für die Macher, dich gefunden zu haben. Ich wünsche viel Erfolg und bin gespannt! (Du...
Anne: Sehr sehr fein! Freu mich schon auf mehr! Liebe Grüße und noch ein feines Wochenende! Anne