Archiv für Juli, 2005

Frauenheld – Jude – Genie

2005 ist das Einsteinjahr. Ein guter Grund, das Buch „Abenteuer des Denkens“ von David Chotjewitz zu lesen. Dieser Roman erzählt spannend und vielseitig vom Leben des weltberühmten Physikers und Querdenkers und richtet sich dabei besonders an Jugendliche. Er führt sie heran an Einstein als Frauenheld, als Juden, als Musiker und nicht zuletzt als großes Genie.Der Leser nimmt auf 350 Seiten Teil am jojoartigen Auf und Ab in dessen Leben. Zwischendurch werden fast unbemerkt die einstein’schen Theorien erklärt. Endlich ist einmal halbwegs verständlich beschrieben, was E=mc² bedeutet. Dieses gut recherchierte Buch ist jedem sehr zu empfehlen, der sein Allgemeinwissen bereichern und etwas über Leben und Charakter des Ausnahmemenschen Einstein erfahren möchte.

Bestimmt gibt es detaillierte Biographien, doch kaum eine wird so viele Bereiche dieses so komplexen Lebenslaufs derart fesselnd abdecken.

Borkener Zeitung, 28. Juli 2005

Schokomuffins. Meine goldene Haube, bitte.

Zum Anbeißen!

Zutaten für 12 Stück:
- 250 g Mehl
- 2 1/2 TL Backpulver
- 1/2 TL Natron
- 100 g Schokotröpfchen
- 1 Ei
- 125 g Zucker
- 1 Päckchen Vanillezucker
- 80 ml Pflanzenöl
- 250 g Buttermilch

Erstmal den Backofen vorheizen, so auf 180 Grad (Umluft 160). Währenddessen das Blech einfetten oder (was natürlich viel cooler kommt) diese kleinen Papierschälchen einsortieren. Anschließend fängt das große Abwiegen und Zusammenrühren an: Mehl, Backpulver, Natron und Schokotröpfchen (sind auch noch gut, wenn sie schon schlecht aussehen. Und ja, sie heißen tatsächlich so!) vermischen. Ei verquirlen – das kann man die kleine Schwester machen lassen, die die ganze Zeit quengelt, weil sie doch auch schon so lange mal wieder backen wollte und nie durfte. Sie kriegt die klebrigen Finger, wir das Ei. Letzteres mit Zucker, Vanillezucker, Öl und Buttermilch mixen und dann mit der Mehlmischung zusammenschütten. Zuletzt den Teig in die Form füllen und 24 Minuten lang backen. Bis sie gut aussehen halt. Stunde später plötzlich dran erinnern, dass da ja noch Schokomuffins warten, die inzwischen abgekühlt sein dürften, und schnell im Blog damit angeben. Voilá!

(Och kommt schon. Nach all den Küchenenttäuschungen werde ich mich doch einmal freuen dürfen.)

Von rosa U-Booten

“Tja, heutzutage ziehen sie wirklich jeden ein.”
Captain Sherman

Endlich habe ich mal wieder einen Film gesehen, der älter ist als sechs, sieben Jahre. Und noch dazu einen ziemlich guten: “Unternehmen Petticoat”, erschienen 1959, handelt von einem amerikanischen U-Boot, das im zweiten Weltkrieg von den Japanern getroffen und schwer beschädigt wird. Als sie Ersatzteile besorgen will, gabelt die Besatzung auch fünf Krankenschwestern auf, die fortan mit an Bord genommen werden müssen. Da geht natürlich alles drunter und drüber…

Mit von der Partie sind Cary Grant (einer seiner letzten Filme) und Toni Curtis (einer seiner ersten Filme) sowie ein paar Babys (zumindest auf der Audiospur) und ein Schwein, das für einige der besten Szenen sorgt. Vor vierzig Jahren schien alles noch so umgedreht zu sein, damals machten die Deutschen Klamaukfilme und die Amerikaner die tiefsinnigeren oder zumindest die mit der gehobeneren Humor.

Doch all die Komödien mit Heinz Rühmann, Peter Alexander und Heinz Erhardt sind inzwischen verjährt und, vergleichbar mit den Beatles, unantastbar und ohne Frage zu akzeptieren und, doch, auch zu mögen. Wer hat keine Freude an der “Feuerzangenbowle”, frage ich euch, und wer kann nicht einmal seinen kindlichen Humor auspacken für den dreifachen Erhardt in “Drillinge an Bord”?

Also ruhig mal wieder ein bisschen retro sein. Und ruhig auch mal ein bisschen mehr.

Webcamspielereien

10 Uhr 59 11 Uhr 11 Uhr 03
11 Uhr 08 11 Uhr 14 11 Uhr 18
11 Uhr 23

Es ist doch ein Kreuz mit dem Kreuz.

Irgendwer hatte es hinbekommen, dass das Weltjugendtagskreuz an meiner (klosterlichen) Schule vorbeikam, für einen Tag. Wahrscheinlich unser überaus engagierter Seelsorger. Jedenfalls kam es, und mit ihm 1500 Schüler aus den umliegenden Orten. Gemeinsam sollten wir das 32kg schwere und 20 Jahre alte Holzdingsbums (mit Eisenplatten drin, wir haben es doch alle gesehen! Neenee.) auf die zehn Kilometer entfernte Jugendburg tragen und das ganze Wallfahrt nennen. Das hat auch Spaß gemacht!

Eine Wanderung mit der ganzen Schule, endlich mal ein Ausflug mit den 11ern und dem Lieblingslehrer und den Jungs aus der Parallelklasse. Mit Volks- und Saufliedern, zwanzig bunten Flaggen vorneweg und einem netten Polizisten, der uns die Straßen abgesperrt hat. Bis zur letzten Station vor dem Ziel. Da stand Hendrik auf einmal vor mir, in den Händen ein dickes, blaues Buch mit OMI-Logo und der Aufschrift “Köln 05″.

“Eva”, sagte Hendrik, “schaumal, das haben sie mir in die Hand gedrückt. Willst du das nicht haben?” Nein. Keiner wollte das komische Buch haben. Kein Lehrer, kein Mitschüler, keine Nonne, kein Pater. Völlig verwirrt standen wir da und wussten nicht, wohin mit diesem Buch, das halbvoll war mit Unterschriften und handgeschriebenen Texten von all den Leuten, die das Kreuz schon durch die Welt getragen haben dieses Jahr. Dann plötzlich Aufbruchstimmung. Das Kappellchenglöckchen (das wird ein ewiger Running Gag, johl.) war das Zeichen zum Gehen, als es plötzlich anfing zu regnen.

“Eva!”, schrie Hendrik, “Das Buch! Es wird nass!” Zum Glück (harhar. Im Nachhinein eher “Leider”) hatte ich einen Schirm, unter den sowohl Hendrik und ich als auch das Buch gerade noch passten. Im strömenden Regen kramten wir eine Plastiktüte hervor um damit das Buch trocken zu halten, welches ja scheinbar doch von gewissem Wert war. Als wir damit fertig waren, standen wir aufeinmal allein da. Mitten im Wald. Und im Regen. Mit einem verdammt wichtigen Buch. Ich wurde hysterisch.

“Eva”, grinste Hendrik, “Ganz ruhig. Ich hab schon ganz andere Sachen geschafft. Immer kämpfen!” Klar. Hendrik ist ein Abenteurer, dem gefällt sowas, er braucht immer einen Kick, ein Großprojekt. Erfahrungsgemäß meistern wir zwei sowas aber auch immer sehr erfolgreich. Allerdings beschränkten sich unsere gemeinsamen Großprojekte bisher auf Homepage AG-Jobs. In der Informatik. Im Trockenen.

Wir flüchteten in eine Garage, wo plötzlich Hendriks Handy klingelte und die Stimme seiner Freundin ausspuckte, die wissen wollte, wo wir denn seien, und was los wäre. Es stellte sich heraus (und hier kürze ich. Egal.), dass sie in einem Auto saß und uns abholen konnte. Uns und “DAS WICHTIGSTE BUCH IN DER STADT, verdammt”.

Triumphierend trugen wir das Buch noch vor der Abschlussmesse zu unserem Seelsorger. Allerdings kam von ihm nur halb so viel Begeisterung, wie unserer Hysterie und Panik hätte gerecht werden können. Hendrik und ich sahen uns nur an, wissend, was für Ängste wir durchgestanden hatten. Wissend, dass wir den Weltjugendtag quasi gerettet hatten. Und wissend, dass wir wieder ein fucking Großprojekt geschafft hatten, gemeinsam.

In der Messe anschließend bin ich eingeschlafen an seiner Schulter, sagen die anderen, aber ich wette, es war nur ein Sekundenschlaf. Irgendwann trugen sie plötzlich das Kreuz an uns vorbei aus der Kirche, und die Wallfahrt war echt nicht so schlecht gewesen. Alles in allem.